Kaum ist die EM vorbei, geht heute auch schon in der Schweiz wieder die Saison los. YB tritt als Titelverteidiger an (nach dem sechsten Titel in den vergangenen sieben Jahren), nach einem Jahr Abwesenheit ist Sion in die höchste Spielklasse zurückgekehrt. Rekordmeister GC hat sich in der Relegation knapp in der Liga halten können. Stade Lausanne-Ouchy dagegen geht nach einem Jahr zurück in die zweitklassige Challenge League.
Und meine Basler? Die erlebten eine Saison zum vergessen. Lange Zeit zog das Abstiegsgespenst durch die Stadt, schlussendlich beendete man die Saison in der Relegation Group und gesamthaft auf Platz 8 (von zwölf Mannschaften). Es war eine Saison, die man am liebsten aus dem Gedächtnis löschen möchte. Man ist weit davon entfernt, als man die nationale Meisterschaft nach Belieben dominierte. Der Verein wurde nach der erfolgreichen „Ära Heusler“ heruntergewirtschaftet, dringend ist der Verein auf Geld angewiesen. Nichtsdestotrotz ging man im vergangenen Saison auf grosse Shoppingtour, kein Stein blieb auf dem anderen (nachdem man nach der erfolgreichen Conference League-Saison noch gross verkündete, der Kader bleibt grösstenteils beisammen, keiner der Leih-Spieler wurde fix übernommen). Gezwungenermassen waren da auch einige teure Transfer-Flops dabei. Jovanovic (wieder weg), Malone (wieder weg), Dubasin (wohl bald wieder weg, nachdem er in der RR bereits verliehen wurde) und die Ausleihe von Yusuf Demir (genau, der junge Österreicher, der schon bei Barça war), um nur einzelne Beispiele zu nennen. Und mit Timo Schultz griff man bei der Trainerwahl gehörig ins Klo. Es ging nur einige Wochen, bis er offenbar schon keinen Zugang mehr zur Mannschaft fand.
Prekär wurde die Situation, als nach der Entlassung von Schultz der ohnehin schon in der Kritik stehende Sportchef Heiko Vogel das Traineramt übernahm. Die Leistungen wurden nur noch schlechter und mit dessen Auftreten gegenüber den Fans und den Medien konnte man auch die ansonsten sehr treue Fangemeinschaft gegen sich aufhetzen. Ein pfeiffendes Stadion gegenüber dem eigenen Team - etwas, was ich in Basel auch noch nicht erlebt und auch nicht erwartet habe. Der grosse Knall folgte Ende Oktober: nach vier Niederlagen in Folge und einem Torverhältnis von 0:10 geht die Zeit von Vogel im Verein zu Ende. Zu einem Zeitpunkt, als man am Tabellenende und damit endgültig am Boden angekommen ist.
Auf ihn folgte anschliessend Fabio Celestini. Ihm gelang es im Verlauf der Saison immer mehr, die komplett verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren und im Verlauf der Saison liess sich sogar ein System erkennen. Einige Spieler wie Barry, Barisic, Rüegg und van Breemen, welche schon als weitere Transferflops abgestempelt wurden, kriegten unter ihm die Kurve und entwickelten sich teilweise gar zu Führungsspielern. Gleichzeitig gelang es ihm, junge Spieler wie Avdullahu oder Adjetey in die Mannschaft zu integrieren.
Auch der kritisch beäugte Präsident David Degen liess es hinter den Kulissen ordentlich krachen und vollzog einige Umstrukturierungen, um den Verein wieder auf die richtige Spur zu bringen. Die wichtigste Personalie war wohl die Installation von Daniel Stucki als Sportchef, nachdem er lange Zeit auf dem Nachwuchs-Campus engagiert war. Und bislang macht er auf mich einen sehr kompetenten Eindruck, welcher Lust auf die weitere Zeit macht. Auch das Verhältnis zu den Fans wurde massiv verbessert, eigene Missstände offen dargelegt und die einzelnen Handlungen der Verwaltungsräte sind nun deutlich verständlicher (nachdem lange Zeit vieles undurchsichtig war). Man hat die Saison zwar auf einem enttäuschenden Rang beendet, jedoch die Fans wieder komplett hinter sich und man startet morgen in Lausanne motiviert und hoffnungsvoll in die neue Saison.
Im Vergleich zur vergangenen Saison ist es ein fast schon langweiliger Transfersommer. Renato Veiga (nicht unbedingt der beliebteste Spieler bei den Fans) zog es für 14 Mio. zu Chelsea, Nasser Djiga (Roter Stern Belgrad) und Sayfallah Ltaief (Twente) kehren nach ihren Leihen nicht mehr zurück. Auch bei Liam Millar und Jonathan Dubasin erwartet man dies nach ihren Leih-Transfers in der letzten Saison noch. Für Jean-Kevin Augustin sucht man noch einen Abnehmer, er ist schon gar kein Teil des Teams mehr. Einzelne Leihtransfers sind noch zu erwarten.
Und auf der Verpflichtungsseite? Kevin Rüegg wurde nach seiner Leihe fix von Hellas Verona übernommen. Leo Leroy wurde mit der Erfahrung von 72 Ligue 1-Spielen für 500k aus Montpellier geholt, mit Marin Soticek holte man gestern für 3 Mio. noch ein umworbenes Talent von NK Lokomotiva (vielleicht kennt
@JL13 den Spieler ja und kann ein paar Worte zu ihm sagen).
Die meisten Wechsel gab es wohl fast schon an der Seitenlinie. Martin Rueda wurde als Co-Trainer durch Luigi Nocentini ersetzt, welcher zuvor bei Empoli und Napoli unter Sarri, bei Genua und der Ukraine unter Shevchenko gearbeitet hat. Mit Tom Bernhard (aus dem eigenen Nachwuchs) und Carlos Menendez gibt es auch zwei neue Athletik-Trainer. Menendet arbeitete unter anderem acht Jahre bei Atletico erfolgreich mit Simeone zusammen. Erstmals setzt man am Rheinknie auch auf einen Ernährungsberater. Jose Blesa fungierte zuletzt in der gleichen Funktion als Berater von niemand geringerem als Cristiano Ronaldo.
Alles in allem eine sehr unspektakuläre Sommerpause mit wenigen Wechseln und einigen Schräubchen, an welchen hoffentlich erfolgreich gedreht wurde. Das grösste Spektakel war aber wohl tatsächlich, dass man einen neuen Edelfan dazugewinnen konnte. Das Vorstellingsvideo des neuen Trikots wurde mit der Musik von Haftbefehl unterlegt. Dieser reagierte auf das Video, erhielt darauf das mässig gelungene Trikot zugestellt und man erwartet wohl, dass man Hafti Abi in der kommenden Saison im Joggeli begrüssen darf.
