Du kennst das Geschäft, es ist sehr schnelllebig. Niemanden interessiert was im Februar erzählt wurde, wenn man (im extremsten Fall) im Juni den Wembley-CL-Pokal erneut in die Höhe stemmen würde.
Aber ich glaube auch nicht wirklich daran, also weder an den CL-Titel, noch dass man im unwahrscheinlichen Fall dass man dennoch siegt mit Tuchel weitermachen möchte.
Ich glaub auch nicht wirklich daran, allein weil Eberl wahrscheinlich seinen ersten Existenznachweis mit einem neuen Trainer liefern will. Aber: es gibt durchaus Aussagen zwischen den Zeilen die meines Erachtens belegen, dass man sich mit Tuchel für die Zukunft, sei es die kurzfristige als auch irgendwann mal wieder, zumindest ein Hintertürchen offen halten will und es mit ihm nicht durch einen Rauswurf oder Rosenkrieg verscherzen will. Man hat ja nicht verhehlt, dass man seine fachliche Expertise durchaus sehr hoch schätzt und man wird seine Analysen ohne Frage in die zukünftige Kaderplanung miteinbeziehen, egal ob er noch Trainer ist oder nicht. Tuchel ist einfach ein hervorragender Diagnostiker, was fehlt und was gemacht werden muss, ähnlich van Gaal. Die Umsetzung im diplomatischen Bereich ist dann, ebenso a la van Gaal, eine andere Frage. Freund meinte ja vor ein paar Wochen, ich glaube nach dem Leverkusenspiel, dass "Tuchel mit der Situation kämpft". Das klingt nicht nach "Der Trainer kann es nicht".
Auch Dreesen war ja derjenige der im reinen Vier-Augen-Gespräch, als nicht sportlicher Verantworlicher und Nichtfußballer mit Tuchel war, nach dem man eine einvernehmlich Trennung ankündigte. Das war also defintiv keine einseitige Entscheidung der sportlichen Leitung oder Aufsichtsrat, sondern das klingt eher danach, dass Tuchel seinen Handlungsspielraum wahrscheinlich als zu eng empfand, was nachvollziehbar wäre und der Verein vielleicht zu stark gebunden ist und eher er, Tuchel, darum bat oder anregte, dass man im Sommer sich vielleicht besser trennt. Vielleicht auch weil die Leute die ihn holten nicht mehr da sind und auch Eberl mit viel Macht (bis 50 Mio Tranfers in Zukunft ohne Aufsichtsrat) am Horizont steht. Es ist also meines Erachtens, diesmal nicht die klassische FCB-Trainerentlassung und das sagt schon etwas aus. Man sieht ja auch was Tuchel unter widrigsten Bedingungen geschafft hat. Wäre Leverkusen nicht so bockstark (wofür Tuchel nix kann), man wäre auf klarem Meisterschaftskurs mit einem Rumpfkader und schon überdurchschnittlichem Verletzungspech. Das sehen die Oberen doch auch, dass da durchaus ein Mann mit hoher Handwerkskunst dran ist.
Deswegen halte ich es unter gewissen Voraussetzungen für nicht ausgeschlossen, dass man als Plan C, Tuchel sich doch noch hält (wenn der natürlich will). Es ist aber leider einmalig, dass ein Trainer beim FCB, der nicht mal ein Jahr da ist, in elf Monaten drei verschiedene sportlich "Verantwortliche" vor sich hatte (Brazzo, Freund, Eberl) und letzterer mit der Aussage auf seiner Einstiegs-PK "richtige Entscheidung" mit Tuchel zu beenden (ich dachte er war nicht dabei und könne das nicht beurteilen, so auf der selben PK) sich mal auch gleich wieder diplomatisch in einen Zwist setzt....Tuchels Antwort, das man sehen wird wie Max sich "einfügt" lässt ja auf nette Monate vor uns schließen. Tuchel ******t sich ab jetzt jedenfalls nix mehr und er hat meines Erachtens das Recht dazu. Das was Tuchel für den Verein geleistet hat, hat Eberl jedenfalls noch nicht geleistet. Jedenfalls nicht durch seine Amateurkarriere vor 30 Jahren.