karmakaze:
Darüber ob die Strafe drakonisch war, kann man streiten. Der Grund weshalb das FIA-Urteil von einem französischen Gericht aufgehoben wurde, war jedenfalls nicht dass es unverhältnismäßig war, sondern dass es nicht rechtsstaatlich zu Stande gekommen ist. Es war fraglich, ob der Weltrat überhaupt Urteile gegen Briatore und Symonds treffen konnte, nachdem sie bereits aus dem Renault-Team ausgeschieden waren. Es gab z. B. für sie in der Verhandlung kein rechtliches Gehör. Es ging in das Urteil die anonyme Aussage eines "Zeugen X" ein (man vermutet es war Chefingenieur Alan Permane), der nicht vor dem Weltrat erschien, und anderes mehr. (Man könnte nebenbei auch gut darüber diskutieren, ob der FIA-Weltrat den Anforderungen an ein unabhängiges Gericht entspricht.)
Das ist nur zum Teil richtig. Das Gericht merkte sowohl an, dass gegen Ex-Mitglieder nicht derart vorgegangen werden darf (was an sich ein formales Delikt ist) als auch, dass die Beweisführung für ein derartiges Urteil zu dünn ist (was per definitionem der Unverhältnismäßigkeit gleich kommt).
Fakt ist also, dass die FIA nach der Aufhebung ihres Urteils durch ein Pariser Gericht gegen Briatore und Symonds nichts mehr in der Hand hatte. Sie hatte zwar gegen das Pariser Urteil Berufung angekündigt, aber da wären die Chancen wohl nicht so gigantisch gewesen. Also haben sie mit Briatore und Symonds lieber einen Vergleich geschlossen.
Das sehe ich genauso.
Damit Verbandsurteile vor ordentlichen Gerichten standhalten, müssen sie rechtsstaatlichen Grundsätzen entsprechen. Die FIA müsste also eigentlich eine richtige Sportgerichtsbarkeit aufbauen, ich glaube aber kaum, dass das geschehen wird.
Selbst wenn die Regularien verändert würden, besteht für jeden einzelnen Fall das gleiche Problem: Das höhere Recht zählt - und da die Appellation in etwa dem Zivilrecht entspricht, steht es vor jedem Verbandsurteil.
In der Sache habe ich an der Schuld von Briatore und Symonds wenig Zweifel und fand auch die Strafe auch nicht besonders drakonisch. Aber um Gerechtigkeit geht es bei diesen Sachen nur in zweiter Linie.
Ich respektiere deine Meinung, aber was an einem Urteil, dass einen der besten Manager der Formel 1, der zudem mit jeder Menge Herzblut dabei ist, lebenslang verbannt, nicht drakonisch sein soll, ist mir ein Rätsel. Aber vielleicht fehlt mir hier einfach der sportliche Gerechtigkeitssinn.
beautifulworld schrieb:
Mag sein, aber der Vettel-Hype ist im Vergleich zu den schlimmsten Schumi-Zeiten aber eher ein laues Lüftchen. Sprich, die Berichterstattung über die Formel-Schumi empfand ich damals als unerträglich. Wie die Medien dagegen mit Vettel und seinen Erfolgen umgehen, ist für mich noch einigermaßen okay.
Mir geht es nicht darum, die Stärke des Hypes zu vergleichen, sondern allgemein festzustellen, dass er in beiden Fällen herrscht.
Aus Ingenieurs-technischer Sicht kannst du doch einen dressierten Affen in einen Boliden stecken. Wenn der (Bolide) nur gut genug ist, gewinnt der (Affe) auch. Es ist bei Vettel derzeit auch deutlich zu sehen (ohne sein Talent abstreiten zu wollen): Der RedBull ist im Moment überlegen - ob nun mit legalen oder illegalen Mitteln, sei mal dahingestellt.
Aus Marketing-Sicht ist Vettel das gefundene Fressen, dass sich wie MSC einfach bestens für einen Hype eignet. Beide sind extrovertiert genug, um mit den Medien umgehen zu können und beide haben deutlich sichtbare Stärken, die sich ausbauen lassen und ließen. Ein Frentzen oder Heidfeld war zu schüchtern und daher einfach ungeeignet, RSC hatte mMn keine wirklichen Stärken, die man hätte ausbauen können...
Allen schrieb:
Ich bin ja nicht der grosse Schumifan, hatte auch gedacht dass er gegen Rosberg eher mehr Duelle verliert als gewinnt. Aber dass Schumi so tauchen würde, hätte ich nicht gedacht. Das Reglement mit den schmalen Reifen ist ja auch für die anderen Fahrer neu, also da hat er doch keinerlei Nachteile.
Das ist für jeden Fahrer neu, wirkt sich aber über den jeweiligen Fahrstil aus. Reifenmordende Fahrer, die insbesondere die vorderen Reifen hart beanspruchen, sind im Moment klar im Nachteil. Dazu gehört ganz deutlich Schumacher. Andererseits können Fahrer, die ihre Reifen gut schonen können, den einen oder anderen Wettbewerbsnachteil im Moment gut ausgleichen (insbesondere Button gegenüber Hamilton).