Empfehlenswerte Bücher

Giannis

Nachwuchsspieler
Beiträge
93
Punkte
18
Der Threadname sagt alles. Nennt hier eure Empfehlungen, am Besten mit zumindest 2-3 Sätzen, warum man das Buch lesen sollte.

Den Anfang möchte ich mit 2666 von Roberto Bolano machen. Von zahlreichen Literaturkritikern wird es als eines der besten Bücher der letzten 20 Jahre genannt und ich stimme dem zu. Es besteht aus fünf Teilen (Büchern), die in sich jeweils abgeschlossen, aber lose miteinander verwoben sind. Es stecken dabei so viele kleinere Geschichten mit drin und hat so viele unterschiedliche Ebenen, die so geschickt miteinander zusammenhängen, dass man sich jederzeit gut unterhalten füllt und es auch nach Abschluss der Lektüre noch nachwirkt. Es ist stellenweise lustig, dann wieder sehr bedrückend und nachdenklich machend. Es ist großartig. Lasst euch vom Umfang (deutlich über 1000 Seiten) nicht abschrecken, es lohnt sich.
 

Peaches

#mission54
Beiträge
205
Punkte
63
Standort
Innsbruck
Wer gerne mal etwas lesen möchte, was ein wenig "anders" ist, dem möchte ich Brand News Ancients von Kate Tempest ans Herz legen: eine Erzählung in Gedichtform, eine Art Ballade also. Davor sollte man aber nicht gleich zurückschrecken, denn das Buch liest sich sehr flüssig und entfaltet durch die tollen Verse einfach nur eine großartige Wirkung, wie ich finde. Ich empfehle übrigens ganz bewusst das Original, da ich die Übersetzung teilweise grausam finde. Da geht viel verloren.

Inhaltlich ist es auf den 1. Blick ein kleines Familiendrama, das sich im Südosten Londons abspielt: zwei benachbarte Familien, eine Ehefrau, die der Tristesse ihres Alltags durch eine Affäre zu entgehen versucht, zwei Halbbrüder, die nichts voneinander wissen und von Grund auf unterschiedlich sind. Kate Tempest schafft es aber, aus diesem kleinen Drama große gesellschaftliche Fragen abzuleiten und Probleme anzusprechen, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben, ohne zu stark und zu direkt anzuprangern. Und das tut sie, indem sie antike Mythen in die Gegenwart verlagert. Zitat vom Klappentext, weil ich es besser nicht sagen kann:

Die antiken Götter von heute leben im Südosten Londons [...] Ihre Nöte, Hoffnungen und Enttäuschungen bringt Kate Tempest in ihrem preisgekrönten Langgedicht "Brand New Ancients / Brandneue Klassiker" zu Gehör. In den kleinen, prekären Leben findet sie die Kraft der alten Mythen wieder. Dem Zynismus und der Gleichgültigkeit der kapitalistischen Gesellschaft setzt sie Humanismus und Einfühlungsvermögen entgegen und die Wucht ihrer Sprache.

Das Büchlein hat keine 50 Seiten, lässt sich also problemlos in einem durchlesen. Noch viel besser wirkt es aber auf der Bühne. Man kann sich das ganze bei YouTube anschauen, vorgetragen von der Autorin selbst:

 

Giannis

Nachwuchsspieler
Beiträge
93
Punkte
18
Mit "Die Hälfte der Sonne" ist Chimanda Ngozi Adichie ein bemerkenswertes Werk gelungen, dass die furchtbaren Ereignisse im Nigeria der 1960er sehr erlebbar machen. Adichie ist in Deutschland vor allem durch "Americanah" bekannt geworden, welches auch gut ist, aber aus meiner Sicht nicht die gleiche Kraft wie "Die Hälfte der Sonne" hat. In dem die persönlichen Schicksale erlebbar gemacht werden, trifft der Roman tief ins Herz und lässt den Leser angesichts des unfassbaren Leids bedrückt zurück. Schön geschrieben und tief traurig.
 

Zombi

Nachwuchsspieler
Beiträge
1
Punkte
1
Kann mir jemand Bücher empfehlen, die sich kritisch Religion, insb. Christentum und Buddhismus, beschäftigen? Gerne auch beide vergleichend. Soll kein kompletter Verriss von Religion sein, eher eine Mischung aus Einführung und Auseinandersetzung. Ist reichlich unspezifisch, ich würde mich einfach gerne mal genauer mit Religion beschäftigen.
Ich hab das Gefühl, hier sind viele belesene und religionskritische/atheistische Menschen unterwegs.
 

Giannis

Nachwuchsspieler
Beiträge
93
Punkte
18
Kann mir jemand Bücher empfehlen, die sich kritisch Religion, insb. Christentum und Buddhismus, beschäftigen? Gerne auch beide vergleichend. Soll kein kompletter Verriss von Religion sein, eher eine Mischung aus Einführung und Auseinandersetzung. Ist reichlich unspezifisch, ich würde mich einfach gerne mal genauer mit Religion beschäftigen.
Ich hab das Gefühl, hier sind viele belesene und religionskritische/atheistische Menschen unterwegs.
Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns" liefert einige religionskritische Ansätze und ist dank Bölls präziser Sprache ein absoluter Genuss zum Lesen. Ist halt ein Roman und kein Sachbuch, es wird also keine tiefergehende Analyse der Auswirkung der Religion gemacht und es kommt darauf an, was der Leser selber aus dem Stoff macht.
 

LoverNo1

Nachwuchsspieler
Beiträge
756
Punkte
43
Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns" liefert einige religionskritische Ansätze und ist dank Bölls präziser Sprache ein absoluter Genuss zum Lesen. Ist halt ein Roman und kein Sachbuch, es wird also keine tiefergehende Analyse der Auswirkung der Religion gemacht und es kommt darauf an, was der Leser selber aus dem Stoff macht.
Also als Schüler hat mir das nicht viel Spaß gemacht. Das heißt aber nix.
Spielt da nicht Melancholie ne größere Rolle?
 

Giannis

Nachwuchsspieler
Beiträge
93
Punkte
18
Also als Schüler hat mir das nicht viel Spaß gemacht. Das heißt aber nix.
Spielt da nicht Melancholie ne größere Rolle?
Aus meiner Sicht spielt das eher eine untergeordnete Rolle. Vorrangig ist für mich die Auseinandersetzung mit Ideologien (Religion & Nationalsozialismus) und wie diese die Freiheit des Individiums einschränken und Menschen das Leben zerstören können.
 

Benjamin

Moderator
Teammitglied
Beiträge
638
Punkte
43
Kann mir jemand Bücher empfehlen, die sich kritisch Religion, insb. Christentum und Buddhismus, beschäftigen? Gerne auch beide vergleichend. Soll kein kompletter Verriss von Religion sein, eher eine Mischung aus Einführung und Auseinandersetzung. Ist reichlich unspezifisch, ich würde mich einfach gerne mal genauer mit Religion beschäftigen.
Ich hab das Gefühl, hier sind viele belesene und religionskritische/atheistische Menschen unterwegs.
Ich bin vor einiger Zeit über ein Sachbuch mit dem Titel "Glücklich ohne Gott - Warum Bibel und Koran uns die Antwort schuldig bleiben" gestoßen und fand es durchaus ganz gut zu lesen. Wie der Titel schon besagt, wirst du darin wenig über Buddhimus finden sondern mehr über Christentum und Islam - und auch über das Judentum, in dem die beiden anderen Religionen letztlich wurzeln. Der größte Teil des Buchs befasst sich allerdings mit Textstellen aus den beiden "heiligen" Büchern und den Auswirkungen, die sie bis auf die heutige Zeit haben. Die Fragen nach dem Ursprung der Religionen und inwieweit ein Leben ohne Gott erfüllt sein kann - eine Frage, die ausdrücklich bejaht wird -, nehmen nicht ganz so viel Raum ein.
 

wirr

...
Beiträge
28
Punkte
3
Fundamental zu dem Thema ist "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins. Obwohl das natürlich eher ein kompletter Verriss ist. Aber auch sehr unterhaltsam. Etwas angenehmer und klassischer ist z. B. "Warum ich kein Christ bin" von Bertrand Russell. Kurt Flasch hat das übrigens unter dem gleichen Titel noch einmal aus seiner Erfahrung und mit etwas fundierterer Quellenkritik verständlich beschrieben.
Meist klammern die Autoren aber Buddhismus aus und konzentrieren sich auf monotheistische Ansätze wie Christentum, Islam und Judentum. Eine richtige Kritik des Buddhismus habe ich so noch nicht gelesen.
 

Mahoney_jr

Nachwuchsspieler
Beiträge
494
Punkte
63
Mal zum Thema Sport: heute ist von Michael Cox - Zonal Marking - das erste tatsächliche Buch rausgekommen. Cox ist im Prinzip jemand der es schafft, anders als die Jungs von Spielverlagerung, Dinge schnell auf den Punkt zu bringen.

Sein Buch handelt von der Entwicklung des Fußballs von 1992 bis heute. Taktik, Philosophie, etc.