Skisprung-News: Neuigkeiten aller Art


Ich stimme dir ja grundsätzlich zu, dass man bei jeder Sportart ein Stück weit "mit der Zeit gehen" muss. Aber: Biathlon ist Laufen und Schießen. Das kannst du überall machen. Geht genauso auf Schalke wie in München oder sonst wo. Für Skispringen oder NoKo braucht man eine Schanze. Die entsprechend zertifiziert sein muss. Das schränkt es schon ein. Da kann man nicht Springer mal eben von nem Deich hüpfen lassen. Oder von einer Brücke. Das ist eine Sportart wie Biathlon flexibler für neue Formate oder Events.
 
Wie und warum sollte man von FIS bei irgendeinem komplexen Thema eine vernünftige Idee erwarten, wenn man nicht fähig ist, ein solides System für die Materialkontrolle zu entwickeln? Dabei handelt es sich um eine rein technische Frage, die viele technisch versierte Personen bewältigen könnten – einschließlich der Angabe von Messunsicherheiten und Konfidenzintervallen.
 
Sportarten die nicht Fußball heißen, müssen sich aber leider stetig weiterentwickeln, um ihre Position zu behaupten und nicht an Relevanz zu verlieren. Stillstand bedeutet auch hier Rückstand.
Ich sag das jetzt mal durch die Biathlonbrille, aber die IBU hat hier in den vergangenen Jahren wahrscheinlich einiges mehr richtig gemacht als die FIS. Man hat viel ins Marketing investiert, viel in die Sponsorengewinnung, viel in die Optimierung des Zuschauererlebnisses, viel in die Unterstützung der kleineren Nationen, sie haben mit dem Event in München den Sport in die Großstadt zu den Menschen gebracht, nur um mal ein paar Beispiele nennen. Auch wenn es nur kleine oder unscheinbare Aspekte sind, letztlich haben sie die Sportart so weiterentwickelt, dass sie hierzulande weiterhin Spitzenreiter in Sachen Wintersport ist.
Dem gegenüber steht die FIS, die nicht nur finanziell in extreme Schwierigkeiten geraten ist, sondern auch droht Sportarten wie die Nordische Kombination komplett zu verlieren. Du hast es ja selber im Kombi-Thread gelesen, wie viel die FIS nun auf einmal ändern möchte bzw. muss. Das ist leider nötig, weil man sich über Jahre ausgeruht hat und nicht aktiv in die Sportart investiert hat. Hätte man nicht die Quittung vom IOC on top bekommen, wäre vermutlich weiterhin nichts passiert.
Deshalb ist es sehr wichtig, dass die FIS kontinuierlich versucht die Sportarten zu optimieren. Auch wenn nicht alle Neuerungen, wie den Entfall von Qualifikationen oder die Einführung einer jährlichen WM, von allen positiv angesehen werden, letztlich geht es darum, sich in einem umkämpften Markt weiterhin erfolgreich zu positionieren und insbesondere keine Marktanteile zu verlieren. Wenn das Fernsehen als wichtigster Kunde Optimierungen im Wettbewerbsprogramm haben möchte und Frauen sowie Herren Bewerbe enger aneinander haben möchte, wäre es seitens der FIS äußerst ungeschickt diesem Wunsch nicht zu folgen. Das kann sich leider hier nur der Fußball erlauben, dass alles sich um ihn richtet.
Stefan Schwarzbach hat es in deinem verlinkten Artikel erwähnt, die FIS muss jetzt reagieren und sich entwickeln und zwar auf allen Ebenen, auch auf der sportlichen.

Ich gebe dir in einigen Punkten recht; in einem muss ich aber widersprechen: Wenn man der FIS eines nicht vorwerfen kann, dann ist es meiner Ansicht nach, dass sie sich im Bereich der Kombination ausgeruht bzw. zu wenig aktiv investiert hätte. Im Gegenteil, mir fällt kaum eine andere FIS-Sportart ein, wo man in den letzten 25 Jahren so viel geändert hätte:
  • Die Einführung der Sprints
  • Die Einführung der Massenstarts - beides, weil man meinte, eine einzige Disziplin sei auf Dauer zu langweilig
  • Die Abschaffung der klassischen Gundersen-Wettkämpfe (2 Sprünge + 15 km)
  • Die Abschaffung des Massenstarts und die Etablierung einer einzigen Disziplin (1 Sprung + 10 km) weil man meinte, zu viele verschiedene Disziplinen seien zu unübersichtlich
  • Die Abschaffung des Systems aus A-Weltcup und B-Weltcup zugunsten des Systems aus Weltcup und COC
  • Die Einführung von Wind- und Gatepunkten
  • Die Einführung einer Qualifikation
  • Die Einführung der PCR
  • Die Einführung des Penalty-Race, weil man meinte, eine einzige Disziplin sei auf Dauer zu langweilig
  • Die Einführung von Team Sprints
  • Die Abschaffung des Penalty-Race, weil es doch nicht so viel getaugt hat
  • Das Seefeld-Triple
  • Die diversen Änderungen beim Seefeld-Triple
  • Die Wiedereinführung des Massenstarts
  • Das Compact-Format
  • Mixed-Teams
  • Skifliegen in der Kombi
  • Best-Jumper- und Best-Skier-Trophy
Hat nur alles nicht wirklich viel genutzt (wobei: Wenn die Kombi heute noch aus zwei Sprüngen und einem 15-km-Lauf bestehen würde, wäre sie wahrscheinlich jetzt schon tot). Aber die neuesten Änderungsvorschläge reihen sich da eigentlich nur ein in eine lange Reihe an Änderungen mit mäßigem Erfolg.

Ein bisschen erinnert mich das Ganze immer an das deutsche Bildungssystem, wo man gefühlt auch jedes Jahr irgendwas ändert und trotzdem jeder fordert, dass es endlich mal Reformen gibt - und wo die Schülerleistungen in der PISA-Studie am Schluss trotzdem so schlecht wie noch nie ausgefallen sind…
 
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