Morgen geht es in der Schweiz auch schon wieder mit der Super League los. Ich wage mich mal an eine kleine Saisonprognose mit ein paar Zeilen zu den einzelnen Teams.
1. BSC Young Boys
Die dominante Mannschaft der vergangenen Jahre legte eine Saison zum Vergessen hin. Nur Rang 6 gab es zum Ende der Spielzeit, die Probleme wurden identifiziert: defensive Instabilität, zu wenige Führungsfiguren und ein Konstrukt, dass bei Rückschlägen schnell in sich ineinanderstürzt. Mit zwei Statement-Transfers will man hier entgegenwirken: Cedric Zesiger kehrt aus Augsburg in die Hauptstadt zurück und der frühere Nationalspieler Isaac Schmidt beendet sein Auslands-Abenteuer. Schmerzliche Abgänge musste man noch nicht verkraften und trotzdem ist der Kader noch viel zu gross. Auf der Abgangsseite muss sicherlich noch etwas gehen. Der Kader hatte zuvor schon ordentlich Qualität und wurde nun noch einmal gezielt verstärkt. Ich rechne diese Saison so richtig mit YB.
2. FC St. Gallen
Ein kurzes Drama hatte man nach dem Cupsieg rund um Präsident Matthias Hüppi zu überstehen, schlussendlich blieb dieser dann doch im Amt (wichtige und völlig richtige Entscheidung!). Die Saison eröffnete man gleich mal mit einem Prestige-Sieg gegen Benfica in der EL-Quali. Der Abgang von Alessandro Vogt könnte schmerzen, aber mit Andrin Hunziker hat man meines Erachtens einen starken Ersatz für ihn gefunden. Und auch, dass die definitive Übernahme von Aliou Baldé gelungen ist, darf man als kleines Ausrufezeichen an die Konkurrenz deuten. Ansonsten ist es im Kader der Ostschweizer doch ziemlich ruhig. Bei St. Gallen leistet man unglaublich gute Arbeit und da baut sich definitiv etwas auf, dass zu ganz grossem befähigt ist. Sollte YB schwächeln, dann wird der FCSG bereit sein, da bin ich überzeugt.
3. FC Basel
Vielleicht schwingt da doch auch etwas der Übermut und die Fanbrille auf. Nach einer harzigen letzten Saison hat sich beim FC Basel doch sehr viel getan. Während man sich den Ruf vom "Deadline Day-Dave" geholt hat, ist man in diesem Jahr unglaublich früh dran. Unter dem neuen technischen Direktor Andreas Herrmann und Chefscout Marko Filipovic, welche man beide von Manchester United geholt hat, hat man schon früh Nägel mit Köpfen gemacht: Jonas Omlin ersetzt im Tor den zurückgetretenen Marwin Hitz, dazu holt man mit Asane Sow (Pro Vercelli), Kazeem Olaigbe (Trabzonspor), Ludwig Malachwoski (Mjällby), Akpe Victory (Zalaegerszeg), Jonas Harder (Fiorentina) und dem etwas routinierteren Zan Celar (QPR, früherer Torschützenkönig in der Schweiz) interessante Profile. Hier wird man schauen müssen, wie diese unter dem noch immer sehr kritisch gesehenen Stephan Lichtsteiner funktionieren. Der Test gegen Juventus hat jedenfalls etwas Mut gemacht.
4. FC Lugano
Neues Stadion, nicht wirklich nennenswerte Abgänge (bislang) und interessante Spieler aus Südamerika. Eigentlich spricht einiges für eine erfolgreiche Saison im Tessin. Irgendwie kommt bei mir jedoch nicht dieser Hype bezüglich der Mannschaft auf und auch das Conference League-Spiel (erster Pflichtspiel in der neuen Arena, das alterwürdige Cornaredo hat endgültig ausgedient) macht nicht unbedingt Mut. Schon letztes Jahr hatte man gute und schlechtere Phasen. Ich glaube, dies wird sich auch in dieser Spielzeit wieder so zeigen.
5. FC Sion
Was zur Hölle ist im Wallis los? Es ist ruhig. Und das kennt man gar nicht von Christian Constantin. Die Mannschaft wirkt gefestigt, auch wenn der Auftritt gegen BATE jetzt nicht unbedingt Mut macht. Man hat Winsley Boteli fix aus Gladbach übernommen, der Junge wird den Wallisern nächsten Sommer ordentlich Kohle bescheren. Leistungsträger muss man bis jetzt noch keine abgeben, jedoch hat man die Mannschaft auch noch nicht wirklich verstärkt. Die neu gewonnene Ruhe in der geleisteten Arbeit bringt aber wieder eine Platzierung in den vorderen Regionen.
6. FC Luzern
Hier ist vieles möglich. Mit Udo Portmann hat man einen routinierten, aber noch auf höchstem Niveau unerfahreren Trainer an der Seitenlinie, welcher aber sicherlich mit den talentierten Jungspunden in der Mannschaft umgehen kann. Jedoch hat man mit Pascal Loretz (Hannover), Adrian Bajrami (Braga) und Andrej Vasovic (Brügge) doch auch ein paar namhafte Abgänge zu vermelden, welche man noch nicht wirklich ersetzen konnte. Wichtig war sicherlich die definitive Übernahme von Oscar Kabwit und mit Leonardo Bertona von Meister Thun hat man wohl einen neuen Leithammel fürs Mittelfeld gefunden. Auch hier wird es wieder gute und schlechte Phasen geben, aber irgendwie mogelt man sich wieder in die Championship Group.
7. Servette
Der Kader ist für mich weder Fisch noch Fleisch. Da gibts nichts wirklich, was mich aus den Socken haut oder Anlass dazu gibt, eine wirklich starke Saison zu erwarten. Desweiteren steht auch jetzt noch der schon etwas angezählte Jocelyn Gourvennec an der Linie. Auf der Habenseite hat man keine neuen Spieler, welche mich zu Freudensprüngen verleiten, aber auch auf der Abgangsseite nicht so wirklich (abgesehen vom Transfer von Talent Loun Srdanovic zu Lille). Für mich die klare graue Maus der Liga. Zu gut für den Abstieg und zu schlecht, um vorne mitzumischen.
8. FC Thun
Letzte Saison war man Abstiegskandidat und wurde sensationeller Meister. Der qualitative Aderlass im Kader ist aber gewaltig: Trainer Lustrinelli und diverse Leistungsträger sind nun bei neuen Vereinen unter Vertrag, qualitativ gleichwertige Spieler hat man nicht wirklich verpflichtet. Mit Neu-Trainer Privitelli hat man einen Herren an der Seitenlinie, der noch keine Erfahrungen als Cheftrainer hat. Was man der Mannschaft positiv auslegen kann: man behält den Fussball bei und der Auftritt gegen Dinamo Zagreb war ein positiver Fingerzeig, dass man wohl doch nicht komplett chancenlos sein wird.
9. Lausanne Sports
Viele namhafte Abgänge (Stammkeeper Karlo Letica, Sekou Fofana, dazu die Leihspieler Gaoussou Diakité, Theo Bair, Gabriel Sigua und Enzo Kana-Biyik) muss man verkraften. Und wen hat man dafür geholt: korrekt, bis jetzt niemanden. Mit Luka Elsner steht zudem ein neuer Trainer an der Seitenlinie, welchen ich nicht wirklich einschätzen kann. Letztes Jahr konnte man irgendwie noch an der Europa-Euphorie zehren, auch die fällt jetzt weg. Ich erwarte eine sehr schwierige Saison, wenn da jetzt nicht noch etwas auf dem Transfermarkt passiert.
10. FC Zürich
Chaos in Zürich, Klappe die Erste. Ruhe scheint mir noch immer nicht wirklich beim FCZ eingezogen zu sein. Wirklich etwas auf dem Transfermarkt hat man auch noch nicht gemacht. Gerade Cheveyo Tsawa, welcher zu Brügge gewechselt ist, muss man irgendwie ersetzen. Der Kader macht so rein gar nichts mit mir und ich weiss ehrlich gesagt nicht wirklich, wie man damit ernsthaft einen Angriff auf Europa starten möchte. Auch die Testspiele waren jetzt nur bedingt erfolgreich. Was für Zürich spricht: mit Marcel Koller hat man neu einen Trainer an der Seitenlinie stehen, von welchem ich vieles halte und der Mannschaft gute Inputs liefern könnte.
11. FC Vaduz
Normalerweise sind die Liechtensteiner jeweils der erste Kandidat auf den Abstieg. Nun geht man in die insgesamt sechste Saison in der Super League, nur zweimal hat man den Klassenerhalt geschafft. Grundsätzlich hat man auch jetzt wieder zu wenig Qualität im Kader. Man bedient sich bei unterklassigen Vereinen aus Deutschland und versucht sich vor allem mit Leihen einen konkurrenzfähigen Kader zu basteln. Das Glück des Aufsteigers? Es gibt mit GC noch einen absoluten Zirkus, bei welchem so viel schief läuft. So rettet man sich immerhin in die Barrage.
12. Grasshoppers Zürich
Man bleibt der Chaos-Klub. Wieder einmal hat der Verein einen neuen Besitzer, Alain Sutter darf nicht mehr als Sportchef weitermachen und wurde von seinen Aufgaben befreit. Mit Asp Jensen fehlt nun auch der beste Spieler der vergangene Saison, auch die Leihe von Zvonarek und einigen anderen ist nun vorbei. Verstärkt hat man sich lediglich mit Aarau-Keeper Hübel, nur ist das nach aktuellem Stand die Position, wo man niemanden braucht. Zu viel Chaos und zu wenig Qualität, der Rekordmeister geht in meinen Augen mal wieder runter.
Ich bin gespannt, wie sehr mir diese Prognose in einigen Monaten auf die Füsse fällt.

