Ich hab mir die letzten Abende auch mal die Saisonstarts von Formel 3 und Formel 2 angeschaut.
Formel 3
Den ersten Saisonsieg holte sich Renault-Junior Piastri, der letzte Saison in der Formel Renault erfolgreich war. Überzeugen konnte auch Logan Sargeant der seine zweite Saison in der Formel 3 fährt. Dritter wurde Alex Peroni, bekannt z.B. für seinen schweren Unfall letztes Jahr in Monza. Es war sein erstes Rennen seitdem.
Im zweiten Rennen (die Plätze 1 bis 10 starten umgekehrt) setzte sich RedBull-Junior Liam Lawson durch.
Rookie Frederik Vesti - letztes Jahr souveräner Sieger der FREC - sammelte in beiden Rennen gut Punkte und ist fünfter der Gesamtwertung.
Aus deutscher Sicht konnten Lirim Zendeli und David Beckmann (der spät seinen Platz in der Saison bekam ... ich glaube er war schon auf halbem Weg in die DTM, bevor sich das als Sackgasse herausstellte) in den vorderen Rängen mitmachen. Ihre guten Qualifying-Ergebnisse konnten die Trident-Piloten im ersten Rennen jedoch nicht halten. Im zweiten hingen sie hinter Clement Novalak fest.
Enttäuschend lief es z.B. für Jack Hughes, Max Fewtrell, Theo Pourchaire und Dennis Hauger. Im Qualifaing hatten sie hier und da mal pinke Sektoren ... aber bei 30 Boliden auf dem recht kurzen Red-Bull-Ring erwischten sie oft Verkehr (Anmerkung: es wird im F3-Qualifying nicht nachgetankt ... die Piloten fahren daher recht viele Runden ... mal ne schnelle, dann eine zum Abkühlenund Abstand aufbauen, dann wieder ne schnelle ... usw.).
Unglücklich liefs auch für Sebastian Fernandez. Er holte eine souveärne Pole, zog aber in der ersten Kurve zu stark nach innen, als zwei Piloten neben ihm waren, was er hätte bemerken können ... dadurch drehte er sich und sein Wochenende war quasi gelaufen.
Formel 2
In der Formel 2 gibt es im ersten Rennen einen Pflicht-Boxenstop. Die beiden Mischungen (weich und hart) müssen (im ersten Rennen) jeweils gefahren werden.
Es ist die erste Saison mit den neuen 18-Zoll-Felgen, welche nächstes Jahr in der Formel 1 ankommen.
Heizdecken dürfen nicht mehr verwendet werden.
Beim Sprint-Rennen starten die Plätze 1 bis 8 des Hauptrennens in umgekehrter Reihenfolge. Es gibt dann keinen Pflichtboxenstop.
So ergab sich das Bild, dass Piloten nach einem Boxenstop auf harte Reifen eine ziemlich mäßige Out-Lap hatten und zunächst eine Weile brauchten, um die frischen Reifen auf Temperatur zu bringen. Oftmals konnte so der Overcut zum Positionsgewinn führen, weil alte Soft-Riefen noch schneller waren. Doch war es dann sehr schwer, sich mit den noch kalten Reifen zu verteidigen. Das führte zu manch Positionskämpfen nach Boxenstops.
An der Spitze gab es einen sehenswerten Dreikampf zwischen Guanyou Zhou, Callum Ilott und Mick Schumacher. Zhou holte sich eine deutliche Pole-Position und nachdem er von den dreien der erste an der Box war, erkämpfte er sich nach den Boxenstops die Führung zurück. Er fiel jedoch wegen eines Getriebeproblems zurück. Im zweiten Rennen hatte er erneut Pech, als er einem Piloten ausweichen musste, der von einem Konkurrenten gedreht wurde (ich glaube es waren Aitken Daruvala ... bin mir nicht mehr ganz sicher).
Mick Schumacher war auf dem Weg zu einem Podest-Platz, kam jedoch nach einem Safety-Car-Restart mit kalten Reifen von der Strecke ab und fiel zurück. Im Sprint-Rennen gelang es ihm diesmal Callum Ilott zu überholen aber er fand trotz diverser DRS-Attacken keinen Weg vorbei an Matsushita, der seinen Boliden sehr gekonnt positionierte und so eine Attacke nach der anderen abwehrte. Sehenswert.
Schumacher mag sich im Rennen gewundert haben, wie Matsushita immer wieder deutlich später bremsen konnte als er selbst.
Nachdem Zhou und Schmacher wegfielen, holte sich Ferrari-Junior Ilott einen souveränen Sieg im Hauptrennen. Im Sprintrennen blieb er eher blass.
Rookie Marcus Armstrong hatte kein allzu gutes Qualifying erwischt. Er kam im ersten Rennen relativ früh an die Box und fuhr mit relativ freier Luft mehrere flotte Runden. Dies spülte ihn nach den Boxenstops anderer Piloten weit nach vorne. Mit älteren Reifen hatte er sich später viele Runden lang gegen seine Verfolger zu verteidigen. Robert Schwartzmann, ebenfalls Rookie und Ferrari-Junior (die beiden kennen sich aus der Formel 3) saß ihm lange im Nacken.
Armstrong erwischte einen sehr starken Start im zweiten Rennen. Er wirkte da wie einer der schnellsten Piloten ... womöglich mit Ambitionen zu vielen Punkten in der Gesamtwertung. Er wurde jedoch von einem technischen Defekt gestoppt. Dabei stellte er seinen Boliden (dummerweise) auf der Strecke ab, was in einer Strafe für das nächste Rennen enden kann.
Im Sprint-Rennen hing Schwartzmann ebenso wie Ticktum vor ihm und Rookie Lundgaard hinter ihm hinter Louis Deletraz fest, der von seinem Startplatz profitierte. Wie schon bei der Formel 3 zeigte sich das Bild, dass es einigen Piloten schwer fiel sich so zu positionieren, dass sie eine Überholchance hatten, wenn nicht nur sie selbst, sondern auch der Fordermann DRS hatte. Schwartzmann äußerte sich schon bei den Interviews des Podiums nach dem Hauptrennen, dass er nicht zu viel riskieren wollte ... die Saison ist lang, lieber konstant Punkten, als durch unnötige Ausfälle nach hinten zu rutschen.
Überraschen konnte Felipe Drugovich. Drugovich war - nach überdeutlichem Sieg der Euroformula Open - letzte Saison wenig erfolgreich in der Formel 3. Nun bekam er dennoch eine Formel-2-Chance und überraschte mit dem zweiten Startplatz. Drugovich war danach durchaus aufgeregt ... schließlich sollte nun sein erster Boxenstop kommen. Das Tempo der Prema-Piloten und der Ferrari-Junioren konnte er im Hauptrennen nicht mitgehen, im Sprint-Rennen siegte er dann aber von der Pole-Position aus recht souverän.
Giuliano Alesi, der kein besonders gutes Qualifying hatte, war einer der wenigen Piloten, die das Hauptrennen auf den harten Reifen starteten (ich glaube, Deletraz zälte auch dazu ... oder war Deletraz einer derer die früh in die Box kamen? Ich kann mir wohl manches nicht merken

). Eine der SafetyCar-Phasen kam ihm dann sehr entgegen. Im zusammengeführten Feld hatte er mit den weichen Reifen dann einen klaren Vorteil und konnte sich so vorarbeiten.
Beim Sprintrennen konnte er den guten Startplatz aber nicht umsetzen. Nach nur einer Runde schied er mit kapitalem Motorschaden aus.
Kein gutes Bild lieferten die Carlin-Piloten und Red-Bull-Junioren Tsunoda und Daruvala ab. Im Qualifying lief es mäßig für beide und im Hauptrennen kollidierten beide miteinander. Tsunoda hatte technische Probleme durch den Crash, Daruvala bekam auch noch im Sprint-Rennen eine Strafe. Beide blieben punktlos.
Der erfahrene Lucas Ghiotto wird das Wochenende lieber vergessen. Beim Hauptrennen blieb er auf dem Weg zur Startaufstellung liegen und im Sprintrennen ereilte ihn der nächste Defekt.
Es lohnt sich durchaus die Rennen zu schauen. Die Zweikämpfe sind gut und gehen da teils über mehrere Kurven.
Vieles deutet auf einen Vierkampf der Ferrari-Junioren Ilott, Schumacher, Armstrong und Schwartzmann hin. Letztere beiden sind zwar Rookies, habe jedoch sofort eingeschlagen. Alesi kann da als fünfter Ferrari-Junior in der F2 nicht mithalten.
Ticktum, Matsushita, Aitken, Lundgaard machten auch nen flotten Eindruck.
Drugovich als Rookie konnte mit dem Sieg im Sprint-Rennen und der ersten Startreihe im Hauptrennen auf jeden Fall überraschen. Klar, er zeigte z.B. schon in der Formel 4 (3ter 2017 knapp hinter Vips und Armstrong), dass er was drauf hat ... aber in der Formel 3 lief es halt überhaupt nicht für ihn.
Einer der Favoriten beim nächsten Rennwochenende am Red-Bull-Ring bleibt sicherlich Guanyu Zhou ... er war einfach einer der schnellsten am Rennwochenende. Letztlich konnte er nur Punkte für die Pole holen. Nachdem sein Getriebeproblem im ersten Rennen an der Box gelöst werden konnte kam er noch raus um die schnellste Rennrunde zu fahren ... aber für die gibts wohl nur Punkte, wenn man in den Punkterängen liegt.