Kenny Dye jetzt auch offiziell bestätigt
Ebenfalls wie viele andere einen 2-jahres Vertrag
Würzburg Baskets Basketball
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Selbe Verpackung, anderer Inhalt...
Unser neuer Point Guard erhält, wenn ich das richtig auf Instagram gesehen habe, die #5.
Und irgendwie macht ihn das gefühlt noch mehr zu dem Spieler, der sich automatisch mit seinem Vorgänger Marcus Carr vergleichen lassen muss.
Deswegen reizt es mich, da mal etwas genauer draufzuschauen.
Seit Sasa Filipovski in Würzburg wirklich seine eigenen Kader bauen konnte, war die Point-Guard-Position im Grunde immer ein wichtiger Schlüssel. Whittaker war 22/23 der erste klare Sasa-Spielmacher. Danach Livingston als MVP. Dann Jackson als MVP. Letzte Saison Carr mit viel Verantwortung, vielen Assists und hoher Ballpräsenz.
Die Point Guards lieferten Jahr für Jahr Rhythmus, Scoring, Creation und späte Lösungen.
Whittaker lag 22/23 bei 18,0 Punkten und 5,1 Assists bei einer Usage von rund 27 % und einer True Shooting von knapp 58 %. Livingston 23/24 bei 20,6 Punkten und 5,4 Assists, Usage über 29 %, TS% um die 60 %. Jackson 24/25 bei über 17 Punkten und über 4 Assists, ebenfalls mit hoher Usage im Bereich von 26–27 % und solider Effizienz.
Carr kam 25/26 auf 16,6 Punkte und 5,6 Assists in der BBL. Seine AST% lag bei 38,8 %, seine Usage bei 28,7 %, seine True Shooting bei rund 57 %. In der BCL waren die Werte sogar nochmal höher, sowohl bei Usage als auch bei Creation.
Er hat sich statistisch in die Riege seiner Vorgänger eingereiht. Und genau deshalb ist mein „Hero-Ball“ und "Iso-Play"- Gedanke viel zu oberflächlich. Ein Spieler mit solchen Assistwerten und einer so hohen AST% ist kein Ego-Guard, der nur dribbelt und wirft. Carr hat extrem viel kreiert. Für sich, aber eben auch für andere – bei gleichzeitig sehr hoher Balllast.
Aber dennoch bleibt ein subjektives Gefühl. Wenn man sieht, wie die Saison zu Ende ging, steht das für mich trotzdem ein bisschen symbolisch für die Experience, die ich nach Weihnachten immer wieder in der Halle oder vor dem Bildschirm hatte: Carr mit dem schwierigen Dreier. Carr versucht das Foul zu ziehen. Carr geht auf Kontakt. Carr muss noch irgendwas machen.
Es hat sich oft schwer angefühlt. Und ehrlich gesagt hatte ich manchmal auch das Gefühl, dass man es ihm selbst angesehen hat.
Im Forum wurde viel über Charakter, Leadership und Stimmung geschrieben. Stoves Interview bei Dyn, als er ungefähr meinte, „wir sind nicht so gut, wie einige es von sich denken“, passte irgendwie in diese Phase. Ich will das gar nicht alleine auf Carr münzen. Das wäre unfair.
Vielleicht beschreibt man es objektiver so: Auf Carr und Mintz lag extrem viel Verantwortung. Die beiden mussten sehr oft Vorteile auf dem Feld erzeugen. Ivey konnte diese Last aus meiner Sicht zu selten und zu inkonstant wirklich abnehmen. Dadurch wurde aus hoher Qualität manchmal auch eine gewisse Abhängigkeit.
Und jetzt kommt Kenny Dye. Die neue #5.
Dyes Zahlen aus Rumänien lesen sich gut: 16,8 Punkte, 4,5 Assists, 42,6 % Dreier. Dazu eine starke True Shooting Quote von 62,9 %. Seine Usage lag aber nur bei 23,1 %, seine AST% bewegte sich im Bereich von knapp 30 %.
Das wirkt für mich wie ein effizienter, kontrollierter Point Guard, der scoren kann, aber nicht zwingend jede zweite Possession der zentrale Problemlöser ist. Seine hohe Effizienz bei vergleichsweise moderater Usage spricht eher dafür, dass er gute Entscheidungen trifft, Würfe selektiert und das Spiel liest, statt es permanent zu dominieren.
Natürlich: Rumänien ist nicht BBL. Das muss man sauber einordnen. Livingston, Jackson und Carr haben ihre Qualität hier oder auf höherem Niveau gezeigt. Dye muss das erst übertragen, um überhaupt vergleichbar zu werden.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Vielleicht reiht er sich gar nicht klassisch hinter Whittaker, Livingston, Jackson und Carr ein. Vielleicht bricht er diese Tradition ein Stück weit auf.
Dye war in den letzten Jahren offenbar immer dann stark, wenn er um sich herum ein Gerüst aus zuverlässigen Scorern hatte. Er musste nicht permanent alles alleine lösen, sondern konnte steuern, treffen, vorbereiten und den Rhythmus halten – bei gleichzeitig hoher Effizienz und solider Creation-Rate.
Mit Griffin, Jones und Colbert sehe ich dafür zumindest Potenzial für so ein Gerüst. Unter dem Korb hat er mit Thompson zudem einen vielleicht ziemlich dankbaren Pick-and-Roll-Partner.
Dyes Aufgabe wird nicht sein, der nächste MVP Anwärter zu sein, sondern dafür zu sorgen, dass seine Mitspieler MVPs werden - More Valuable Player. Wenn ihm das gelänge, wären die Vergleiche im Trikot mit der #5 auch unnötig.