Man liefert seit Jahren brutal ab, was erwartest du denn? Natürlich steigen die Erwartungen. Auch mal bei einem Verkauf niet zu sagen wird langsam mal erwartet. Europäisch zu spielen wird nicht mehr als Zufall gesehen sondern gehört mittlerweile fast schon dazu.
Bei welchem Verkauf der jüngeren Vergangenheit hätte man denn "nein" sagen sollen? Mal ganz abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass Fans hier überhaupt nichts einzufordern haben. Ich finde gerade bei den Abgängen hat man einen sehr guten Job gemacht.
Und ich finde es gibt noch etwas zwischen "Zufall europäisch zu spielen" und "gehört fast schon dazu". Es ist nun mal Fakt, dass im Normalfall Bayern, Dortmund, Leipzig, Leverkusen und Frankfurt vor dem SC einzuordnen sind. Das hat auch nichts mit Kleinreden zu tun, sondern ist einfach den wirtschaftlichen/strukturellen/historsichen Gegebenheiten geschuldet. Wenn dann Teams aus der "zweiten Reihe" wie Hoffenheim oder Stuttgart eben auch mal eine sehr gute Saison spielen, dann ist halt auch mal nicht mehr drin als Platz 8.
Ich finde man darf inzwischen mit dem Wunsch in die Saison gehen europäisch zu spielen, eine konkrete Erwartungshaltung daran ist aber absurd.
Ich komme und wohne ja in der Region und bin mit vielen Freiburg Fans befreundet und hier geht es vielen so, dass die spielerische Entwicklung unter Schuster nicht gefällt. Früher war es beim SCF so das jede Spielzeit die im Nichtabstieg geendet ist, ein Erfolg war. Schnelle 40 Punkte bzw nie in der Gefahrenzone zu sein, ist logischerweise immer noch das erste Ziel, spätestens mit dem neuen Stadion hat sich bei vielen aber schon auch die Anspruchshaltung geändert.
Was man dazu sagen muss ist, dass der Fußball dieses Jahr unter Schuster sehr oft teilweise wirklich nicht gut anzuschauen ist, obwohl das Spielermaterial zumindest auf dem Papier her deutlich mehr hergeben muss. Für viele Fans ist das immer noch in Ordnung, weil man ist ja immer noch "der kleine SC Freiburg" (was eigentlich auch schon lange nicht mehr der Fall ist, aber man will ja das Image bewahren), für manche muss da aber insgesamt halt mit diesem Kader mehr spielerische Elemente kommen, die in dieser Saison trotz der passenden Ergebnisse oft auf der Strecke bleiben und gerade Offensiv oft kein Konzept erkennbar ist.
Das ist halt der schmale Grat, wenn man die letzten Jahre soweit vorne stand, aber eigentlich auch immer in den Rückspiegel schauen muss, die Fans aber logischerweise immer mehr erwarten.
Das ist schon alles nicht grundlegend falsch, ich finde hier werden von vielen Fans aber auch viele Dinge einfach (bewusst?) ausgeklammert/ignoriert:
Zuerst einmal hat Schuster kein aufstrebendes Team übernommen, sondern eine Mannschaft, die bereits den Peak erreicht hatte und der Umbruch eingeleitet werden musste. Die alte und historisch erfolgreiche Garde reitet immer noch in den Sonnenuntergang und gleichzeitig müssen zig junge Spieler und Neuzugänge integriert werden. Das ist eine verdammt herausfordernde Aufgabe, nicht nur für einen Trainer-Neuling. Das ist vor allen Dingen auch eine Aufgabe, die nicht von einer Saison auf die andere passiert und die in der Regel auch nicht ohne Begleitschmerzen abläuft. Ich habe den Eindruck, dass das von vielen Fans überhaupt nicht berücksichtigt wird und man erwartet, dass der Prozess von jetzt auf gleich doch bitte abgeschlossen sein soll. Stichwort: fehlende Geduld.
Damit verbunden ist auch der nächste Punkt, den du ja auch ansprichst: die Qualität des Spielermaterials auf dem Papier. Da frag ich mich immer, was genau auf dem Papier steht? Denn von all den Neuzugängen und jungen Eigengewächsen gibt es tatsächlich keinen einzigen Spieler, der nachhaltig Bundesligaqualität über mehrere Saisons nachweisen kann. Stattdessen müssen auch Manzambi, Suzuki, Matanovic und wie sie alle heißen erst mal noch beweisen, dass diese Qualität in der Bundesliga zuverlässig über einen längeren Zeitraum auch abgerufen werden kann. Im Moment ist das bei den allermeisten (noch?) nicht der Fall, was auch ganz normal ist. Schwankungen gehören bei jungen Spielern oder Neuzugängen dazu. Auch hier sollte man mehr Geduld aufbringen und vor allen Dingen nicht alles am Trainer festmachen. Manche Spieler sind dann eben auch schlichtweg doch nicht gut genug, wie ursprünglich angenommen.
Abschließend noch mal zur Attraktivität des Fußballs unter Schuster. Das stimmt schon, dass das spielerisch oft sehr dürftig aussah bislang. Ich finde trotzdem, dass es aufgrund der angesprochenen Umstände noch viel zu früh ist, um die Arbeit von Schuster wirklich bewerten zu können. Hinzu kommt, dass sowohl die letzte als auch diese Saison ja absolut erfolgreich verlaufen sind. Auch diese Verklärung der Vergangenheit (auch unter Streich/Finke und Dutt/Sorg sowieso gab es Phasen und sogar mehrere Saisons, in denen absoluter Grottenfußball gespielt wurde) ist einfach nur noch nervig und ich habe oft den Eindruck, dass hier einfach nur der Begriff "Breisgau Brasilianer" hängengeblieben ist ohne tatsächlich diese Spielzeiten mitbekommen zu haben.
Jede/r möchte im Idealfall schönen UND erfolgreichen Fußball sehen. Das ist aber nun mal alles nicht so einfach.