Wahre Gerechtigkeit bedeutet, dass der Täter seine Strafe bekommt (was ja juristisch und gesellschaftlich passiert ist), aber nicht, dass er für den Rest seines Lebens im Fernsehen zur Jagd freigegeben ist.
Wer Gils damalige ‚Täter-Opfer-Umkehr kritisiert, sollte aufpassen, dass er heute nicht selbst zum Täter wird, indem er unter dem Deckmantel der Moral auf jemanden eintritt. Dann bist du einfach nur teil des Problems und nicht der Lösung. Gründe gibt es subjektiv immer. Ein Grund, der im Verborgenen liegt, sei es eine jahrelange psychologische Fehlprägung oder ein massiver innerer Druck, ist für den Betroffenen absolut real, egal ob man das von außen wahrhaben will oder nicht. Wer sich als der Gute aufspielt, während er sich an der menschlichen Hinrichtung eines Einzelnen beteiligt, verwirkt doch sein Recht über Moral überhaupt nur zu sprechen.
Wenn wir Gil jedes Recht auf eine normale Regung, auf ein Aufatmen oder ein Lachen absprechen, nur weil er eine dunkle Vergangenheit hat, dann ist das keine Gerechtigkeit, sondern blanke Rachsucht. Man tut so, als würde man die Opfer schützen, aber eigentlich genießt man es nur, jemanden ohne Hemmungen medial in den Dreck zu treten. Wer jemanden menschlich komplett auslöschen will, ist keinen Millimeter besser als das, was er verurteilt er ist einfach nur ein Heuchler, der seinen eigenen Sadismus hinter einer moralischen Maske versteckt.