Solche Meinungen hatte ich einige gehört und gelesen, als ich ins Kino gegangen bin. Und Junge, wurde ich enttĂ€uscht. Nach dem erbĂ€rmlichen Tenet ist Nolan fĂŒr mich sehr stark auf dem absteigenden Ast. Tarantino konnte sich von einem vergleichbaren, wenn auch lĂ€ngst nicht so tiefen Karriereknick erholen und ist gegen Ende seiner Karriere wieder brilliant geworden. Ob Nolan das auch gelingt? Gerade weil er fĂŒr den schlechten Oppenheimer so viel Zucker in den Hintern geblasen bekommt, bin ich da leider skeptisch.
Wo fange ich an? Vielleicht da, wo Nolan anfĂ€ngt. Wie ein von Tiktok auf die falsche Bahn gebrachtes ADHS-Kind, dem man ein Budget von Hunderten Millionen Dollar gegeben hat. Was zur Hölle sollen diese wilden, zufĂ€lligen Cuts am Anfang? Klar kann man das machen, wenn es der ErzĂ€hlung dient, wenn hohes Tempo Teil der Story ist, aber das ist in diesem Film nicht der Fall. Vielleicht hĂ€tte ich vor dem Kinobesuch koksen mĂŒssen, um die GenialitĂ€t zu erkennen. Was Nolan da macht, ist wie ein FallrĂŒckzieher ins Leere - soll geil aussehen, aber man macht sich am Ende nur lĂ€cherlich damit.
Nun waren Charaktertiefe, Emotionen und Liebesbeziehungen nie eine StĂ€rke von Nolan. In seinen Meisterwerken (Memento, Dark Knight, Inception) konnte ich darĂŒber gut hinwegsehen, weil es nicht zentral war und weil Nolan gut darum herum gearbeitet hat. Aber in einem Biopic ist die Motivation des Charakters nunmal zentral. Und er macht das so schlecht, das ist schon fast unfreiwillig komisch, Wahnsinn. Der Tiefpunkt ist Oppenheimers "Beziehung" zu der Kommunistin. Das hĂ€tten 80 Prozent der deutschen Filmstudenten ĂŒberzeugender inszenieren können. Mir ist nicht ansatzweise klar geworden, was die beiden eigentlich aneinader schĂ€tzen und was sie verbindet.
Los Alamos ist dann die StĂ€rke des Films. HĂ€tte Nolan einfach nur diesen Teil in 90 Minuten erzĂ€hlt, der Film hĂ€tte solide unterhalten können. Wobei ich, nach all den Lobeshymnen auf die Detonation im Vorfeld, schon sehr enttĂ€uscht von dem vermeintlichen Höhepunkt war. Das ist eigentlich Nolans StĂ€rke und das soll es dann gewesen sein? Derselbe Regisseur, der in Interstellar den Wasserplaneten geschaffen hat und die ĂŒberragenden Weltraum-Szenen, prĂ€sentiert mir das als den Höhepunkt seiner ErzĂ€hlung? Da ist der Kontrast Ă€hnlich groĂ wie der von Prime-Ronaldo zum dicken Ronaldo.
Cillian Murphy spielt Oppenheimer solide, den ihm schon von vielen Kritikern ĂŒberreichten Oscar als bester Hauptdarsteller wird er aber hoffentlich nicht bekommen. Selbst Hollywood im Jahr 2023 sollte da doch besseres zu bieten haben. Hausmannskost. Nicht Ă€rgerlich, aber doch auch nichts besonderes. Der einzige Darsteller, der wirklich aus diesem mĂ€Ăigen Kinoerlebnis herausstechen konnte, war fĂŒr mich Matt Damon. Aber das reicht in der Gesamtbetrachtung bei mir nicht fĂŒr mehr als
3.5/10
Ach ja: Und was zur Hölle sollen die letzten 40 Minuten bitte? Die bekomme ich nie wieder zurĂŒck. Und das alles fĂŒr einen fiktiven Charakter. Das war wirklich der Höhepunkt der Wurstigkeit von Nolan.