Genau um diese Unterscheidung geht es mir. Popmusik ist immer noch ein Mikrokosmos, der eben nicht die gesamte Gesellschaft durchdringt, sondern in all seinen Ausprägungen ein Phänomen geblieben ist, das sich bis heute auf eine bestimmte Zeit und bestimmte soziale Schichten beschränkt.
Bestimmte Altersgruppe von mir aus, aber soziale Schicht?. Das kling ja als würden bestimmte Schichten keine Popmusik hören. Und das stimmt nicht. Popmusik ist grundsätzlich eine Jugendbewegung, deswegen ist sie auch solch starken Änderungen (Beatles/Disco/Techno) unterworfen, weil die Mehrzahl der Jugendlichen sich
a) von ihren Eltern unterscheiden will, da ist Musik ja nur ein lauter aber harmloser Punkt
b) trotzdem zu einer Gruppe gehören will
Das galt für die Disco-Phase nicht anders, als es für die Techno-Zeit galt oder aktuell für die HipHopper gilt, die sich und ihre Musik oft auch viel zu wichtig nehmen (siehe J.A. Adande, der ein intelligenter, gebildeter Mann von fast 40 ist und trotzdem bei vielen Ereignissen zu Vergleichen aus der HipHop-Szene greift).
Musik, auch Klassik wird meiner Meinung nach immer "zu wichtig" genommen
Die Sechziger und darin speziell die Beatles mögen die Vorreiter ihres Genres gewesen sein, aber sie waren für jemanden, der ihren Mikrokosmos von außen betrachtete, eben nicht mehr als das.
Musik bringt einen Zeitgeist zum Ausdruck, sie macht ihn nicht. Deswegen waren die Beatles nicht nur Vorreiter eines Genres sondern Botschafter der Jugend gegenüber den Erwachsenen. Das auch Ältere die Musik gut gefunden haben, stört dabei nicht, diese werden in der Regel sie nicht so wichtig genommen haben oder sie wollten sich ansonsten abgrenzen.
Diese Jugendszene ist aber auch nicht homogen, deswegen gibt es Beatles und Rolling Stones, Michael Jackson und U2, Rapper und Robbie Williams.
Ich kannte z.B. mal jemanden, der im 2. Weltkrieg zur Welt kam und Anfang dieses Jahrhunderts immer noch keinen blassen Schimmer hatte, wer Cher war. Selbst über die Beatles, Stones u.a. hatte er maximal in der Zeitung gelesen, und ich weiß, dass er keine weltfremde Ausnahme war. Es gibt etliche Leute gerade in konservativen Kreisen, die parallel zur Popmusik der Sechziger erwachsen wurden, ohne von ihr vereinnahmt zu werden.
Vielleicht nicht weltfremd aber Ausnahmen. Auch diese gibt es in jeder Zeit. Das sind aber auch die, die nie auf Feten eingeladen wurden
Wenn Popmusik universal wäre, würde sie auch in schwer zugängliche Bereiche vordringen und z.B. von Ländern als Nationalhymne genutzt werden. Ein solcher Schritt geht jedoch selbst unserer heutigen Zeit noch zu weit, denn der Pop ist in der Musikgeschichte dann doch mit einem Sternchen versehen, dass er als Trivialmusik für solche Zwecke (noch) nicht infrage kommt. Deshalb finde ich es auch übertrieben, die Beatles jenseits der Pop-Kultur zu Weltveränderern zu erheben.
Siehe oben, Popmusik ist in erster Linie für die Jugend und die wollen gar nicht das Lied als Nationalhymne, denn dann wäre es ja Establishment. Später ist es ihnen nicht mehr so wichtig, zudem will man im Ausland als getragen angesehen werden, man geht ja auch im Anzug zur Beerdigung
Auf der anderen Seite kenne ich keinen, der die Nationalhymne als CD hat.