Was betrübt euch?/Was findet ihr traurig?


theGegen

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Noch ist sie nicht tot, aber es fühlt sich an, wie ein Sterben auf Raten. Ich kann auch aktuell nichts machen. Ständig erwarte ich neue Hiobsbotschaften aus dem Krankenhaus. Meine Schwester ist dort. Ich selbst traue mich nicht, dort hinzufahren, weil ich meine Mutter lieber so in Erinnerung haben möchte, wie sie noch vor ein paar Tagen drauf war. Ansprechbar und mit einem Lächeln im Gesicht.
Meine Schwester akzeptiert das. Mir würde es noch viel mehr weh tun, wenn ich eine sterbende Mutter vor mir sehe und Abschied von ihr nehmen muss. Das würde mich zerreißen.

Hab mir jetzt für diese Woche Krankenschein genommen. Jeden Tag oder jede Stunde kann es vorbei sein, und dann muss ich reagieren können. Meine Schwester braucht auch meine Hilfe, die kann nicht alles alleine machen.
Dann heißt es "stark sein". Alles mögliche erledigen.
Für heute lege ich mich ins Bett und morgen fahre ich ins Krankenhaus, meine Schwester unterstützen. Bin auf alles gefasst.

Sitze hier wie paralysiert und meine Gedanken drehen sich im Kreis. Woran soll ich denken? Dass die Antibiotika anschlagen und Mutter nochmal knapp dem Sensenmann entkommt? Bis zum nächsten mal? Sie wird sowieso in jedem Fall ein Pflegefall bleiben. Ob sie noch ein paar einigermaßen zufriedene Tage, Wochen, Monate?? hat, kann niemand sagen.
Oder soll ich so tun, als wäre schon alles vorbei? Damit ich gefasster bin, wenn die Nachricht tatsächlich kommt?
Ich weiß es nicht. Im Moment weiß ich gar nichts.

btw. ich bin froh, dass ich dieses Forum habe.

Bei mir ähnlich. Mutter und Vater. Ca. 100 km weg von hier. Kann alles nachempfinden. Es wächst einem über den Kopf. :knuddel:
 

HamburgBuam

Adalaide Byrd
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Viel Kraft @Brummsel :knuddel:

Oder soll ich so tun, als wäre schon alles vorbei? Damit ich gefasster bin, wenn die Nachricht tatsächlich kommt?

Das war meine Vorgehensweise bei meiner Mutter. Sie litt an Demenz und stellte dann im Pflegeheim das Essen ein.
Niemand hat etwas gesagt. Vermutlich aus Rücksicht auf meine Oma, die daneben stand. Aber mir war klar, dass dies
oft ein Zeichen ist, wenn es zuende geht. Und als die Nachricht am nächsten Tag kam, konnte ich es recht Entspannt aufnehmen.

Allerdings war das natürlich ein anderes Szenario als bei dir, weil die Demenz eh schon die Persönlichkeit ausgelöscht hatte und der Mensch
an sich bereits länger nicht mehr da war. Da konnte der Gedanke über Monate und Jahre einsickern.

Insofern... Keiner kann dir sagen, was das beste Verhalten ist. Jeder Fall ist anders. Aber du wirst bestimmt den richtigen Weg für dich finden.
 

Grenzdebilist

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@Brummsel Alles Gute dir und allen Beteiligten. Natürlich auch die nötige Kraft!
Und zermarter dir zumindest nicht den Kopf über eine Sache: das 'Richtige' zu tun. Denn da sind wir alle unterschiedlich und für nichts gibt es eine vorgegebene Blaupause.
Wenn deine Schwester gerade eher die Kraft findet um bei eurer Mutter zu sein, dann kannst du sicher etwas anderes machen um sie zu entlasten. Und dein Post zeigt ja schon, dass du dir exakt darüber im Klaren bist.
 
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