Ich habe mir Skladanowskis Entwicklung in Würzburg nochmal etwas genauer angeschaut.
Als er 2024 nach Würzburg kam, war er erstmal ein Akademirspieler. Vorher Bayern II, dann ein Jahr in Spanien.
In seiner ersten Würzburger Saison hat er in der ProB dann einen ziemlich deutlichen Schritt gemacht: rund 31 Minuten, 14,6 Punkte, 8,1 Rebounds und 2,8 Assists. Dazu Spiele mit 24, 27 oder in den Playoffs 19 Punkten. Gleichzeitig war aber schon damals das Thema Shooting sichtbar: nur rund 25 Prozent von der Dreierlinie und auch die Freiwurfquote war nicht wirklich gut. In der BBL kam er 2024/25 zwar elfmal zum Einsatz, aber im Schnitt nur knapp vier Minuten. Das war im Grunde noch „reinschnuppern“.
Der Sprung im letzten Jahr war dann schon erheblich. Aus dem ProB-Leistungsträger wurde plötzlich ein echter BBL-Rotationsspieler. 37 BBL-Spiele, 24 Starts. In der Champions League startete er sogar in allen 15 Einsätzen. Filipovski hat ihm also nicht einfach ein paar deutsche Minuten zugeschoben, sondern ihn über Monate bewusst als Starter auf der Vier eingesetzt.
Das sollte man bei der jetzigen Diskussion nicht vergessen. Seine Entwicklung in Würzburg war zunächst eindeutig positiv: ProB-Spieler, BBL-Kaderspieler, BBL/BCL-Starter innerhalb eines Jahres.
Nur kam danach offenbar der schwierigere Teil der Entwicklung.
Denn seine Rolle wurde größer, seine Produktion aber nur bedingt. Am Ende standen in der BBL etwa 4,1 Punkte und 3,2 Rebounds in 15,5 Minuten. Inside und beim Rebound konnte er durchaus helfen, aber der Wurf entwickelte sich nicht zu der erhofften Waffe: nur rund 24 Prozent Dreier. Für einen 2,01-Meter-Forward, der auf der Vier eher undersized ist und auf der Drei offensiv wenig Creation mitbringt, ist genau das irgendwann ein Problem.
Und interessant ist: Schon gegen Ende der letzten Saison sah man erste Anzeichen, dass Filipovski bei wichtigen Spielen nicht mehr ganz so selbstverständlich auf ihn als Starter setzte. Muenkat lief ihm zunehmend den Rang ab.
Seine Hierarchie begann offenbar schon während der letzten Saison etwas zu kippen.
Gleichzeitig würde ich daraus aber auch keinen Rückschritt ableiten. Dafür hatte er gerade im Frühjahr noch einige gute Spiele. 12 Punkte in Jena waren sein damaliges BBL-Career-High, gegen Hamburg kamen später 10 Punkte und 7 Rebounds dazu und im ersten Playoffspiel in Bonn machte er 8 Punkte und brachte genau die Dinge ein, die ihn auszeichnen: Offensivrebounds, Energie, Cuts, Athletik.
Er hat sich in Würzburg stark entwickelt – aber zuletzt nicht mehr schnell genug im Verhältnis zur Entwicklung des Kaders.
Letztes Jahr bestand die Vier im Wesentlichen aus Skladanowski/Muenkat, teilweise Pjanic. Jetzt steht dort mit Colbert ein Spieler, der als echter PF verpflichtet wurde und offensiv deutlich mehr Möglichkeiten bietet. Tischler kann die Vier ebenfalls spielen und bringt nachgewiesene BBL-Defense mit. Pjanic ist weiter da und bietet als 3/4er mehr Shooting und Erfahrung. Auf der Drei nimmt Jones zusätzliche Minuten. Später kommt noch Ogunsipe hinzu.
Skladanowski muss nicht mehr beweisen, dass er besser ist als ein anderer Nachwuchsspieler. Er muss Filipovski einen Grund geben, einen von Colbert, Tischler oder Pjanic weniger spielen zu lassen.
Deshalb sind die 3:20 Minuten gegen Kirchheim ein klares Zeichen. Das war ein enges 45-Minuten-Spiel, Würzburg lag zweistellig hinten und wollte das Ding am Ende offensichtlich gewinnen. Wenn er selbst da kaum auf dem Feld steht, ist das ein deutliches Indiz dafür, wo er aktuell in der Hierarchie steht.
Die College-Geschichte würde ich dabei nicht komplett wegwischen. Es ist durchaus denkbar, dass Würzburg im Sommer länger nicht wusste, ob er bleibt und deshalb unabhängig von ihm geplant hat. Dann kommt er zurück und stellt fest: Seine bisherigen Minuten sind inzwischen anderweitig vergeben. Das wäre für mich aber keine „Abstrafung“, sondern schlicht die Konsequenz daraus, dass ein Profikader weitergebaut werden musste.
Und damit komme ich eigentlich zu dem für mich spannendsten Punkt: Was sagt das über die Qualität des neuen Kaders aus?
Wenn ein Spieler innerhalb von zwei Jahren bei Würzburg vom ProB-Leistungsträger zum BBL- und BCL-Starter geworden ist, sich dabei nicht erkennbar massiv verschlechtert hat – und dieser Spieler jetzt möglicherweise nur noch 11./12. Mann ist –, dann ist das schon ein ziemlich starkes Zeichen für mehr Tiefe.
Heißt nicht, dass der Kader insgesamt besser geworden ist. Da müssen Colbert, Tischler, Jones usw. erstmal in Pflichtspielen liefern. Aber zumindest auf den Forwardpositionen könnte genau das der Unterschied zum Vorjahr sein.
2025/26 musste ein noch unfertiger 21-Jähriger 24 BBL-Spiele und 15 BCL-Spiele starten. 2026/27 könnte derselbe, inzwischen erfahrenere Spieler Schwierigkeiten haben, überhaupt in die Zehnerrotation zu kommen.
Wenn sich das in den Pflichtspielen bestätigt, wäre das für Skladanowski persönlich natürlich eine schwierige Entwicklung.
Für die Bewertung des Würzburger Kaders wäre es aber eher ein ziemlich positives Zeichen.