Die Pistons haben nie "Iverson's Way" gespielt. Eher war es der krampfhafte Versuch von Detroit und Iverson, ihn in " the right way" zu integrieren. Das das auf Anhieb nicht klappt, vor allem wenn die Mannschaft unter der Leitung eines Rookie Coaches spielt und der Point Guard ein Sophmore ist, war abzusehen.
Was genau ist denn "Iverson's Way"? Die Sixers 2001 hatten eine bessere Defense als das, zu dem die Pistons derzeit noch in der Lage sind, und dazu auch noch gewaltig viel Dusel (siehe die knappen Serien in den Playoffs) in einer vergleichsweise schwachen Conference. Davor und danach gab es für einen Spieler seiner angeblichen Spitzenklasse keinen herausragenden Erfolg. Iversons Spielweise führt also selbst bei einer 100%igen Abstimmung auf ihn nur bedingt weit.
Dass er immer noch einer der besten Spieler darin ist, für sich selbst einen Wurf zu kreieren, und dass dies in einem engen Spiel wertvoll ist, steht außer Frage. Nur gehst du viel zu sehr von diesen eng eingegrenzten Situationen aus und ignorierst den ganz offensichtlichen Effekt, den die ständige Konzentration des gesamten Spiels auf Iverson sowohl beim gegnerischen als auch beim eigenen Team verursacht: Der Gegner stellt sich darauf ein und verteidigt Iverson letztlich mit 2-3 Mann oder macht die Zone zu, womit AIs Team auf seinen mäßigen Fernwurf angewiesen ist. Da ist dann nichts mehr mit "Iverson zieht zum Korb und schafft Räume für die Mitspieler, auf die er ablegt". Gerade die Pässe dieser Art waren eh noch nie seine große Stärke, weil er keinen großen Instinkt (oder vielleicht auch Interesse?) dafür hat, welcher Spieler wo in welcher Situation den Ball bekommen sollte und dort damit effizient etwas anfangen kann. "Pushen und Rennen" war übrigens auch noch nie Iversons größte Stärke, sondern Isolations. Spitzenteams können damit über den ständigen Einsatz des Superstars große Strecken eines Spiels bestreiten, aber dafür muss dieser Mann schon darin so effizient sein wie ein Jordan, LeBron oder Kobe. Iverson kann man ähnlich viele Ballanteile geben, bekommt aber lange nicht das heraus, was die genannten Spieler in solchen Situationen leisteten, und dabei ist auch noch nicht erwähnt, dass diese wahrscheinlich sogar die besseren Playmaker sind/waren, und von den Unterschieden in der Defense muss ich ja erst gar nicht anfangen. Das ist nach wie vor nicht das Problem von Michael Curry, sondern das eines Mannes, der schon vor Jahren zurechtgestutzt hätte werden und endlich eine andere Rolle ordentlich hätte lernen müssen. Aber nun ist er zu alt und nach wie vor zu unwillig dazu, und so werden wir trotz AIs Anlagen (die er ohne Zweifel hat, außer vielleicht im Hirn) nie erleben, dass er sich ähnlich einem Nate Archibald anpasst und in einem guten Team eine wichtige Rolle spielen wird, die diesem tatsächlich zu einem großen Vorteil gerät.
Da kann man auch gleich die Kirche im Dorf lassen und Iverson in Detroit als das sehen, was er ist: Als Franchise-Player so untauglich wie eh und je und jetzt nur noch ein sehr riskantes Trumpfblatt für einzelne Playoffspiele (im Sinn von Spiel 1 in den Finals 2001) und ansonsten nichts weiter als ein auslaufender Vertrag. Es hat aus oben genannten Gründen kaum Sinn, das gesamte Team auf seinen Stil einzustellen, in dem er vermeintlich gut aussieht, und leider, leider, leider hat er zum wiederholten Male bewiesen, dass er keinen anderen Stil beherrscht. Da kann man noch so viel Respekt dafür aufbringen, dass er in Interviews die richtigen Sätze sagt und auf der Bank engagiert wirkt. Wenn dies so entscheidend wäre, wären Mark Madsen und Ronny Turiaf Superstars...
Dass die Pistons auch sonst nicht derzeit das Contender-Team im Osten schlechthin sind (und ohne den Billups-Iverson-Trade in den Playoffs nicht unbedingt bessere Chancen hätten), sollte nicht zum Rückschluss führen, dass man dafür sorgen müsste, dass Iverson in einem besseren Licht steht. Fürs Team kommt wie gesagt dabei wohl kaum etwas besseres heraus.