Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass vor allem 2 Punkte ausschlaggebend dafür sind, dass er seine BVB Form nicht beibehalten konnte (obwohl Sammer ja überzeugt ist, er sei bei Bayern stärker als beim BVB ...):
A) Der Wechsel kam mit 20 einfach zu früh. Vor allem die Umstände und dass er seit dem den Ruf weg hat, vor allem wegen des Geldes gewechselt zu sein (was wohl auch so war).
B) Das System unter Pep: Götze hat ja selbst mal gesagt, dass es eine größere Umstellung für ihn war, dass Pep ihm quasi "verboten" hat sich so viel zu bewegen und dass er lieber stehen bleiben und warten soll, bis der Ball zu ihm kommt. Dadurch werden seine Schwächen eher betont, weil es gegen tiefstehende Gegner dann tatsächlich öfter auf den Antritt hinausläuft, während er beim BVB viel öfter schon in Bewegung war, wenn er den Ball bekommen hat.
Da ist sicher was dran. Zu A) Götze hat sich halt mit seinem Berater einen Karriereplan ausgearbeitet, denke ich. Der beinhaltet natürlich auch viel Geld, aber vor allem den Plan, ein echter Weltstar zu werden. Das geht natürlich auch nur bei den ganz großen Clubs und Bayern schien da ne sichere Sache zu sein. Das Geld hätte er auch woanders verdienen können, aber so musste er nichtmal eine neue Sprache lernen, hatte in München Familienanschluss und erstmal den deutschen Markt bei einem Verein mit auch international großem Namen zuzumachen, erschien ihnen wohl auch strategisch sinnvoll.
Das Problem ist nur: Götze ist nicht halb so clever und cool, wie er tut und auch nicht wie sein Berater. Ich halte Götze eigentlich für ein ziemliches Sensibelchen, dass schon seine Belobigungen und Streicheleinheiten braucht. Er will zwar Star sein, ist aber dafür eigentlich viel zu zurückhaltend und (vielleicht noch) nicht wirklich gemacht für permanenten Druck und Dauerbeobachtung durch zig Medien. Was man gerne sein will, ist nicht zwingend das, was man wirklich ist (in dem Alter sowieso nicht) und ich glaube, Götze hat da schon einen Rucksack, den er zwar selbst gepackt hat - der aber eigentlich nicht auf seine Schultern passt.
Zu B) das ist schon so. Die Diskussion darüber, dass es seine stärkste Position bei Pep so nicht gibt (höchstens mal aus der Spielsituation heraus) gab es hier ja auch schon mehrmals. Das ist aber bei jedem großen Club so. Keiner der Top 5 Vereine in Europa nimmt Rücksicht darauf, wo und wie sich einzelne Spieler auf dem Platz am wohlsten fühlen - mit Ausnahme von Messi und Ronaldo. Bei Bayern gibt es vier offensive Positionen, immer und mindestens. Seine Konkurrenten sind mit Robben, Ribery, Müller, Lewandowski und Costa alles Spieler, die auf richtig hohem internationalem Topniveau agieren. Wenn es um die zentrale Position geht, kommt noch Thaigo dazu. Das ist viel Holz und die bohren richtig harte Bretter. Von denen streicht ihm keiner über den Kopf, wenn es mal nicht so läuft, die wollen alle ihren Platz und jeder dieser Plätze ist richtig umkämpft, in jedem Training.
Dem muss er sich aber stellen, egal ob er außen, zentral oder im Sturm aufgestellt wird. Er muss auf jeder dieser Positionen komplett Vollgas geben, immer und in jedem Training, immer auf internationalem Topniveau. Das war in Dortmund anders, bei Barca, Real, Manchester oder Chelsea ist es aber nicht anders.
Seine Skills hat Götze nicht verloren, nichts davon. Er wirkt momentan auch körperlich absolut auf der Höhe, da ist kein Speckröllchen o.ä. . Er spielt ja auch nicht schlecht, im Vergleich zum ähnlich teuren Schürrle sogar ganz gut. Aber ganz gut reicht hier eben nicht. Ihm ist die Leichtigkeit abhanden gekommen, er darf sich keine Fehler mehr erlauben - und prompt macht er sie, wahrscheinlich gerade deswegen.