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Ich war heute in Chaux-Neuve vor Ort. Ein schöner Tag war das und eine schöner Wettkampf, auch wenn man leider merkt, dass es doch ein bisschen bescheidener geworden ist im Vergleich mit dem vor 2 Jahren, als ich da auch war. Franzosen sind nicht mehr so erfolgreich und das merkt man schon an dem Interesse, allerdings fand ich heute schön, dass Mael Tyrode dank einem ordentlichen Sprung und einem grandiosen Lauf ein bisschen Freude dem tollen Publikum bereiten konnte (immerhin werden die besten 6 geehrt und als 5. war Tyrode bei der SIegerehrung dabei).

2x konnte man die österreichische Hymne hören, aber das auch völlig verdient, Katharina Gruber mit einem fantastischen Sprung und konnte seinen Vorsprung ins Ziel retten. Fabio Obermeyr hat auch wesentliche Fortschritte auf der Schanze gemacht und seine läuferischen Qualitäten kennen wir.

Besonders hervorheben möchte ich die Italiener. Seit Paolo Bernardi dort wieder im Amt ist, scheint wirklich vorwärts mit dem Springen zu gehen. Heute gab es gleich 3 solche Exploits. Dass Iacopo Bortolas sehr gut springen kann, hat er schon mehrmals bewiesen, aber die tollen Sprünge von Domenico Mariotti und Daniela Dejori waren eine tolle und sehr nette Überraschung. Die Italienerinnen waren in Bischofshofen und Oberstdorf nicht dabei, sie können also glücklich sein, dass sie nach Frankreich gekommen sind, es hat sich gelohnt.
 
Und heute gewannen Manuel Faisst bei den Männern (Top3 aus Deutschland) und Ema Volavšek bei den Damen.

Ergebnis Frauen: https://www.fis-ski.com/DB/v2/downl...ment/7ed211da-9787-415b-ba9c-f5d89b9a1395.pdf
Ergebnis Männer: https://www.fis-ski.com/DB/v2/downl...ment/1b2b2697-611b-44f2-a17c-3c33a17cf8a8.pdf

Im Generalklassement bei den Männern gewann David Mach, bei den Frauen Volavšek. Zur Erinnerung: Das SGP-Reglement sieht vor, dass man an allen Wettkämpfen teilnehmen muss, um in der Endgesamtwertung berücksichtigt zu werden. Dementsprechend wurde nur 10 Frauen klassifiziert.

Gesamtwertung Frauen: https://www.fis-ski.com/DB/v2/downl...ment/514201c2-cb61-4e27-a535-9a7d0f57209d.pdf
Gesamtwertung Männer: https://www.fis-ski.com/DB/v2/downl...ment/966a13d6-63e9-4894-b7bc-90eea66d98d1.pdf

Ema Volavšek hat insgesamt fast 8961 EUR verdient. Ich denke es ist angesichts der Lage der Frauen-Kombination und der Tatsache, dass es sich um 9 Tage im Sommer handelt, nicht schlecht.
Preisgeld Frauen: https://www.fis-ski.com/DB/v2/downl...ment/165e225d-81a9-4336-8a58-c3459bdf02b3.pdf

Bei den Männern hat David Mach 5818 EUR abkassieren dürfen.
Preisgeld Männer: https://www.fis-ski.com/DB/v2/downl...ment/43c232be-bf3c-49f9-9bfa-c016e6baddfa.pdf
 
Das ist natürlich krass, dass nur die Top6 Preisgeld bekommen. Da dürfte für die meisten ein Start auch eher ein krasses Minus als Plus gewesen sein.
 
Am Rande des Sommer Grand Prix in Chaux-Neuve wurde im französischen Umfeld (Vereine, regionale Verbände, nationaler Skiveband) diskutiert, wie und ob es möglich wäre, die Kombination doch noch für die olympischen Spiele 2030 zu retten. Vor Ort war auch der FFS-Präsident Fabien Sugiez. Anscheinend hofft man auf einen Präzendenzfall, den es Mal schon gegeben hat:

Das Ringen, das im Februar 2013 aus der olympischen Familie ausgeschlossen wurde, wurde sechs Monate später nach einer starken internationalen Mobilisierung schließlich wieder aufgenommen

 
Bei der Sommer Grand Prix war von der tristen Atmosphäre nichts zu sehen und zu hören.

Die Situation lässt sich aber natürlich nicht schönreden.

Heute ist in der Luzerner Zeitung ein Artikel erschienen, der ein sehr tristes Bild zeichnet und zum Teil brisante Sachen aufleuchtet. Ich denke zwar, dass der Journalist einiges fast selbst erfunden haben musste, aber es gibt ein Paar anonyme aber auch nicht anonyme Zitate. Der Artikel ist hinter dem Paywall und ich habe ihn gekauft (bzw. ein Probe-Abo für 1 CHF eingelöst) deswegen werde ich ihn hier natürlich nicht hineinkopieren, nur ein Paar interessante Infos stichpunktartig:

- die "berühmte" Beliebheitsrangliste der Olympia-Winterdisziplinen wurde zitiert; hier war Eishockey an der Spitze mit 122 Punkten, NoKo am 16., letzten Rang mit nur 28 Punkten (15., vorletzter Platz Skeleton hatte 52 Punkte, also fast doppelt so viele)
- angeblich gab es Mitte August in Oberstdorf eine Art "Krisensitzung" von GER, NOR, AUT, JPN Teams mit der FIS
- in Österreich wird angeblich bereits Polizeisportlern von der Polizei gekündgt (!) - das will ich ehrlich gesagt nicht glauben, bereits jetzt schon?
- in der Schweiz steht die Förderung für das (eigentlich frisch und neu geschaffene!) NoKo-Team auf der Kippe - auch bereits jetzt, ist also die kommende Saison gar nicht abgesichert !?
- in der Schweiz hat man vor ein Paar Jahren evaluiert, dass ein Skispringer der kostenintensivste Athlet im (Verband?)System ist - noch teurer als ein Alpiner; zum Unterhalt der Skisprunganlagen "trägt" in der Schweiz das Skispringen 80% als Disziplin bei, NoKo 20%, anders als in Deutschland, wo es angeblich 50/50 ist

 
Der Artikel wurde heute vollständig und kostenlos bei watson.ch veröffentlicht, man kann also alles nachlesen:

So richtig viel neues bringt der Artikel nicht. Diese komische Rangliste würde ich ja gerne mal nach den Einzelkriterien aufgeschlüsselt sehen. Die alleinige Zahl ist leider sehr nichtssagend. Aber wie auch immer die zusammengebaut wurde, ist die Hälft der Punktzahl des letzten schon extrem.
Wobei es hier auch nicht wundert, dass die 3 Eiskanalsportarten folgen.

Gut ist auch immer, wenn man darauf verweist, man müsse andere Konzepte bringen, um die Zuschauer anzulocken. Das ist immer so ne hohle Aussage, denn allzuviel neues kann es in dieser Sportart nicht geben aus meiner Sicht. Vor allem nichts, was mit diesen komischen Kriterien messbar wäre.

Es bleibt einfach viel Ratlosigkeit zurück.
 
Naja, vielleicht ist es tatsächlich keiner. Denn dadurch haben theoretisch deutlich mehr Länder eine Chance, diese Sportarten erfolgreich auszuüben, als das bei den ganzen Schneesportarten der Fall ist. Eine Halle, in der man Eishockey oder Eiskunstlauf betreiben kann, könnte man auch in Afrika, Südamerika oder im südlichen Asien problemlos bauen - auch wenn ich nicht weiß, wie weit diese Sportarten dort tatsächlich verbreitet sind.

Auffällig ist für mich auch, dass drei dieser vier Sportarten „Jurysportarten“ sind, wo also Noten einer Jury über die Platzierungen entscheiden. Das scheint für viele Leute interessanter zu sein als die Sportarten, in denen der Sieger irgendetwas einfach schneller können muss als alle anderen.

Was sagt uns das? Man sollte die Haltungsnoten im Skispringen besser beibehalten…
 
Also in Asien ist Eiskunstlaufen populär - Eishockey eher nicht so. Und Afrika und Südamerika kann man vermutlich bei ner ernsthaften Betrachtung von Wintersportarten fast rauslassen. Und kommt mir jetzt nicht mit Lukas Pineirho Braathen.
 
Ja weil für "Durschnittszuschauer" ist das Eiskunstlaufen einfach eine Show und das rein Sportliche ist eigentlich gar nicht relevant.
Auch der Punkt, dass Eishockey und Eiskunstlauf eigentlich keinen Winter brauchen ist für mich ein guter Input. Hier muss man eben differenzieren und das will IOC leider nicht machen und ist nur von dieser "Globalisierungsideologie" verblendet. Es ist doch klar, dass Ski Nordisch in Afrika oder Südostasien nie ein Thema sein kann und wird. Trotzdem gehören diese Sportarten zu den Winterspielen. Aber mit diesem Trend sehe ich das alles schwarz. NoKo ist ja nur der Anfang.
 
Manfred Kuner, der Chef des Schwarzwälder Skiverbandes:

Deshalb arbeiten wir unermüdlich, damit das IOC das Aus der Noko schnell revidiert. Wir sind hierzu auf politischer und sportfachlicher Ebene in Kontakt. (...) Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es uns doch noch gelingt, das IOC zu überzeugen, dass die NoKo schon 2030 wieder ins olympische Programm aufgenommen wird.

 
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