Würzburg Baskets | Beyond the Arc


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Würzburg Baskets | Beyond the Arc
Ich bekomme zu meinen längeren Beiträgen hier im Forum immer wieder ziemlich unterschiedliche Rückmeldungen. Einige lesen solche Analysen gerne, anderen ist das für einen normalen Saisonthread einfach zu ausführlich.

Kann ich beides nachvollziehen.

Beyond the Arc soll der Platz für die etwas längeren Gedanken rund um die Würzburg Baskets werden. Also für Themen, bei denen ich merke, dass ich schon wieder einen halben Roman schreibe: Kader, Rollenverteilung, Spielerentwicklung, Taktik, Einordnung von Spielen oder auch mal eine größere Zwischenbilanz.

Der normale Saisonthread bleibt natürlich trotzdem der Haupt- Ort für News, kurze Einschätzungen, Diskussionen und den ganz normalen Austausch. Das hier soll explizit keine Konkurrenzveranstaltung sein.

Und ganz wichtig: Das soll hier kein persönlicher Blog werden. Wenn jemand eine andere Sicht hat, etwas ergänzen möchte oder meine Einschätzung komplett anders sieht – immer rein damit.
 
Mein Feedback für Dich:

+ sehr fundierte Postings mit viel Hintergrund. Gute Arbeit.
- inzwischen ist es auch für mich "too much", was den Effekt ausgelöst hat deine Beiträge nur noch zu überfliegen.

Eine Frage sei mir gestattet: wie viel KI steckt in deinen Beiträgen?
 
Mein Feedback für Dich:

+ sehr fundierte Postings mit viel Hintergrund. Gute Arbeit.
- inzwischen ist es auch für mich "too much", was den Effekt ausgelöst hat deine Beiträge nur noch zu überfliegen.

Eine Frage sei mir gestattet: wie viel KI steckt in deinen Beiträgen?

Danke für das offene Feedback. Genau solche Rückmeldungen waren tatsächlich mit ein Grund für den neuen Thread. Grüße gehen an @tez.

Wenn man irgendwann nur noch drüberscrollt, weil es zu viel Text ist, verfehlt der Beitrag ja irgendwo seinen Zweck.

Ich befasse mich viel mit den Baskets und mit Basketball allgemein. Dabei kommen bei mir immer wieder Ideen, Fragen oder Thesen auf, denen ich dann nachgehe. KI nutze ich dabei als Werkzeug, um Daten und Hintergründe zu checken, Dinge einzuordnen oder auch mal Hypothesen zu bilden und gegenzuprüfen.

Angefangen hat das eigentlich nach dem Playoff-Aus gegen Bonn, als ich im Urlaub auf der Terrasse saß und irgendwie einen Sparringspartner gebraucht habe, um die Saison zu verdauen.

Als dann die ersten Gerüchte hier im Forum über mögliche Neuzugänge aufkamen, bin ich zum Beispiel bei der Frage gelandet, welche Point Guards aus der rumänischen Liga, die noch Playoffs spielen, überhaupt infrage kommen könnten. Dann wurden Stats verglichen, Kandidaten eingegrenzt und geschaut, wer von seinem Profil her ins Würzburger System passen könnte.

So nutze ich KI im Grunde bis heute: nicht als Schreibhilfe, sondern als Recherchehilfe und Sparringspartner, um eigene Gedanken und Hypothesen weiterzuentwickeln und zu überprüfen.
 
Gute Idee, das so zu lösen! "Würzburg Baskets | Beyond the Arc" klingt ein bisschen wie ein Baskets-Podcast, hast du da schonmal drüber nachgedacht? ;)
Coole Idee.
Ich habe während Corona für einen Lehrauftrag an der THWS mal einen Podcast aufgenommen, weil Distanzunterricht angesagt war. Ich habe mir seitdem keine einzige Folge nochmal angehört – ich glaube also, das wird eher nix. 😂

Der Ehemann der Chefin der Baskets Dancers wäre dafür allerdings tatsächlich der perfekte Mann. Der bringt genau die Stimme und den nötigen Vibe mit.
 

Ausscheiden aus der BCL- Quali und was das über den Kader aussagt​

27. Mai 2026, Spiel 5 in Bonn. Würzburg liegt nach einer katastrophalen zweiten Hälfte mit 63:66 zurück. Noch einmal Ballbesitz, noch einmal die Chance, die Saison zu verlängern. Marcus Carr nimmt den Dreier zum Ausgleich... die Saison endet an dieser Stelle.

Knapp vier Monate später in Samokov das nächste Pflichtspiel. Wieder Do or Die. Wieder entscheidet sich im letzten Angriff über den Verbleib im Wettbewerb.

Diesmal hat man sich nach zwischenzeitlich 16 Punkten Rückstand sogar noch einmal zurückgekämpft, geht kurz vor Schluss 73:72 in Führung und bekommt nach dem Freiwurf von Manchester noch eine letzte Chance. Sam Griffin nimmt den Wurf. Daneben. BCL-Aus.

Natürlich kann man diese beiden Spiele nicht einfach miteinander gleichsetzen. Aber ich finde die Parallele interessant, weil momentan sehr schnell über die Qualität der neuen Mannschaft gesprochen wird. Vor allem Carr und Mintz werden dabei als Referenz genannt. So nach dem Motto: Genau diese individuelle Klasse fehlt uns jetzt.

Und da lohnt sich vielleicht ein Blick auf das, was damals tatsächlich passiert ist.

Würzburg hat gegen Bonn in diesem entscheidenden fünften Spiel 63 Punkte gemacht. 32,3 Prozent aus dem Feld, 25,8 Prozent von der Dreierlinie. Der eFG lag bei 38,5 Prozent, der True Shooting Wert bei 44 Prozent.

Marcus Carr hatte 10 Punkte bei 4/16 aus dem Feld und 2/9 Dreiern. Davion Mintz kam auf 8 Punkte bei 2/9. Nimmt man Brae Ivey noch dazu, kamen die drei Guards zusammen auf 30 Punkte bei 9/34 Würfen.

26,5 Prozent Trefferquote.

Und ich glaube, niemand von uns würde heute ernsthaft behaupten, Marcus Carr oder Davion Mintz hätten deshalb keine Qualität gehabt.

Genau deshalb tue ich mich schwer damit, nach einem Pflichtspiel schon ziemlich endgültige Urteile über Kenny Dye oder die Qualität der neuen Guard Rotation zu fällen.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass ich das Manchester-Spiel irgendwie schönreden möchte. Das Ausscheiden ist eine Enttäuschung. Würzburg war Favorit und Manchester ist ein Gegner, den ein BBL-Playoffteam schlagen sollte. FIBA selbst hat das Ergebnis als eines der großen Upsets dieser Qualifikation eingeordnet.

Aber wenn wir anfangen, daraus abzuleiten, dass Würzburg grundsätzlich die individuelle Qualität der vergangenen Saison fehlt, dann sollte man sich die Zahlen schon etwas genauer anschauen.

Gegen Manchester hat Würzburg 73 Punkte erzielt. 38,5 Prozent aus dem Feld, 30 Prozent von draußen. Auch das ist offensiv nicht gut, aber sogar besser als damals in Bonn.

Noch interessanter wird es bei den Guards.

Dye, Griffin und Jones kamen gemeinsam auf 37 Punkte bei 13/33 aus dem Feld. Das entspricht einem eFG von 50 Prozent und einem True Shooting von rund 53 Prozent.

Carr, Mintz und Ivey lagen im letzten Spiel gegen Bonn bei einem eFG von knapp 34 Prozent.

Beweist das irgendetwas?
Eigentlich nur, wie vorsichtig man sein sollte, wenn man einzelne Spiele zur grundsätzlichen Bewertung von Spielern heranzieht.

Denn natürlich waren Carr und Mintz herausragende Basketballer. Das ist gar nicht die Frage. Aber auch sie konnten ein Do-or-Die-Spiel haben, in dem offensiv fast gar nichts funktioniert.

Kenmy Dye's shooting gegen Manchester war schlimm. Da gibt es nichts schönzureden.

2 Punkte. 1/7 aus dem Feld. 0/4 Dreier. Ein True Shooting von ungefähr 14 Prozent.

Wenn man nur auf sein eigenes Scoring schaut, kann ich verstehen, warum der Auftritt bei einigen hier so schlecht hängen geblieben ist.

Aber dann stehen da eben auch 7 Assists bei nur einem Turnover und 3 Steals.

Sieben Assists bei einem Ballverlust sind für einen Point Guard alles andere als gruselig.

Dye war als Scorer an diesem Abend überhaupt kein Faktor. Als Spielmacher war sein Spiel deutlich besser, als es sich in der Diskussion gerade liest.

Und ich glaube, da kommt noch etwas dazu: Möglicherweise legen wir bei Dye gerade den falschen Maßstab an.

Würzburg hat ihn meines Erachtens nie als neuen Marcus Carr angekündigt. Loncar hat bei seiner Verpflichtung vor allem davon gesprochen, dass Dye das Spiel lesen und den Rhythmus kontrollieren kann. Er kam aus Rumänien mit 16,8 Punkten und 4,5 Assists. Natürlich soll und muss von ihm auch Scoring kommen. Zwei Punkte reichen sicher nicht.

Aber der Spieler, der als Scorer und Self Creator verpflichtet wurde, ist Sam Griffin.

Und ausgerechnet Griffin macht gegen Manchester 26 Punkte in knapp 26 Minuten. 9/17 aus dem Feld. 6/10 Dreier. Rund 71 Prozent True Shooting.

Das passt für mich überhaupt nicht zu der Erzählung, dass Würzburg in diesem Spiel gezeigt hätte, dass kein individueller Scorer mehr vorhanden ist. Griffin hat genau das gemacht.

Dass sein letzter Wurf nicht fällt, ändert daran genauso wenig, wie Carrs Fehlwurf in Bonn seine Qualität verändert hat.

Die Frage, die ich viel spannender finde, ist deshalb eine andere: Wie gut funktioniert diese Rollenverteilung, wenn ein Gegner Würzburgs erste Optionen wegnimmt?

Dye soll organisieren. Griffin soll scoren. Jones soll zusätzliche Creation bringen.

Ob diese Mischung auf BBL-Niveau wirklich reicht, wissen wir noch nicht.

Nach Manchester darf man daran Zweifel haben. Vor allem Jones hat mich bislang noch nicht überzeugt. Aber das ist für mich etwas anderes als die Feststellung, dass dem Kader grundsätzlich die individuelle Qualität fehlt.

Was mich gegen Manchester deutlich mehr beschäftigt, ist die Defensive.

Manchester hatte am Ende einen eFG von 58,2 Prozent. 50,9 Prozent aus dem Feld. 55,6 Prozent bei den Zweiern. 42,1 Prozent von draußen. Das ist enorm effizient.

Und gleichzeitig hat Würzburg vieles gemacht, was normalerweise dabei hilft, ein Spiel zu gewinnen. Manchester hatte 17 Turnover, Würzburg nur 10. Würzburg holte mehr Offensivrebounds und hatte am Ende zehn Feldwurfversuche mehr.

65 Würfe für Würzburg, 55 für Manchester.

Man hatte also zusätzliche Possessions und zusätzliche Abschlüsse. Trotzdem verliert man. Für mich ist das der deutlich interessantere statistische Befund des Spiels. Manchester hat aus seinen Würfen einfach wesentlich mehr gemacht.

Da muss man natürlich auch fragen, warum.

War das einfach ein heißer Abend eines Gegners, der 42 Prozent von draußen trifft? Oder hat Würzburg zu viele gute Würfe zugelassen? Wie gut waren die Closeouts? Was ist nach Switches passiert? Wie oft kam Manchester wirklich in komfortable Abschlüsse?

Das kann man aus dem Boxscore alleine nicht beantworten.

Aber genau diese Frage würde mich im Moment deutlich mehr beschäftigen als die Aussage, Kenny Dye sei ein Rohrkrepierer.

Auch Charles Thompson finde ich im Übrigen interessant. Er kommt auf 8 Punkte, 8 Rebounds, davon 4 offensiv, dazu 2 Blocks und ein Plus/Minus von +6.

Das ist kein überragendes Spiel, aber auch kein Auftritt, bei dem ich nachher über fehlende Qualität auf der Centerposition sprechen würde.

Colbert dagegen hatte offensiv einen richtig schlechten Abend. 0 Punkte bei 0/5. Neun Rebounds ändern daran erst einmal nichts. Da gibt es momentan schon Fragezeichen.

Und natürlich gibt es noch ein größeres: Warum gerät Würzburg gegen Manchester überhaupt mit 16 Punkten in Rückstand?

Das ist für mich der Punkt, bei dem man die Niederlage auch nicht mit irgendwelchen Advanced Stats wegdiskutieren kann.

Manchester war kein Fallobst. Die Mannschaft stand vergangene Saison im ENBL-Finale und hat dort auf dem Weg ins Endspiel auch Weißenfels geschlagen. Trotzdem muss Würzburg dieses Spiel gewinnen.

Dass man im dritten Viertel 42:58 hinten liegt, ist für mich deutlich problematischer als die Tatsache, dass Griffin am Ende den Gamewinner nicht trifft.

Was ich deshalb aus dem Spiel mitnehme:

Ich sehe viele Fragezeichen.

Bei Dye vor allem beim eigenen Scoring. Bei Jones bei der Effizienz seiner Creation. Bei Colbert offensiv. Und ich möchte sehen, ob die Defense nach der Vorbereitung wirklich so gut ist, wie sie phasenweise aussah.

Aber ich sehe nach diesem Spiel noch keinen Beleg dafür, dass die neue Mannschaft grundsätzlich weniger individuelle Qualität besitzt als die alte.

Dafür ist die Stichprobe viel zu klein.

Und wenn wir schon anfangen, die vergangenen Guards als Maßstab zu nehmen, sollten wir auch daran erinnern, wie deren Saison geendet hat.

63 Punkte. Carr und Mintz gemeinsam 6/25 aus dem Feld. Letzter Wurf Carr. Daneben.

Niemand hätte danach ernsthaft behauptet, Marcus Carr könne keine Spiele entscheiden.

Vielleicht sollten wir Sam Griffin, Kenny Dye und dem Rest der Mannschaft ein bisschen mehr als ein Pflichtspiel geben, bevor wir dasselbe Urteil in die andere Richtung fällen.

Manchester hat Probleme sichtbar gemacht. Die sollte man sich anschauen.

Aber Probleme sichtbar machen und endgültige Antworten liefern sind für mich zwei ziemlich verschiedene Dinge.
 
Deiner Analyse kann man nicht widersprechen. Allerdings reduziert Du die Guards der letzten Saison größtenteils auf ein Spiel in Bonn. Oft haben uns Carr, Mintz, Ivey letzte Saison den Arsch gerettet. Das müssen die neuen Guards erst noch unter Beweis stellen.

Im übrigen ist es angesichts des deutlich niedrigeren Spieleretat auch nicht verwunderlich, dass Dye, Jones nicht an die Qualität eines Carr oder Mintz rankommen. Aber was nicht ist kann ja im Verlauf der Saison noch werden. Griffin sehe ich als Scorer definitiv schon auf dem Level. Bei der Defensivarbeit wird ihm Sasa (auf die Beine) helfen. Sorgen mache ich mir wegen der Guards nicht. Die können alle mit dem Ball umgehen und auch Dye wird noch sein Wurfglück und Händchen finden. Das ist ein Spiel zu wenig um ein Urteil zu fällen.

Sorgen macht allerdings Colbert. Da fehlt doch einiges an Muskelmasse und Körperbau um sich am Korb durchzusetzen. Wahrscheinlich fällt auch noch bei ihm der Dreier in zufriedenstellender Häufigkeit, aber ich glaube wir werden den "Wühler" und "Kraftprotz-Dunker" und Top-Rebounder Muenkat das eine oder andere mal noch vermissen (auch wenn er letzte Saison häufig Kritik einstecken musste).
 
Zuletzt bearbeitet:
Deiner Analyse kann man nicht widersprechen. Allerdings reduziert Du die Guards der letzten Saison größtenteils auf ein Spiel in Bonn. Oft haben uns Carr, Mintz, Ivey letzte Saison den Arsch gerettet. Das müssen die neuen Guards erst noch unter Beweis stellen.

Im übrigen ist es angesichts des deutlich niedrigeren Spieleretat auch nicht verwunderlich, dass Dye, Jones nicht an die Qualität eines Carr oder Mintz rankommen. Aber was nicht ist kann ja im Verlauf der Saison noch werden. Griffin sehe ich als Scorer definitiv schon auf dem Level. Bei der Defensivarbeit wird ihm Sasa (auf die Beine) helfen. Sorgen mache ich mir wegen der Guards nicht. Die können alle mit dem Ball umgehen und auch Dye wird noch sein Wurfglück und Händchen finden. Das ist ein Spiel zu wenig um ein Urteil zu fällen.

Sorgen macht allerdings Colbert. Da fehlt doch einiges an Muskelmasse und Körperbau um sich am Korb durchzusetzen. Wahrscheinlich fällt auch noch bei ihm der Dreier in zufriedenstellender Häufigkeit, aber ich glaube wir werden den "Wühler" und "Kraftprotz-Dunker" und Top-Rebounder Muenkat das eine oder andere mal noch vermissen (auch wenn er letzte Saison häufig Kritik einstecken musste).

Da hast Du einen fairen Punkt. Mein Bonn-Vergleich sollte Carr, Mintz und Ivey nicht auf dieses eine Spiel reduzieren, sondern eher zeigen, wie vorsichtig man nach einem einzelnen K.o.-Spiel mit Urteilen sein sollte. Die drei haben uns letzte Saison oft genug Spiele gerettet. Das müssen Dye, Griffin und Jones erst noch zeigen.

Bei Colbert bin ich aktuell tatsächlich skeptischer. Wobei auch da seine letzte Saison gegen ein vorschnelles Urteil spricht: In Aalst kam er auf 16,4 Punkte und 7,6 Rebounds bei 48,2 % FG, 39,0 % Dreier und 60,6 % TS.

Die Produktion war also definitiv da. Und in der BNXT spielen ja auch nicht nur Hämpflinge. Die spannendere Frage ist für mich daher weniger, ob ihm grundsätzlich die Physis fehlt, sondern ob seine Art zu spielen gegen die längeren, athletischeren und defensiv besseren BBL-Bigs genauso funktioniert. Er scheint zumindest Wege zu kennen, sein Spiel zu machen. Genau das muss er jetzt zeigen.
 

Saisonauftakt gegen Oldenburg: 7 Minuten der Hoffnung​

Ich bin gestern aus der Halle gegangen und meine Gefühle waren so ambivalent wie selten.

Ich kenne dieses innerliche Faustballen auf dem Weg zur Straba. Diese fast kindliche Freude, wenn die Turnhölle mal wieder die letzten Prozent dazu beigetragen hat, einen Sieg einzufahren.

Dieses Gefühl hatte ich gestern ungefähr sieben Minuten lang. Wie geil hat diese Mannschaft da gespielt? Bis die Courtside-VIP-Plätze nach der Halbzeit wieder einigermaßen besetzt waren, wurde aus einer ziemlich ernüchternden ersten Hälfte plötzlich genau das, was ich mir von diesem Team erhofft hatte.

Der Bruch kam leider postwendend.

Erst fahrig, dann plötzlich Vollgas​

Das erste Viertel war wirklich mies.

12:21, fahrige Ballverluste, wenig Selbstvertrauen. Oldenburg hatte nach zehn Minuten bereits sieben Assists, Würzburg dagegen schon sechs Turnover.

Filipovski sprach hinterher selbst davon, dass seine Mannschaft ängstlich und ohne Selbstvertrauen begonnen habe. Genau so hat es sich in der Halle angefühlt.

Im zweiten Viertel wurde es stabiler. Kein großartiger Basketball, aber Würzburg kam langsam ins Spiel.

Und dann diese ersten Minuten nach der Halbzeit. Aus 33:40 wird 51:42.

Ein 18:2-Lauf.
Plötzlich war die Halle da. Die Defense war aggressiv, Würzburg kam ins Laufen, Oldenburg wirkte zum ersten Mal richtig verunsichert.

Ich war zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt komplett angezündet.

Neun Punkte vorne. Jetzt irgendwie kontrollieren. Führung halten. Spiel nach Hause bringen.

Hat ungefähr drei Minuten funktioniert.

Ausgerechnet Nicholas Tischler, der wegen seiner drei Fouls im ersten Viertel lange auf der Bank gesessen hatte, kommt zurück und trifft in der kritischen Phase drei Dreier.

Oldenburg fängt sich wieder. Aus 51:42 wird bis zur Viertelpause ein 54:53. Das letzte Viertel geht dann mit 14:24 verloren.

Vom 51:42 bis zum Endstand 68:77 spielt Oldenburg also 35:17.
Eigentlich erzählen diese beiden Spielstände schon ziemlich viel über den Abend.

Das Possession Game hat uns gekillt​

Nach meinem Eindruck in der Halle hätte ich zunächst gesagt: Würzburg hat am Ende offensiv einfach nicht genügend gute Lösungen gefunden.

Der Boxscore erzählt die Geschichte etwas genauer.

Denn Würzburg hat tatsächlich effizienter geworfen als Oldenburg.

Würzburg:
22/52 FG, 42,3 %
7/21 Dreier, 33,3 %
eFG 49,0 %
TS 54,0 %

Oldenburg:
28/71 FG, 39,4 %
8/27 Dreier, 29,6 %
eFG 45,1 %
TS 47,0 %

Das Problem war also gar nicht primär, dass Oldenburg besser getroffen hätte.

Oldenburg durfte einfach viel öfter werfen.

71 Feldwurfversuche gegen 52.
19 Würfe Unterschied. Und da landen wir beim eigentlichen Problem dieses Spiels.

Oldenburg holt 17 Offensivrebounds. Gleichzeitig verliert Würzburg 14-mal den Ball, Oldenburg gerade einmal sechsmal.

Beim Assist/Turnover-Verhältnis stehen am Ende: Würzburg 19 Assists / 14 Turnover = 1,36

Oldenburg 24 / 6 = 4,0
Filipovski hat nach dem Spiel genau diese 17 Offensivrebounds und die 19 zusätzlichen Feldwurfversuche angesprochen.

Da hilft dir irgendwann auch die bessere Wurfeffizienz nicht mehr.

Interessant ist übrigens auch etwas anderes: Würzburg hat 19 Assists bei 22 Feldtreffern. Die erfolgreichen Würzburger Angriffe waren also durchaus häufig gut herausgespielt.

Mein Eindruck von „unstrukturiert“ bedeutet deshalb gar nicht unbedingt, dass der Ball grundsätzlich schlecht bewegt wurde.

Das Problem waren eher die Possessions, die gar nicht erst zu einem Abschluss führten. Sechs Turnover alleine im ersten Viertel. 14 insgesamt.
Dazu 17 zweite Chancen für Oldenburg. Das ist ein enormer Unterschied.

Und selbst die reine Reboundzahl täuscht ein bisschen. Würzburg gewinnt das Reboundduell sogar mit 40:39. Liest sich gut. Wenn davon auf der anderen Seite aber 17 Offensivrebounds sind, erzählt die Gesamtzahl eben nur die halbe Geschichte.

Brandon Tischler​

Für mich der beste Würzburger.
15 Punkte, 9 Rebounds, 3 Assists, 0 Turnover.
5/9 aus dem Feld, 4/4 Freiwürfe, 69,7 % True Shooting und eine Effektivität von 24.
Und das in nur 24:46 Minuten. Ich hätte ihn gestern gerne länger auf dem Feld gesehen.

Gerade weil Würzburg in diesen sieben starken Minuten genau die Dinge gebraucht hat, die Tischler mitbringt: Physis, Bewegung, Rebounding, Defense und keine unnötigen Fehler.

Eddie Colbert​

Meine positivste Überraschung.

14 Punkte, 12 Rebounds, 5/9 aus dem Feld, 2/5 Dreier. Trotz nur 2/6 von der Freiwurflinie kommt er noch auf 60,1 % True Shooting. Effektivität 15. Zwölf der 40 Würzburger Rebounds. 30 Prozent aller Teamrebounds kommen von Colbert.

Und bei ihm fand ich den Abend fast sinnbildlich. Am Anfang dachte ich kurz: Oh Gott, das erinnert ein bisschen an Muenkats erste Wochen.

Freiwürfe daneben, etwas ungestüm, erste unsaubere Aktionen. Sofort ging dieses Raunen durch die Halle.

Bei seinen Freiwürfen gab es sogar vereinzelte Pfiffe. Beim ersten BBL-Spiel dieser Mannschaft. Keine Ahnung, was sowas soll. Danach fand ich ihn richtig stark.

Und als Colbert seinen Dreier trifft, sieht man sofort diese Spacing-Idee, über die wir hier den ganzen Sommer gesprochen haben. Wenn dein Vierer draußen respektiert werden muss, geht plötzlich Raum auf.

Colbert trifft zwei Dreier, wird zusätzlich zweimal beim Dreier gefoult, kann Closeouts attackieren und räumt gleichzeitig am Brett auf.

Genau dieses Paket macht ihn interessant.

Die fünf Turnover müssen natürlich runter. Das sind mehr als ein Drittel aller Würzburger Ballverluste.

Aber nach gestern habe ich bei ihm eher mehr Lust bekommen als weniger.

Da steckt für mich ziemlich viel Fanliebling-Potenzial drin.

Und vielleicht war unser ganzer Sommerdiskurs „zu wenig Physis für die BBL“ zumindest etwas vorschnell.

12 Rebounds gegen Oldenburg sind erstmal 12 Rebounds.

Kenny Dye​

Mit seinem eigenen Scoring wird er nach diesem Spiel weiterhin niemanden beruhigen.
3 Punkte, 1/3 aus dem Feld, TS 38,7 %.
Aber dann stehen dort eben auch: 9 Assists. Kein einziger Turnover.

Neun der 19 Würzburger Assists kommen von Dye. Fast jeder zweite.

Die gesamte Mannschaft verliert 14 Bälle, der nominelle Point Guard keinen einzigen. Effektivität 12.

Nach der Diskussion der vergangenen Tage finde ich das durchaus erwähnenswert. Er muss selbst gefährlicher werden. Wenn die Defense weiß, dass Dye praktisch ausschließlich organisieren möchte, wird das irgendwann auch Auswirkungen auf Pick-and-Roll-Coverages und Spacing haben.

Aber dieses Spiel war für mich sicher kein Beleg dafür, dass Dye keinen BBL-tauglichen Point Guard spielen kann. 9 Assists bei 0 Turnovern sprechen eine ziemlich andere Sprache.

Sam Griffin​

Bei Griffin war es der Gegenentwurf zu Manchester. Dort 26 Punkte und sechs Dreier. Gestern: 10 Punkte, 3/11 aus dem Feld, 2/7 Dreier, TS 42,1 %, Effektivität 5.

Auf mich wirkte er teilweise verunsichert. Und genau bei ihm merkt man vielleicht am stärksten, wie schmal der Grat momentan noch ist. Läuft Griffin heiß, wie gegen Manchester, verändert er ein Spiel praktisch alleine.

Gestern kam dieser Moment nie. Das ist natürlich keine Kritik daran, dass ein Scorer auch schlechte Shooting-Abende hat. Die haben alle.

Aber in einem Spiel, das trotz allem bis tief ins dritte Viertel auf Würzburger Seite lag, hätte ein halbwegs normaler Griffin-Abend vermutlich schon einiges verändert.

Pjanic, Wishart und die zweite Guard-Line​

Alen Pjanic hatte leider einen gebrauchten Abend. 13 Minuten, 3 Punkte, 1/4 aus dem Feld, ein Rebound, kein Assist. Effektivität 1, TS 37,5 %. Da kam einfach zu wenig.

Calvin Wishart fand ich ebenfalls ziemlich ungriffig. 4 Punkte, kein Rebound, 2 Assists und 2 Turnover in knapp 14 Minuten, Effektivität 2.

Gerade während des Oldenburger Comebacks hatte ich bei ihm in der Halle mehrfach das Gefühl, dass defensiv der Zugriff verloren ging und dadurch schnelle Situationen in Richtung Zone entstanden.

Und was war mit Charles Thompson?​

Seine sieben Punkte bei 3/4 aus dem Feld sehen mit 71,7 % True Shooting erstmal völlig okay aus. Dann schaut man weiter.
28:30 Minuten. Ein Rebound. Dazu drei Turnover und vier Fouls. Effektivität 5.
Ich fand ihn gestern irgendwie ständig „in der Luft“ hängend. Nicht komplett schlecht. Aber selten wirklich im Spiel.

Und wenn Oldenburg gleichzeitig 17 Offensivrebounds holt, fällt dieser eine Rebound natürlich noch stärker auf.

Leo Saffer macht es fast absurd: 11:30 Minuten, acht Rebounds, davon drei offensiv. Colbert, Brandon Tischler und Saffer holen zusammen 29 der 40 Würzburger Rebounds.

Thompson einen. Das würde ich nach einem Spiel nicht überinterpretieren. Aber es ist definitiv eine Zahl, auf die ich gegen Ulm nochmal schauen werde.

Max Jones bleibt offensiv ebenfalls eher unauffällig. Vier Punkte, drei Rebounds, ein Assist, ein Turnover und 1/3 aus dem Feld.

Lukas Herzog macht in 14 Minuten vier Punkte und trifft seinen einzigen Dreier.

Sind die sieben Minuten Hoffnung oder Täuschung?​

Das ist für mich nach dem Spiel die spannendste Frage. Ich möchte den 18:2-Lauf nicht romantisieren.

Basketball besteht aus Runs. Gegner verwerfen Würfe, Momentum entsteht, eine Halle kommt dazu. Sieben Minuten beweisen überhaupt nichts.

Aber sie zeigen zumindest eine Version dieser Mannschaft, die ich sehr gerne häufiger sehen würde.

Hoher defensiver Druck. Tempo nach Ballgewinnen. Dye organisiert. Tischler bringt Physis und Bewegung. Colbert zieht als Vierer die Defense nach draußen. Griffin bekommt Räume. Und plötzlich sieht ein Angriff, der vorher eng und nervös war, ziemlich modern aus.

Das Problem ist: Diese Mannschaft kann dieses Niveau momentan nicht stabil halten.

Gegen Manchester lag Würzburg 16 Punkte zurück, kämpft sich komplett zurück und hat am Ende den Wurf zum Sieg. Gegen Oldenburg wird aus minus sieben plötzlich plus neun. Und dann kippt das Spiel wieder. Das ist nach zwei Pflichtspielen natürlich noch kein belastbares Muster. Aber es ist zumindest etwas, worauf ich in den nächsten Wochen achten werde.

Vielleicht verwöhnt uns der letzte Saisonstart auch ein bisschen​

Ich habe mir dazu nochmal angeschaut, wie Würzburg unter Filipovski in den vergangenen Jahren in die Saison gekommen ist.

Und das relativiert zumindest ein wenig dieses Gefühl, dass eine gute Würzburger Mannschaft im September sofort fertig aussehen müsste.

2023/24 stand Würzburg nach den ersten fünf tatsächlich ausgetragenen BBL-Spielen bei 2:3.

Sieg in Hamburg, Niederlage gegen Ludwigsburg, Sieg gegen Braunschweig, Niederlage in München, dann 68:70 gegen Chemnitz.

Später stand diese Mannschaft bei 24:10, wurde Fünfter und zog ins Halbfinale ein.

2024/25 begann die BBL mit einem 76:85 in Ulm.

Bis Ende Oktober stand man in der Liga bei 2:2. Dazu kamen starke Siege in der Champions League, aber auch das Pokalaus in Göttingen.

Am Ende stand wieder das Halbfinale.

Und dann kam 2025/26.

72:61 in Bonn.
92:80 gegen Braunschweig.
84:79 in Ludwigsburg.
78:63 gegen Trieste.
96:92 gegen ALBA.
70:68 gegen Igokea.

Sechs Pflichtspielsiege zum Start.

Vielleicht war das einfach außergewöhnlich. Und vielleicht hat genau dieser Saisonstart unseren Maßstab ein bisschen verschoben.

Auch diese Mannschaft verlor anschließend im Pokal in Oldenburg, in Istanbul gegen Galatasaray und ging in Heidelberg mit 51:85 ziemlich übel unter.

Das soll die aktuellen Probleme überhaupt nicht wegwischen.

BCL-Quali raus und danach Heimniederlage zum BBL-Start ist kein guter Saisonbeginn.

Aber Filipovski-Mannschaften waren in Würzburg eben nicht jedes Jahr Ende September schon das, was sie einige Monate später waren.

Und noch etwas zur Halle​

Ich habe gestern hinter mir mehrfach Kommentare gehört, bei denen ich mich wirklich gefragt habe, warum man überhaupt hingeht. Nach einem vergebenen Freiwurf: „Vier Wochen in den Keller sperren und Freiwürfe üben.“
Zwischendurch: „Solche Pfeifen.“

Und ähnliches. Erstes BBL-Spiel einer fast komplett neu zusammengestellten Mannschaft. Ganz ehrlich: Wenn das die Art ist, wie man sein Team unterstützt, kann man auch zuhause bleiben. Natürlich darf man sich ärgern.
17/25 Freiwürfe sind auch nicht gut. 14 Turnover sind zu viel. 17 zugelassene Offensivrebounds machen mich wahnsinnig.

Aber Spieler beim ersten Heimspiel auszupfeifen, weil Freiwürfe nicht fallen?Da bin ich raus.

Was bleibt?​

Ich bin nach gestern nicht pessimistischer, was die grundsätzliche Qualität dieses Kaders angeht.

Ich bin skeptischer, was die Stabilität angeht.

Das Team wirkt noch nicht sicher genug in seinen Rollen und in schwierigen Phasen fehlt momentan die Ruhe, die wir in den vergangenen Jahren irgendwann als selbstverständlich wahrgenommen haben.

Gleichzeitig sehe ich Sachen, die mir gefallen.

Colbert macht mich weiter neugierig. Brandon Tischler sieht aus, als könnte er sehr wichtig werden. Dye organisiert deutlich besser, als seine drei Punkte vermuten lassen.

Und für sieben Minuten konnte man sehen, wie das Ganze aussehen könnte, wenn es ineinandergreift.

Letztes Jahr haben wir nahezu perfekt angefangen und später trotzdem Phasen erlebt, in denen gar nichts mehr ging.

Dieses Team scheint den umgekehrten Weg gehen zu müssen.

Es braucht Zeit.

Und vielleicht werden aus diesen sieben Minuten auch mehr...
 

Aus 7 mach 30​

Am Freitag habe ich nach Oldenburg von den „7 Minuten der Hoffnung“ geschrieben.

Diese sieben Minuten im dritten Viertel, in denen Würzburg aus einem 33:40 ein 51:42 gemacht hat und plötzlich genau der Basketball zu sehen war, den ich mir von diesem Kader erhofft hatte. Danach kam der Einbruch.

Keine 48 Stunden später fährt diese Mannschaft nach Ulm. Und aus sieben Minuten werden dreißig.

Denn nach dem ersten Viertel hätte man durchaus wieder nervös werden können. Ulm führt 24:16, Würzburg ist wieder nicht besonders gut ins Spiel gekommen. Danach lautet das Ergebnis:
Würzburg 74 gegen Ulm 43
Das zweite Viertel gewinnt Würzburg 25:9, das letzte 28:12. Selbst als Ulm im dritten Viertel noch einmal bis auf 53:54 herankommt, passiert diesmal nicht das, was zwei Tage zuvor gegen Oldenburg passiert ist. Würzburg kippt nicht. Vom 54:53 bis zum Endstand macht Würzburg noch einmal 36:14.

Das Possession Game​

Freitag gegen Oldenburg hat uns das Possession Game hat uns gekillt.

Oldenburg hatte 17 Offensivrebounds, Würzburg nur 9. Würzburg verlor 14 Bälle, Oldenburg gerade einmal 6. Daraus entstanden unglaubliche 19 zusätzliche Feldwurfversuche für Oldenburg.

Heute, keine 48 Stunden später:
Offensivrebounds: 23:12 Würzburg
Turnover: 8:15 Würzburg
Second Chance Points: 25:9 Würzburg

Exakt die beiden Bereiche, in denen Oldenburg Würzburg am Freitag auseinandergenommen hat, gewinnt Würzburg heute deutlich.

Und 23 Offensivrebounds sind nicht einfach nur „ordentlich“. Ulm hatte in seinen ersten beiden Saisonspielen gerade über die Arbeit am Brett Vorteile erzeugt. Heute wurden sie dort von Würzburg dominiert.

Das ist übrigens auch historisch ganz nett. Beim letzten Auswärtsspiel in Ulm im Dezember 2025 haben uns 25 Ulmer Offensivrebounds wahnsinnig gemacht. Würzburg verlor damals das Reboundduell 33:58 und das Spiel 61:66. Filipovski nannte die Reboundstatistik hinterher ein „Desaster“. Heute holen wir in derselben Halle selbst 23 Offensivrebounds.

Defense​

Auch defensiv war das ein komplett anderer Auftritt.
Ulm war mit 2:0 gestartet und hatte gegen Ludwigsburg 86 und in Hagen 93 Punkte erzielt. Gegen Würzburg sind es 67. Nach den 24 Punkten im ersten Viertel kommen in den verbleibenden 30 Minuten nur noch 43 dazu.

Ulm trifft am Ende nur 39 Prozent aus dem Feld, 44 Prozent der Zweier und 28 Prozent von draußen. Gerade im zweiten Viertel bekommt Ulm offensiv überhaupt keinen Rhythmus mehr und erzielt neun Punkte.

Am Freitag hatte ich noch geschrieben, dass Würzburg in seinen guten Phasen über Defense und Energie ins Laufen kommt, aber die Stabilität fehlt. Heute hält diese Stabilität.

Und als Ulm Ende des dritten Viertels tatsächlich wieder dran ist, verteidigt Würzburg das Spiel diesmal nicht irgendwie über die Ziellinie. Sie ziehen nochmal an. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied.

Und plötzlich sieht die Breite des Kaders anders aus​

Was mir am Boxscore richtig gut gefällt:
Alle zehn eingesetzten Würzburger haben gepunktet.
Wishart 18
Colbert 14
Tischler 11
Griffin 11
Thompson 10
Jones 8
Herzog 6
Saffer 6
Pjanic 3
Dye 3

Fünf Spieler zweistellig, Topscorer „nur“ bei 18. Das ist schon ziemlich nah an der Idee, die wir im Sommer bei diesem Kader hatten. Weniger Abhängigkeit davon, dass ein Carr oder Mintz 25 macht. Mehr Spieler, die an einem Abend einen Teil der Last tragen können.

Heute war es Calvin Wishart.
18 Punkte, drei Dreier und vier Steals. Persönliche BBL-Bestleistung. Freitag gegen Oldenburg hatte er vier Punkte und wirkte auf mich ziemlich ungriffig. Zwei Tage später ist er Topscorer bei einem +23-Auswärtssieg in Ulm. So schnell kann sich die Wahrnehmung eines Spielers ändern.

Und dann Eddie Colbert.
14 Punkte, 11 Rebounds, zweites Double Double im zweiten BBL-Spiel.
Gegen Oldenburg waren es 14 und 12. Nach zwei BBL-Spielen steht Colbert damit bei durchschnittlich 14 Punkten und 11,5 Rebounds.

Für einen Spieler, bei dem vor wenigen Tagen bereits diskutiert wurde, ob ihm vielleicht grundsätzlich die Physis für dieses Niveau fehlt, finde ich das zumindest bemerkenswert. Damit ist die Frage nicht beantwortet. Aber 23 Rebounds in den ersten zwei BBL-Spielen sind schon ein ziemlich guter Einstieg in diese Diskussion.

Auch Charles Thompson reagiert.
Am Freitag gegen Oldenburg: ein Rebound in knapp 29 Minuten.
Heute: 10 Punkte und 8 Rebounds.
Gerade nachdem wir gegen Oldenburg am Brett derart bestraft wurden, ist das eine ziemlich wichtige Antwort.

Brandon Tischler macht nach seinen 15 Punkten und 9 Rebounds gegen Oldenburg heute wieder 11 Punkte. Sam Griffin muss keinen 26-Punkte-Abend wie gegen Manchester haben, trifft aber drei Dreier, kommt auf 11 Punkte und klaut drei Bälle. Jones steuert acht Punkte und zwei Dreier bei.

Das verteilt sich heute einfach viel besser.

Vielleicht war Freitag wirklich einfach ein Teil des Prozesses​

Filipovski hat nach dem Spiel etwas gesagt, was ziemlich gut zu unserer Diskussion der vergangenen Tage passt.

Beide Mannschaften seien neu zusammengestellt, selbst die Coaches wüssten noch nicht genau, wie ihre Spieler in bestimmten Situationen reagieren. Das sei ein Prozess und brauche Zeit.

Am Freitag konnte man sieben Minuten sehen, was diese Mannschaft vielleicht einmal sein kann. Heute waren es dreißig.

Freitag verlieren wir das Spiel über Offensivrebounds und Turnover. Sonntag fahren wir zum bis dahin ungeschlagenen Ulm und produzieren: 23 Offensivrebounds. Nur 8 Turnover. 25 Second Chance Points. Fünf zweistellige Scorer. 67 zugelassene Punkte.

Das ist eine ziemlich deutliche Reaktion.

Natürlich macht ein 90:67 in Ulm aus allen Fragezeichen der vergangenen Wochen keine Ausrufezeichen. Dafür sind wir nach zwei Ligaspielen genauso wenig schlauer, wie wir nach Oldenburg schon alles wissen konnten.
 
Großartige Spielanalyse. Danke.
Wird spannend sein die weitere Entwicklung zu beobachten.

Nach ca. 5 bis 6 Spielen wird eine Einschätzung auf mögliche Saisonziele ein wenig leichter fallen.

Die Jungs haben gestern auf jeden Fall die Ampel von rot (OLD) auf grün (ULM) geschalten. Freitag dann gegen Bonn in eigener Halle. In dieser Liga ist da noch keine Prognose möglich. Die Jungs haben sich eine volle und laute Halle verdient.
 
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