Gedichte

theGegen

Linksverteidiger
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Randbelgien
Die Zeit dazwischen

Heuer fast Iunius
oh holde Zeit?
S'ist schon itzt!
Frohlocke!

Kastanie hat eingestellt.
Zu früh
das Pulver verschossen.
Juchhe!

Es dräuet der trock'ne
Gesell
Ohm Hitzesommer.
Oh bewahre!

Die Zeit nun angekommen
zu atmen, zu hüpfen, zu tanzen
bevor die große Dürre
den Odem wieder raubt.
 

young kaelin

Merthyr Matchstick
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Weltbürger
das folgende Gedicht ist von Changen:

Es wurde von mir bewusst nichts verändert und genauso belassen, wie sies geschrieben hat.


Retten

Wir umarmen die Natur
von dem Mund bis Magen
von ganzem Körper bis der Seele.
Quinoa, Linsen, Kichererbsen. Bio Haferflocken
Getreide geben uns grosse Energie.
Alle Sorten Gemüse & Früchte lassen uns
ins Nature leben.
Wir riechen die Nature.
Wir essen alle von der Nature.
Unserer Mund fühlt sich froh.
Unsere Magen fühlt sich wohl.
Unserer Körper sagt. Entspannung
Unsere Seele geht ruhig.
Alle Medikamente sagen zu uns: Tschüss
Wir haben schon so lange Zeit unseren Körper & unsere Seele verloren.
Endlich haben wir sie beide wieder gefunden.
Uns selbst retten. heisst das auch.
Die Erde retten.
 

Hakuba

J-Fan
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Wolken

Luftige Wolken fliegen vorbei
Das sind die Seidenwattewolken des Frühlings
Bauschige Wolken quollen empor
Das sind die Kumuli des Sommers
Rasch sind Wolken beiseite gefegt
Das ist der Herbsthimmel, gutes Wetter
Trübes Aschgrau, unliebsame Wolken
Das sind Schneewolken, Winterhimmel
Auf die Leinwand des Himmelsgewölbes
Verschiedenste Wolken zu malen
Der Schöpfer ist ein vortrefflicher Herr

von Takeuchi Kôzô (1921 - 1945)
 

Der_Segler

Nachwuchsspieler
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Weil du nicht da bist

Weil du nicht da bist sitze ich und schreibe
all meine Einsamkeit auf dies Papier
ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe
die Maiennacht ruft laut, doch nicht nach mir

Weil du nicht da bist ist der Bäume blühen,
der Rosen Duft vergebliches Bemühen
der Nachtigalllen Liebesmelodie
ist nur in Musik gefasste Ironie

Weil du nicht da bist flüchte ich mich ins Dunkel
aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
mit grellem Licht und lärmenden Gefunkel
dem ich nicht folgen, nicht entfliehen kann.

Hier unterm Dach sitze ich im Lampenschimmer
dem Herbst im Herzen, Winter im Gemüt
November spielt sein graues Lied
"Weil du nicht da bist" flüstert es im Zimmer.

"Weil du nicht da bist" rufen Wand und Schränke
Verstaubte Noten über dem Klavier
und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke
die Dinge um mich herum reden nur von dir

Weil du nicht da bist blättre ich in Briefen
und weck vergilbte Träume die schon schliefen
mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist
weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.

Mascha Kalecko (1907-1975)
 

HamburgBuam

Adalaide Byrd
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Hatte Gestern Langeweile auf der Arbeit...

Schienen im Regen

Als die Eisenbahn in den alten Bahnhof fuhr,
stand dort ein Mann im Regen, unter der Bahnhofsuhr.
Er war noch jung, doch wirkte alt,
der Bart war Grau, die Augen kalt.
Er sagte mir mit leerem Blick, die Züge wären sein Heim
Denn ohne sie und ohne uns,
da wäre er allein.

Sie starb in einer kalten Winternacht
denn der Alkohol am Steuer hat sie einfach umgebracht
Dies erzählte er und schwieg
Und doch war mir nun klarer, weshalb er in die Züge stieg.
Denn manche wollen vergessen und andere Laufen weg
Doch letztendlich dient doch beides ein und demselben Zweck.

Drei Stationen südlich stieg er in die Nacht hinein
trat zitternd in den Lampenschein.
Des Regens Pfützen glühten lichterloh und hell
Der Zug fuhr an, verschwand sehr schnell.
Ich sah zurück, wo er noch stand und sah noch, wie er bitter lacht.
Und dann, verhüllt von Tropfen, verschluckte ihn die Nacht.

Zuhause angekommen saß ich dann am Fenster und sah hinaus
Wo der Regen tröpfelt und der Wind so heftig braust.
Meine Gedanken tanzten träge, wankten ziellos nur umher.
Und ich wusste, diese Mahnung wog gar schwer.
Im Anschluss stand ich leise auf und schlich den Flur entlang
Die Tür war Weiß und mir selbst ein wenig bang.
Doch meine Liebste, mein Leben, schlief friedlich vor sich hin.
Erfreute mich mit meines ganzen Lebens Sinn.

Am Ende einer Schiene, in einem kalten Kopfbahnhof
saß ein Mann mit einem Foto, dessen feuchte Kleidung troff.
Stets im Einklang mit den Augen, die so feucht und ach so blau
Er schließt die Augen, spitzt die Lippen und küsst das Bild von seiner Frau.