Was ich skurril finde, ist, dass nicht der windige Lars in seiner Anfangszeit mit seinem Geld eine Euphorie begründet mit auf eine Hoffnung auf potentielle Erfolge und geilen Fussball auslösen konnte. Der Zugewinn an Fans kam erst, als es hieß, das Geld sei weg und Hertha eher wie ein Abstiegskandidat spielte. Dass der beliebte, da fannahe Ex Ultra Bernstein Präsident wurde, sorgte anscheinend dafür, dass die Zuschauerzahlen und Mitgliederzahlen gestiegen sind. So absurd es klingen mag, der Abstieg sorgte für eine gewisse erst recht Unterstützung/Euphorie. Also mehr Zuneigung bei weniger Leistung, also antizyklisch.
Na ja, die Zuschauerzahlen sind seit Jahren mehr oder weniger die selben. Eher im Rahmen der allgemeinen Schwankungen der BuLi. Es gab zwar mit Bernstein einen kleinen Boom, aber das verfliegt vermutlich wieder, um so länger wir in dieser Liga festhängen. Die Stagnation hat vor alle einen Grund: Das Olympiastadion. Alle anderen Vereine mit großen Stadien hatten ihren Zuschauerboom, als Sie dann irgendwann reine Fußballstadien hingestellt bekommen haben. Man vergisst häufig, dass selbst Bayern München im Olympiastadion lange vor halbleeren Rängen spielte. Schalke im Parkstadion genauso. An Hertha ist diese Entwicklung nahezu spurlos vorüber gegangen, weil man sich damals vor der WM 2006 dagegen entschieden hat, ein reines Fußballstadion in Berlin zu bauen. Hier mal ein BuLi Zuschauerschnitt Ende der 90er (als Hertha nach langer Zweitklassigkeit aufgestiegen war):
https://www.european-football-statistics.co.uk/attn/archive/ger/aveger98.htm
Deshalb gibt es in Berlin auch noch eine ganz andere Stadionkultur. Die Schüssel ist groß genug, so dass Dauerkarten nicht so eine Rolle spielen. Man bekommt eigentlich immer Karten, wenn es nicht gerade gegen Bayern München geht. Man kann zumeist auch ganz spontan sagen, komm, morgen gehn wir mal zu Hertha. Wer in Berlin aufgewachsen ist kennt das. Ich hatte in meinem Leben vielleicht eine handvoll Dauerkarten. Ich schaue zwar jedes Hertha Spiel, aber zu jedem muss ich nun auch nicht unbedingt ins Stadion. Wenn ich aber wüsste, ohne Dauerkarte komm ich quasi kaum rein, dann würde ich mir vermutlich auch Jahr für Jahr eine holen. Hertha hat dadurch Entwicklungen wie in Köln, Hamburg, Frankfurt, Gladbach, München etc. nie mitgemacht. Als krassestes Beispiel nehme ich immer Fortuna Düsseldorf. Die hatten eigentlich nie viele Zuschauer (gerade angesichts der Größe der Stadt), selbst als die damals unter Ristic mal längere Zeit in der Buli spielten. Seitdem das Rheinstadion aber ein reines Fußballstadion ist, haben die selbst als mittelklassiger Verein in der Zweiten Liga mehr als doppelt so viele Zuschauer wie damals.
Und ich dachte diese Aussicht auf Erfolg und ansehnlichen Fussball würde mehr Zuschauer in´s Stadion locken.
Das wäre auch passiert, nur hat sich das halt zu keinem Zeitpunkt eingestellt. Nicht mal ansatzweise, ja nicht einmal die Aussicht darauf war da, trotz der vielen Kohle. Wenn Hertha den Trainer und Kader von Bayern München hätte und in der Bundesliga spielen würde, wäre sogar das Olympiastadion immer voll. Dann müsste man eher eine Schüssel mit 90.000 Plätzen bauen. Erfolgsfans gäbe es in Berlin mehr als genug.