„Ein weiterer entscheidender Faktor ist jedoch vermutlich das übermäßige „Water Cutting“ (rasantes Dehydrieren zur Gewichtsreduktion vor dem Kampf).
Im Normalzustand schwimmt das Gehirn in Liquor cerebrospinalis (Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit), der als Stoßdämpfer fungiert und das Gehirn schützt. Zwischen Gehirn und Schädel existiert ein angemessener Liquorraum, und die sogenannten Brückenvenen, die die harte Hirnhaut (Dura) mit dem Gehirn verbinden, sind normalerweise locker gespannt.
Durch drastische Gewichtsreduktion und die damit verbundene schwere Dehydrierung schrumpft jedoch das Hirngewebe, und die Liquormenge nimmt ab. Dadurch vergrößert sich der subdurale Raum, und die Brückenvenen verlieren ihre normale Lockerheit und stehen unter starker Spannung.
Wenn in diesem Zustand ein Schlag auf den Kopf erfolgt, bewegt sich das Gehirn innerhalb des Schädels in Richtung Dura (Brain Shift). Auf die gespannten Brückenvenen wirkt dabei ein starker Zug, sodass sie selbst bei vergleichsweise leichteren Schlägen reißen können.
Reißt eine Brückenvene, kommt es zu einer Blutung im subduralen Raum. Dort sammelt sich Blut an, was einen schnellen Anstieg des Hirndrucks und eine lebensbedrohliche Kompression des Gehirns zur Folge hat – das akute subdurale Hämatom.
Warum begünstigt das „Water Cutting“ dieses Risiko? Das Gehirn wird durch die Blut-Hirn-Schranke (BBB) reguliert, was den Wassertransport streng kontrolliert. Nach dem Wiegen nehmen Boxer zwar schnell viel Flüssigkeit auf, aber die Rehydrierung des Gehirns dauert länger als die der übrigen Körpergewebe. Somit bleibt das Gehirn dehydriert, wenn der Kampf stattfindet.
Fazit:
Die Dehydration reduziert den Auftrieb des Gehirns und erhöht die Spannung der Brückenvenen. Dadurch steigt das Risiko eines akuten subduralen Hämatoms erheblich. Ein Schlag auf den Kopf in diesem Zustand kann wesentlich schwerwiegendere Folgen haben als im Normalzustand – höchste Vorsicht ist daher geboten.“