In diesem Irrenhaus Trainer zu sein, ist ein besonders hartes Brot. Da könnten Pep, Mourinho oder Klopp wirken, das ist nicht machbar. Wenn der Spruch "so kann ich nicht arbeiten" irgendwo stimmt, dann ist es doch auf dem Trainerstuhl des HSV. Zuletzt waren in der Fanmeinung ja alle unfähig, praktisch von Beginn an: Labbadia, Veh, Oenning, Fink... komischerweise hat Labbadia Stuttgart zweimal in Folge in die EL gebracht (und da ist es schon schwierig), Veh war Meister und hatte direkt nach Hamburg zwei extrem erfolgreiche Jahre in Frankfurt und auch Fink war mit basel Doublesieger und hat sie in die Gruppenphase der Cl geführt. Oenning hatte gar keine Ahnung von Fußball überhaupt (komisch, dass Deutschlands neuer Wunderspieler Gündogan ihn den wichtigsten Mann seiner Karriere nennt, bei dem er sich heute noch Rat holt). Aber natürlich hatten die alle kein Konzept, keine Menschenführung, waren und sind alle "lächerlich"...schon klar.
Naja, ganz so ist es ja auch nicht. Ich halte diese ganze "Mischpoke" im Verein und im Umfeld zwar für total kontraproduktiv, aber wir müssen auch mal festhalten, daß sich der Fußball in den letzten Jahren so stark verändert hat wie in den 50 Jahren davor nicht. Bei Labbadia waren es offensichtlich eher Probleme im zwischenmenschlichen Bereich, die dazu geführt haben, sich von ihm zu trennen. Das war bei seiner Station in Leverkusen, wenn mich nicht alles täuscht, ebenfalls das Hauptproblem. Er dürfte aus diesen beiden Stationen durchaus einige Schlüsse gezogen haben, weshalb er jetzt in Stuttgart auch mal länger Trainer ist. Fachlich gab es bei ihm wenig auszusetzen, der Fußball sah unter seiner Regie in der Hinrunde zumeist sehr ordentlich aus. Veh hat die Entwicklung zu den heutigen Standards des modernen Fußballs auch erst 18 Monate nach Hamburg durchgemacht, schau dir mal an, wie seine Philosophie heute bei Frankfurt aussieht, und damals bei uns. Da mag man kaum glauben, daß es sich dabei um die gleiche Sportart handelt.
Genau das gleiche Problem hat Fink heute auch. 11 Heimsiege bei 31 Heimspielen, das ist die Bilanz eines Absteigers! Und man kann auch genau benennen, woran das liegt: Zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, zu behäbiger Spielaufbau, keine Automatismen und einstudierte Laufwege, schlechtes Arbeiten und verschieben gegen den Ball, keine Kompaktheit, schlechte Zuordnung bei Defensivstandards. Diese ganzen Punkte sorgen auch dafür, daß man scheinbar immer nach 65 Minuten keine Luft mehr hat. Das proaktive Spiel, welches die erfolgreichen Mannschaften betreiben, kostet nunmal wesentlich weniger Kraft als das ständige Hinterherlaufen, das wir unter Fink spielen. Hier liegt nämlich genau der Trick: Wenn Du das Spielfeld insgesamt kleiner hältst (kompakter!), dann sind die Wege kürzer. Bei uns tut dagegen jeder Weg weh, weil die Abstände zu groß sind. Aus diesem Grund sieht auch ein Arslan beim Sprintversuch gegen Hoffenheim so aus (beim 1:3 oder 1:4), als würde er ein Sauerstoffzelt brauchen. Ich habe sowas ehrlich noch nie gesehen, an der Mittelfeldlinie hat Arslan ca. drei Meter Vorsprung vor seinem Gegenspieler, am Strafraum dann ca. drei Meter Rückstand. Und der bewegt sich dabei, als hätte er schon 120 Minuten auf tiefem Boden in den Beinen. Ich habe schon immer ein ungutes Gefühl, wenn ich vor Spielen irgendwelche Interviews von Fink lese, wo es darum geht, wie toll er die "Jungs heißmacht". Andere Trainer philosophieren etwas vom Matchplan, von Systemen usw. Bei ihm gibts scheinbar nur "heißmachen".
Ich glaube nicht, daß Fink sein System in der Form bei uns umsetzen kann. Freundschaft hin oder her, Kreuzer kann sich das auch nicht mehr lange anschauen. So langsam muß Fink den Laden mal in den Griff bekommen, er hatte mittlerweile schon fast 2 Jahre Zeit dazu, ansonsten... Kann ich mich nur wiederholen: Erfolg bringt Kontinuität, umgekehrt besteht kein Zusammenhang. Man muß gleichzeitig realistisch sein und festhalten, daß sich natürlich keiner der zeitgemäßen Trainer diesen Verein antun wird, und sich die Reputation versaut. Tuchel und Streich werden ja häufiger genannt, aber die werden den Teufel tun!