Boxen, Kohle und...
Samstagabend, Frau und Kinder übers Wochenende verreist.
Ich mixe die Standarddosis fünf Gramm, fülle das Pulver in Gelantinekapseln und hinter damit. Mein Plan war simpel. Einen rauchen und mit Floyd (Irish Setter) derweil kurz durch den Park marschieren, Boxen (Klitschko vs. Joshua) schauen und dann wäre es sicher schon höchste Zeit sich in den Musikkeller zu verziehen.
Wir waren noch nicht wieder zuhause, als die Pilze sich schon bemerkbar machten.
Ich hab dann schnell den Keller "vorbereitet", also Gras, Tabak, Blättchen zurechtgelegt, Plattenspieler an, Platten rausgesucht usw. Am liebsten wär ich gleich unten geblieben, weil ich schon ordentlich unterwegs war. Da ich mir ja aber in den Kopf gesetzt hatte, Boxen zu schauen, bin ich hoch.
Schon im Treppenhaus hab ich die behagliche Musikkelleratmosphäre vermisst, aber egal. Fernseher einschalten und den richtigen Sender finden war schon ne Aufgabe. Aber mein timing war perfekt, beide Boxer standen im Ring und der Ringrichter sagte: "Protect yourself all the time!"
Das Ganze war eine lächerliche Clownsveranstaltung...der sound, die Fratzen...mein Bauch fing schon leicht an zu krampfen aufgrund der Lacherei. So vergeht ein bissel Zeit, ich feiere total ab und versuch meine Optik zu fokussieren. Irgendwann hatte ich es raus, Kopf bissel schief halten, rechtes Auge leicht zusammenkneifen.
Irgendwie fand ich das aber nicht mehr lustig und wollte runter in den schönen Musikkeller, konnte aber nicht wegschauen. Zwei übelste Kampfmaschinen im Ring, die sich gegenseitig verletzen wollten. Normalerweise schau ich gerne Boxen, aber auf den Pilzen kam es mir total bescheuert vor, sich anzuschauen, wie zwei Kerle versuchen, sich die Fressen kaputt zu hauen. Es hat dann ordentlich gerattert im Hirn. Hab mir Gedanken darüber gemacht, wieviel Kohle mit so einem Kampf generiert wird, weil genug Leute am Ring und vorm TV sitzen. Das ging dann so weiter...wie krass TV überhaupt ist, welches Potential das bietet, wie es abläuft. Das war mir dann aber viel zu soziologisch und stressig, lieber TV aus und runter in den gemütlichen Musikkeller.
Die TV Bilder haben mich dann aber ausgenockt. Die kloppen sich richtig aufs Maul, Blut spritzt, die Jungs keuchen, gehen zu Boden, ich bekomme Angst...das ist doch Wahnsinn, diese *******e muss gestoppt werden. Das war gar nicht einfach, ich war mittlerweile richtig verstrahlt. Die Aktion hat mich genervt, ich hab mich selbst genervt, weil von vorneherein klar war, dass die TV / Boxen Idee schwachsinnig ist. Die Schlägerei hat mich auch echt beunruhigt und es war sehr befriedigend, als ich endlich den ******* TV ausschalten konnte. Habs zuerst mit der Fernbedienung versucht, aber die hatte Knöpfe ohne Ende, über deren Funktionsweise ich nur raten konnte. Irgendwie war Kriegsatmosphäre, ich robbe Meter für Meter vorwärts, immer auf meine Deckung achtend und ziehe als letzte Option den Stecker. Plötzlich war Ruhe, ich musste grinsen, Zufriedenheit machte sich breit, und ich wollte jetzt endlich runter gehen. Plötzlich macht Floyd Faxen, ist aufgeregt und jagt durchs Zimmer, als ob er Wild aufstöbern möchte...Ich hör jetzt auch etwas und versuche die Quelle zu orten. Das Geräusch wird lauter, es klingt WIEDER nach Krieg, ich bin extrem verpeilt und werde noch ängstlicher. Das Geräusch ist jetzt Krach, es zischt und donnert ohrenbetäubend laut. Ich schiebe Filme, komm mir vor wie meine Oma auf der Flucht. Ich hab null Peilung und weiß überhaupt nicht was abgeht, wer oder wie oder warum.
Ich weiß, dass ich auf Pilz bin. Aber was hier grad abgeht, nee, das können nicht nur die Pilze sein, soviel ist klar. Floyd stellt die Vorderpfoten aufs Fensterbrett und schaut raus. Ich stolper also zum Fenster und öffne es, dann muss ich mir erstmal die Ohren zuhalten. Draussen ist es taghell, was seltsam ist. Ich hab zwar keinen Plan wie spät es ist, aber es war vorhin schon mal dunkel, und so schnell vergeht die Zeit auch nicht, ziemlich seltsam und beunruhigend. Ich steck vorsichtig meinen Kopf aus dem Fenster. Man will ja nicht runterfallen. Bloss nicht auf bescheuerte Ideen kommen, wie zu weit aus dem Fenster lehnen oder rausklettern. Der Krach kommt von oben, irgendetwas fliegt dort über meinem Haus, macht übel Krach, blinkt und wirft einen äusserst hellen Lichtkegel...vielleicht ein Ufo?
Alles klar, kein Problem, das ist nur ein Polizeihubschrauber der zufällig über mein Haus fliegt und alles ausleuchtet. Verdammt, ein Bullenheli? Was macht der hier und hat das was mit mir zu tun? Ich schiebe schräge Filme, schaffe es kurz klarzukommen und verlasse endlich das Zimmer. Im Treppenhaus ist alles wieder ganz anders. (Am nächsten Tag stellte sich raus, dass der Heli nen Flüchtling aus dem Maßregelvollzug suchte) Ich hab dieses wohlige Pilzgefühl und bin überhaupt nicht meht verpeilt.
Ich öffne eiskalt die Haustür, alles dunkel und kein Hubschrauber in Sicht. Aber irgendwas bewegt sich, Floyd ist schon dort. Okay, es ist der Nachbar, der schaufelt Kohle durch sein Kellerfenster, voll normal. Die Optik ist krass und er labert mich auch noch zu. Ich frag ihn ob das Kohle sei und ob er das nicht auch seltsam findet. Er versteht mich natürlich nicht, und ich hab etliche sich überlagernde Gedanken gleichzeitig. Ich weiss was ich ansprechen will, aber es fällt mir schwer das in Worte zu kleiden. Ich sag ihm irgendwie, dass ich das *******e finde. Die Kohle hat ewig gebraucht um Kohle zu werden, die "Herstellung" ist doch recht komplex und aufwändig, ganz zu schweigen von der Riesenmenge Energie die es gebraucht hat. Er versteht immer noch nicht. Na man, Junge, davon gibts nur ne bestimmte Menge und wenn die alle ist, dann wars das mit Kohle. Stell dir vor, irgendwann findet wer irgendwas geniales raus, was man mit oder aus Kohle machen kann, aber dann gibts keine Kohle mehr, weil wir wie Lemminge alles verbrannt haben...verrückt. Mittlerweile ist mir das zu blöd, ich hab keine Lust meinen Pilztrip zu verschwenden und wie soll ich ihm etwas erklären, das mir selbst gar nicht klar ist.
Juhu, ich steh wieder im Hausflur und steuere Richtung Keller...nach gefühlten Stunden, und eigentlich wollte ich nur schnell Boxen schauen und rechtzeitig vorm Draufkommen im Keller sein. Da kam ein bissel was dazwischen, aber ich war ja jetzt wieder auf Kurs.
Unten war fast alles perfekt, eine Wohlfühloase. Jetzt konnte ich mir auch endlich mal eine Sportzigarette drehen und den trip geniessen. Dann fiel mir ein, dass ich im Nebenraum in der Zwischendecke noch mehrere Hazesorten aus Amdam gebunkert hatte, die fehlten mir jetzt noch zum glücklich sein. Ich also rüber, meinen Arm in die Zwischendecke gequetscht und nach dem Grasglas getastet. Es rumpelt und Schmerz, irgendwas hat mich gepackt. Meine Hand ist blutig, es faucht und ich sehe zwei Augen. Jetzt reichts endgültig, ich bin geschockt, blutüberströmt und hab die Schnauze voll. Ich schütze meinen Hals mit den Händen und trete den Rückzug an. Drüben setz ich mich auf die Couch und kann das alles nicht so richtig fassen. Was soll der *******? Bullenhubschrauber, wilde Tiere...wars das jetzt oder kommt da noch was? Ich sitze also auf der Couch, Floyd neben mir und desinfiziere meine Hand. Kurzzeitig denk ich, ja klar Boxen halt, da fließt schon mal Blut. Im Nebenzimmer rumpelts, ich schaue verwirrt zur Tür. Die lasse ich immer angelehnt, damit Floyd rein und raus kann, ohne jedesmal auf die Türklinke springen zu müssen. Die Tür quietscht und öffnet sich langsam. Floyd und ich schauen zur Tür, kommt eine Katze reinstolziert. Oh Gott, denk ich, ich habs gewusst, es ist noch nicht vorbei, die Bestie will mir den Rest geben. Ich bin versteinert, die Katze kommt näher. Floyd jagt normalerweise Katzen, aber schaut genauso blöd aus der Wäsche wie ich. Die Katze stellt die Voderpfoten auf die Couch, beschnüffelt den Kopf von Floyd, springt hoch, kuschelt sich an Floyd und schnurrt zufrieden. Der Hund ist genauso verpeilt wie ich, er schaut immer abwechselnd erstaunt zur Katze und zu mir. Die Situation war einfach nur köstlich, der ganze Stress vorher vergessen und vergangen. Natürlich bin ich dann flink rüber, hab das Haze geholt und wir drei hatten noch eine schöne, entspannte Zeit. Seitdem wohnt bei uns eine Katze.