München - Einen Silberstreif am Horizont hat man bei Fortuna Düsseldorf schon häufiger ausgemacht. Doch es ging immer noch ein Stück tiefer.
Noch vor gut einem Jahr war der in die Oberliga Nordrhein abgestürzte Deutsche Meister von 1933 klinisch tot. Doch dort, wo gerade noch der Pleitegeier beharrlich kreiste, ist neues Leben eingekehrt.
"Keine Zeit verplempern"
Der Klub aus der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens führt die Oberliga nach 18 Spieltagen mit zehn Punkten Vorsprung an. Ex-Profi Thomas Berthold, Weltmeister 1990 und bei der Fortuna "General Manager", hat vor der Saison das Ruder übernommen. Die (Durchmarsch-)Pläne sind hochtrabend, in drei Jahren wollen die Düsseldorfer wieder im bezahlten Fußball sein.
"Wenn wir in diesem Jahr aufsteigen sollten, wäre das schon Riesenschritt in Richtung Zweite Liga. Ich glaube, dass wir nächstes Jahr dann nochmal aufsteigen können", erklärte Berthold im Gespräch mit Sport1. "Wir wollen keine Zeit verplempern."
Das wurde bei der Fortuna zuletzt schon genug getan. Die großen Zeiten mit den Pokalsiegen 1979 und 1980 und dem legendären Finale im Cup der Pokalsieger 1979 - 3:4-Niederlage nach Verlängerung gegen den FC Barcelona - leben nur noch in den Erinnerungen der langjährigen Fortuna-Fans.
Euphorie wie in großen Zeiten
Doch zig Abstiege und Personalwechsel an der Vereinsspitze später, nimmt die Euphorie in Düsseldorf schon wieder Fahrt auf. Zu jedem Oberliga-Auswärtsspiel pilgern mindestens 4000 Anhänger. Die Stimmung bei den Heimauftritten im ehrwürdigen Paul-Janes-Stadion ist famos. "Es ist erstaunlich, wie viele Zuschauer uns auch auswärts begleiten. Die Leute sind hungrig auf besseren Fußball", weiß Berthold.
Auch wenn sich das Publikum erst mal an Gegner wie Borussia Freialdenhoven, FC Kleve, Yurdumspor Köln oder SSG Bergisch-Gladbach gewöhnen musste. Nach dem 1:0-Erfolg beim "Vorortklub" Ratinger Spvg. 04/19 am letzten Hinrundenspieltag wurden die Fortuna-Spieler von den Fans auf Händen vom Platz getragen - als ob der Aufstieg bereits geschafft wäre.
"Wir dürfen nichts überstürzen. Wir haben noch 16 Spiele", warnte Trainer Massimo Morales bei Sport1. "Gegen uns stehen die Gegner meist tief in der Abwehr. Das ist nicht leicht für uns", sieht sich der Italiener auch vom mühsamen 1:0-Erfolg zum Rückrundenauftakt gegen Adler Osterfeld bestätigt. Der Coach war vor seinem Engagement in Düsseldorf-Flingern unter anderem Chefscout beim AC Mailand und Jugendtrainer beim FC Bayern, wo er auch als Dolmetscher des damaligen Trainers Giovanni Trapattoni fungierte.
"Mannschaft war Mittelmaß"
Doch nicht alle Mannschaften erstarren in Ehrfurcht, wenn es gegen die ruhmreiche Fortuna um Oberliga-Punkte geht: Der GFC Düren brachte den Rot-Weißen mit 1:0 in Düsseldorf die bislang einzige Saisonniederlage bei.
Das Erfolgsrezept? "Das ist kein Rezept. Diese Mannschaft war Mittelmaß. Jetzt haben wir viele Siegertypen. Es war schwierig, diese Mentalität zu ändern", sagt Morales, den Berthold erst kurz vor der Saison verpflichtete.
Zeyer zieht die Fäden im Mittelfeld
Der 64-malige Nationalspieler hält bei Fortuna alle Fäden in der Hand, alles läuft über seinen Schreibtisch. Der 39-Jährige hat sich einiges vorgenommen im Rheinland: "Entscheidend ist, dass wir uns weiterentwickeln und ein moderner Dienstleister werden. Wir müssen sehen, dass wir hier ein Unternehmen auf die Beine stellen und vom reinen Vereinsdenken weg kommen."
Personell hat der General Manager ein gutes Händchen bewiesen. Seine Neuverpflichtungen erwiesen sich fast allesamt als Volltreffer. Die Viererabwehrkette um den bundesligaerfahrenen Frank Schön (Schalke 04) und Dirk Böcker (ehemals LR Ahlen) kassierte in 18 Spielen erst zwei Gegentreffer.
Im Mittelfeld ist Michael Zeyer, Ex-Profi beim MSV Duisburg und beim VfB Stuttgart, der Denker und Lenker im Düsseldorfer Spiel. Bester Torschütze der Fortuna ist Publikumsliebling und Kultfigur Frank Mayer mit acht Toren.
Mit neuer Arena in bessere Zukunft
Die Zeichen für die Zukunft stehen also gut. Ende November 2004 wird die neue Multifunktionsarena - auf dem Gelände des ehemaligen Rheinstadions gebaut - voraussichtlich fertig. "Dann geht es nicht mehr nur um 90 Minuten Fußball. Wenn man so eine Arena bekommt, haben wir natürlich ganz neue Möglichkeiten", erklärt Berthold.
In der Rückrunde im Jahr 2005 soll die Fortuna schon eine Handvoll Heimspiele in der hypermodernen Spielstätte austragen - als Regionalligist versteht sich. Jetzt ist es an der Mannschaft, nach siebenjähriger Talfahrt den Fahrstuhl durch die Ligen wieder anzuschmeißen. Dann werden die leidgeprüften Fans das Wort "oben" vielleicht bald wieder in ihr Vokabular aufnehmen können.