Zu Lasogga I: Wenn er tatsächlich durchgehend von der Fürther Bank beleidigt wurde, dann ist sein Vorgehen nach dem Spiel sicherlich nicht die feine englische Art, aber irgendwo auch menschlich. Er selber scheint mir nicht das Hellste Licht unter der Sonne zu sein, glaubwürdige reflexartige Jubelstürme nach dem Spiel (ging ja dann in Richtung Slomka/Kreuzer weiter :clown

sind mir da allemal lieber, als der klinische Fussball, den sich einige hier scheinbar wünschen. Am Besten noch mit nachträglicher Sperre gegen lasogga oder was? Dazu war das Verhalten der Fürther Bank danach auch nahe am Asozialen, die hätten Lasogga am Liebsten erstmal aufs Fressbrett gehauen. Für mich unverständlicher als Lasoggas Jubel, aber mit dem HSV macht man eben besser Schlagzeilen.
Man sollte auch nicht erwarten, daß ein Fußballer sich päpstlicher als der Papst verhält. Lasogga ist, meinem Eindruck nach, ein relativ einfach gestrickter Bursche, der immer sehr emotional dabei ist. Klar, daß er mit diesen Eigenschaften nicht dazu taugt, Generalsekretär bei der UNO zu werden und sich dementsprechend auch nicht so benimmt. Das Umfeld ist nunmal relativ verprollt, wenn ich da an die Kabinengespräche denke, die es schon mit 14 und 15 Jahren bei uns gab... Das da der Umgang vielleicht ein wenig anders ist, als wenn man sich zum Polo spielen trifft, dürfte und sollte einleuchten. Der Junge ist 22, in dem Alter kann man so eine unnötige Aktion vielleicht gerade noch verzeihen, wenn sie denn einmalig bleibt.
Er ist in dem Spiel ordentlich traktiert und zusätzlich sehr offensichtlich in der zweiten Halbzeit mehrfach von der Fürther Bank angemacht worden. Ob er beleidigt wurde oder nicht kann man kaum beurteilen, wir sind uns aber bestimmt einig darin, daß er nicht höflich darum gebeten wurde, sich nicht mehr foulen zu lassen oder das Schwalben zu unterlassen. Es hat auch sicherlich nicht auf Zufall beruht, daß gerade Lasogga angemacht wurde. Das ist nämlich keine schlechte Möglichkeit, einen emotionalen und einfach gestrickten Typen aus dem Spiel zu bringen, indem man in seinen Kopf gelangt. Er hat sich ja auch offensichtlich mehrfach auf diese verbalen Scharmützel eingelassen. Ich denke bei sowas immer wieder an "das Tier" zurück, der konnte begnadet kicken aber war eigentlich immer die größte Weichbirne auf dem Feld. Wenn der sich in irgendeiner Form auf Trashtalk eingelassen hat, war Ende im Gelände. Dann konnte der keinen Ball mehr stoppen oder einen Pass über drei Meter spielen. Gegipfelt hat das ja u. a. in einer wüsten Handgreiflichkeit in der Kabine vor dem WM-Finale 1998.
Was man auch nicht unterschätzen sollte ist der Druck, der besonders auf Lasogga gelastet hat. Seit Wochen wurde davon berichtet, daß er die einzige Hoffnung auf den Klassenerhalt sei. VDV und Zoua wurden nur noch bemittleidenswert und hämisch belächelt, dann hatte man noch Calhanoglu, der mit einer Standard mal ein Tor einleiten oder erzielen konnte, der Rest war Lasogga und nur Lasogga. Er hatte also ohne Zweifel den größten Druck von allen, und das als Leihspieler wohlgemerkt. Der geht aufs Feld und macht sein Ding, egal ob er 1 Spiel gefehlt hat oder 6 Wochen. Mit dieser "mir-doch-egal"-Mentalität hat er das Team gerettet, denn beim Rest der Mannschaft hatte man durchweg den Eindruck, die konnten nicht anständig laufen, weil die schon bei Anpfiff 5 Kilo zusätzlich in der Unterhose mit sich rumschleppten. Und da lief es auch bestimmt nicht, wie damals bei Paul Breitner, flüssig. Mit dem Schlusspfiff ist dann alles abgefallen. Symbolisch, wie er beim Jubel auch den eigenen Manager zu Boden reisst. :thumb:
In 25 Spielen hat er es geschafft, in einem Zug mit Leuten wie Magath, Keegan, Seeler, Hrubesch oder Kaltz genannt zu werden. Dafür gebührt ihm Dank und viel Glück in seiner weiteren Karriere.