Ich finde man kann Wilder nicht mehr rein als techniklosen tumben Haudrauf darstellen. Klar schaut es bei ihm nicht "lehrbuchmäßig" aus und klar hat er boxerische Schwächen (z.B. Kampfkontrolle durch Jab und Reichweite). Aber als Nichtskönner schafft man es sicher nicht, in bisher jedem Kampf mindestens 1, 2 so harte Hände anzubringen, dass der Gegner schwer getroffen runter geht oder kurz davor ist.
Ich glaube kaum einer hier bezeichnet den aktuellen Wilder als Nichtskönner, sondern beschreibt seine deutlichen Schwächen als auch Stärken. Wenn ich geschätzt 70 Versuche brauche um einmal die Birne meinen Gegners zu treffen und er dabei den Boden küsst, dann spricht das eher für meine Kondition und Schlagstärke und weniger für den technischen und strategischen Part oder gar Unberechenbarkeit.
Seit seinem ersten WM-Kampf (er konnte nichts dafür, dass ein Stiverne im Vakuum WM war) finde ich seine Gegnerschaft jetzt auch nicht so viel schlechter, als die von Joshua. Spätestens seit Ortiz nicht. Wen hätte er auch boxen sollen? Joshuas Gegner sahen auf dem Papier besser aus. Aber Whyte hatte nichtmal ein so hohes Ansehen zum Zeitpunkt des Joshua-Kampfes und galt eher als eine schlechtere Variante von Chisora/"Prime-Peter", Takam war schon auf dem absteigenden Ast, Parker war eher ne Art "Paperchamp" ohne echte Steigerung seit Längerem, und Pove war eben schon etwas älter und nicht mehr der "Dopetkin", der mit spektakulären KO's glänzte. Außerdem hat Wilders Team damals auch bewußt kommuniziert, dass Wilder für manches eben noch nicht bereit wäre.
So kann man natürlich auch die Gegnerschaft von Joshua schlecht reden

Sowohl auf dem Papier als auch in der Realität sind die Gegner von Joshua IMO (minimal) besser.
Joshua: Povetkin, Klitschko, Parker, Whyte.
Wilder: Ortiz, Fury, Stiverne 1
Komischerweise kann Wilders "Instinkt", bzw. seine Präzision bei harten entscheidenden Treffern so schlecht nicht sein. Eher im Gegenteil für mich.
Warum die harten Schlägen letztendlich doch landen, ist IMO seiner Kondition und Schnelligkeit zu verdanken. Die Fakten über seine Präzision sprechen dagegen:
In a bout that saw Tyson Fury control large portions of the fight with his ring generalship but also saw Deontay Wilder score explosive knockdowns in rounds nine and the ultra-dramatic 12th. In the end, the bout was a poorly received split draw. Fury out-landed Wilder 84-71 overall, 46-40 jabs...
www.boxingscene.com
~16-17% Trefferquote
Im Vergleich Wlad vs Fury und Vitali Klitschko vs Johnson, der ebenfalls nicht leicht zu treffen ist:
~35% Trefferquote
Vitali Klitschko vs Kevin Johnson - CompuBox Stats
www.boxingscene.com
~25-50% Trefferquote
Wilder profitiert halt sehr stark von dem aktuellen eher schwächeren Schwergewicht, die noch zusätzlich ein leichteres Ziel für ihn bieten. Siehe Stiverne, Brazil, Arreola, Duhaupas.
Zumindest versprechen seine Kämpfe immer Spannung. Und er geht immer aufs Ganze. Langweiliges Ausboxen mit Reichweitenvorteil und hinterher mit unsäglichem Geklammer selbst gegen völlig chancenlose Gegner "durfte" ich lange genug miterleben im HW.
Dem stimme ich zu!

Wilder ist aktuell der aufregendeste Boxer im Ring, der auch ohne ständiges Klammern und Dirty Boxen sich durchsetzen kann und Risiken eingeht.