War das Super Six Turnier für unseren Addur nicht doch rückwirkend die falsche Entscheidung?
Er war einfach nie ein wirkliches Supermittelgewicht, und hätte im Mittel imo ne Allzeitgröße werden können. Ein Glanzzeit Addur wäre auch von Canelo oder GGG im Mittelgewicht nie komplett einseitig abswerviert worden, sein Punch war für MW einfach abnormal stark und hätte jeden flach legen können. Ich glaub sogar GGG und Canelo wären von so einem Geschoss wie dem, das Taylor oder Gevor aus den Latschen gahauen hat, zumindest schwer gerockt gewesen.
Vlt hatten Sauerland und seine Berater da doch etwas die Übersicht verloren. A. Ward, Froch, Dirrell, Kessler etc., die waren für Addur physisch einfach etwas viel, also was Größe und Reichweite angeht. Man sah es ja gerade wie Froch ihn wirklich komplett deklassierte.
Nunja ... man könnte sagen, dass die Boxer in Deutschland nie auf dem Niveau abgekocht haben, wie man es auf der anderen Seite des großen Teiches teilweise sah.
Abrahams Sieg im Rückkampf mit Miranda war eine gelungene Generalprobe ... der Wechsel ins SMW war auf Dauer zu erwarten.
Ob er da nun siegreich ist oder nicht ... wer bei dem Turnier ausscheidet, für den ist es nicht ausgeschlossen, dass er nochmal zu einer Titel-Regentschaft ansetzen kann.
Auch wenn Jermain Taylor später ziemlich durchgeknallt wurde. Abrahams Sieg damals gegen Taylor war vielleicht der bedeutenste in seiner Karriere.
Wie man es auch dreht und wendet, Taylor war derjenige der Hopkins entthronte und war gegen Froch auf den Weg zum Sieg ... bis dieser ihn noch in der letzten Runde stoppen konnte.
Gewiss, die Niederlage gegen Dirrell war ärgerlich, als Abraham nicht so recht etwas gegen den schnelleren Boxer einfiel. Nunja ... der spielte mehr oder weniger den sterbenden Schwan, als er nach dem Gong getroffen wurde. Gegen Uzcategui wiederholte er das Schauspiel.
Bitter war für Abraham nunmal die Niederlage gegen Froch. Auch weil Froch sich vor dem Kampf über Abraham lustig machte und dessen Stil im öffentlichen Training verhöhnte. Nicht nur dass Froch ankündigte, dass er Abraham easy ausboxen würde ... er tat dies dann auch.
Dabei kam Froch - wie gesagt - aus dem späten Sieg gegen Taylor, aus dem knappen Sieg gegen Dirrell und aus der Niederlage gegen Kessler.
Der vormals technisch etwas grobschlächtig wirkende Froch war nicht so klarer Favorit gegen Abraham wie sein Sieg letztlich deutlich war.
Damals zeichnete sich noch nicht unbedingt ab, dass Froch sich in den nächsten Jahren noch signifikant entwickeln und eine prägende Figur im SMW vor gut 10 Jahren sein würde. Froch war ja quasi die Nr. 1, als Ward das SMW verließ.
War Ward vor dem Turnier noch als Talent bekannt, aber eher ein unbeschriebenes Blatt, so war bald klar, dass Abraham nicht als Favorit gegen diesen ins Halbfinale geht. Keine Niederlage, für die man sich schämen muss.
War das Super Six für Abraham ein Fehler? Ich denke nicht. Sicher, er hatte bei 4 Kämpfen im Turnier nur einen gewonnen. Aber er hat sicher dennoch gut Geld gemacht und - wie gesagt - ich denke der Sieg gegen Taylor ist mehr wert als die anderen Siege Abrahams.
Eine Weile konnte er dann ja noch gegen wohl ausgesuchte Gegnerschaft um den WBO-Titel boxen.
Wenn Abraham im MW geblieben wäre?
Er hätte weiterhin mehr oder weniger unbehelligt um den IBF-Titel boxen können.
Golovkin hatte sich damals von UBP abgenabelt und fasste so langsam Fuß im US-Rampenlicht ... aber eine Titelvereinigung mit Abraham hätte nicht gerade auf dem Programm gestanden.
Martinez war die Nr. 1 der Gewichtsklasse, wurde aber vom WBC mit dem Diamond-Title verarscht, damit man JCC junior ein Titelchen zuschieben konnte.
An Pirog, der an seinem eigenen Rücken scheiterte und an Quillin, der den Titel auf der Waage verlor, erinnert sich heute ja kaum noch wer.
Vielleicht hätte Abraham den IBF-Titel im MW noch ne ganze Weile halten können ... aber er hätte da keine Allzeitgröße mit werden können.
Wer wären denn schon seine gefährlichsten potentiellen Herausforderer geworden? Sylvester und Gaele?