Ferrari weiter völlig von der Rolle. Wann hat es das zuletzt gegeben, dass ein Team und seine Fahrer die Racepace eines Wages so schlecht ausgenutzt haben.
Bei Russell habe ich mich gefragt, ob er das ernst meint mit seinem Gemecker bzgl. Perez. Das war eine völlig chancenlose Dive-Bomb. In der guten alten Zeit ohne asphaltierte Auslaufzonen, hätte Perez gezwungenermassen die Tür zugehauen, beide wären raus gewesen und Russell wäre die Schuld zugesprochen worden.
Irgendwie sah das heute aus wie so oft in den letzten Jahren. Man kommt ra, aber in keine wirkliche Position zum Überholen. Kein Vergleich zum Beginn des Jahres als Verstappen noch von ganz weit hinten auf einer Gerade überholen konnte. Ist immer so, sobald Königs-Ideen für leichteres Überholen kommen, fangen die Teams an zu entwickeln und am Ende sieht das dann wieder so aus wie heute.
Ich finde schon, dass die Boliden immer noch gut dranbleiben können, aber die Strecke, welche ich an sich vom Layout gar nicht so schlecht finde (mal abgesehen von dieser blau-roten Herausforderung der Sinne

), gibt mir da eher seit langem ein Rätsel auf. Ob die Weiterentwicklung der Boliden den Gedanken des Regelwerks torpedieren, glaub ich in diesem Fall eher nicht.
Russell hat das heuer oft sehr gut gemacht. Hier sticht er allerdings schon etwas drüber auf Teufel komm raus rein, wie ich finde. Das erinnerte mich etwas an „Verstappen 2021 light“. Heißt die Erwartung war schon mit einkalkuliert, dass Perez zurücksteckt. Was er wirklich nicht tun muss. Das braucht er sich gar nicht angewöhnen, wo Verstappen seit 2022 nun mal auffallend normal fährt, dass es selbst Leclerc wundert. Recht hat er auch, denn Ferrari macht es allen wirklich schwer und leidvoll, die ihnen die Daumen drücken. Da braucht man nicht mal Fan sein, um schmerzlich zu sehen, wie sie sich selbst im Weg stehen.
Was war das am Ende für eine Kommunikation zwischen Sainz und dem Team? Als man wechselte, war der „point of no return“ schon überschritten. Davor noch gelungen gegen Perez kämpfen und dann in die Box kommen. Wollte man ihm etwa die Reifen zerstören? Komisch irgendwie.
Leclerc angenehm selbstkritisch, aber für mich hat er definitiv das Zeug zum Weltmeister. Ohne ihn wäre Ferrari nicht in der Nähe gewesen, dass sie um den WM-Titel kämpfen können. Die Qualis sind weitgehend herausragend von ihm. Er ist das erste Mal aufgrund eigener Leistungen im Dunstkreis, aber es kommt zu viel zusammen. Nicht nur vereinzelt eigene Schnitzer, Ferrari trägt leider auch viel dazu bei und entschärft die Situation nicht, im Gegenteil. Wo es anfangs angenehm souverän aussah, kehrt langsam wieder Chaos ein. Leclerc sehe ich aber fahrerisch in der ersten Liga mit Verstappen und Hamilton/Alonso. Letztere haben heute wieder stark das best Mögliche aus den Boliden rausgeholt. Verstappen nahm das Geschenk wieder gerne an und fuhr es nach Hause.
Hinter der ersten Liga sehe ich übrigens weder Perez, dessen Aussetzer heut beim fliegenden Start, wirklich übel war, noch Sainz. Beide sind viel zu wenig konstant. Mir ist das bei beiden zu viel „Hot oder Schrott“. Da gefallen mir zuletzt Russell, Norris, aber auch Bottas viel mehr. Was ich, um auf Leclerc zurückzukommen, sehr schätze ist, dass er nicht unfair wird. Der Mann hat nicht nur sehr viel Talent, sondern auch Courage und Charakter.
Spannend bleibt es bei Mercedes. Gestern wurde die Fehlkonstruktion beim Namen genannt, nachdem man deutlich unter den eigenen Erwartungen blieb. Der Renntrim sah heut dagegen wieder positiv anders aus. Ich bin gespannt, welchen Weg sie nun in Hinblick auf 2023 gehen werden. Das Konzept ist jedenfalls sicher nicht einfach. Kommen sie dem Kern näher und sind sie mal sogar sehr optimistisch, gibt es stets einen Dämpfer.