Fälle wie Wilson wird es immer wieder geben. Alle Anlagen der Welt, aber zwischen den Ohren für Profisport in einer Anführerrolle so ungeeignet wie es nur geht.
Das kann man aber, vor allem als Außenstehender, nicht seriös vorhersagen.
Also vorweg, ich lag bei Wilson auch daneben, was mich sehr ärgert. Aber es ist ja nicht so, als hätte es überhaupt keine Warnsignale gegeben. Dass seine Mitspieler ihn nie zum Kapitän gewählt haben, hat mich zwar aufhorchen lassen, aber hätte mich noch viel skeptischer machen müssen. Und natürlich ist der Football-Charakter von außen schwer zu bewerten, aber es gibt ja schon Annäherungen. Und dermaßen herausragend sind seine Anlagen ja jetzt auch nicht. Auch was die reinen Tools angeht, ist Fields schon deutlich überlegen. Das hätte man, das hätte ich erkennen können, vielleicht sogar müssen. Stattdessen ist die größte Rivalität in Football entstanden, besser als Ohio State vs. Michigan oder Ravens vs. Steelers: Der State of New York vs. Zach Wilson.
Ich zitiere auch mal diese Aussage von
@Obmann aus der vergangenen Woche:
Nun kam noch Thibodeaux. Da wurde viel vor der Draft geschrieben, dass seine Work Ethic nicht passt und der Bust der Draft usw wird. Ich war selbst gespannt. Es war für mich relativ klar, sehr früh klar, dass die Work Ethic passt. Der Mann hustelt, der rennt auch mal einem RB hinterher, einem WR. Der stoppt keine Plays. so hat er auch Heinecke vorgestern noch eingeholt, beim QB Keeper. Langsam entwickelt er auch das Feeling für den Speed der NFL und dann kommen solche Plays heraus wie gegen die Commanders.
Stand heute, wurde da wieder jemand Predraft übel mitgespielt. Das er eine Type ist, ist unstrittig. Der Mann hat schon mal eine Ankerkette um den Hals hängen, aber seine Postpresskonferenz war exemplarisch für seine Art, die eben manche Scouts abschreckt. Ehrlichkeit, Unverblümt, teilweise auch etwas dreist.
zitat" Alle Teams erzählen, was von, wir sind Familie usw. Alles auf gut Deutsch blödes Gewäsch, wer ist Familie ? Niemand. Wir sind es aber wirklich".
Thibodeaux kommt langsam in der Liga an, das stimmt. An seinen athletischen Fähigkeiten hatte ich keinerlei Zweifel, auch wenn ich ihn als einen der Bust-Kandidaten von den frühen Picks genannt habe. Was mich für seine Karriere am meisten optimistisch machen lässt, ist tatsächlich der Hustle, den er zeigt. Den hatte er am College nicht, er hatte auch keinen Counter Move zum Speed Rush, der die Offensive Tackles in der Pac 12 überforderte. Sein First Step ist Elite, daran konnte man nicht zweifeln.
Thibodeaux muss noch lernen, aus Pressures auch Sacks zu machen. Das ist nicht so trivial, wie es vielleicht klingt, manche lernen das nie. Aber es ist noch viel zu früh, um ihm das anzukreiden, dafür ist die Rookie Saison da. Spannend wird es, wie er mit Erfolg umgehen wird. Denn auch wenn ich den Spielern jeden Penny gönne, den sie aus diesem gefährlichen Sport ziehen, so war mir das bei Thibodeaux immer ein bisschen zu viel "Meine Brand hier, meine Marke da", ein bisschen zu viel "Me, Me, Me". Ich habe
überhaupt kein Problem damit, wenn Spieler andere Interessen als nur Football haben. Wer als Eagles Fan Malcolm Jenkins, Chris Long und Jason Kelce erlebt hat und danach noch denkt "Er sollte sich nur auf Football konzentrieren!!13!!", der hat den Schuss nicht gehört. Aber: Es ist ein Teamsport und wird immer ein Teamsport bleiben. Es ist völlig okay, sich eine Marke aufzubauen und damit Geld zu verdienen, aber es darf mMn nie einen Zweifel daran geben, dass der Erfolg des Teams zuerst kommt und dass die Marke auch kein reiner Selbstzweck, sondern ebenso dafür da ist, zurückzugeben (denn sobald du eine Marke bist, mangelt es nicht mehr an Geld für sich selbst, die Familie und die Enkel). Ob das bei Thibodeaux auch so sein wird, wenn er in der NFL Erfolg hatte, wird man sehen.