Hertha BSC - Stabilität statt Größenwahn


Gladio

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Dann lieber ein Ende mit Schrecken (wobei der Abstieg ja quasi bereits fast unmöglich ist) als ein Schrecken ohne Ende.
Das Problem mit der alten Dame ist das gleiche Problem wie in den letzten 30 Jahren. Das gleiche Problem das Schalke hatte, bevor Baumann das Ruder übernommen hat. Es fehlt an Kompetenz und den Mut jemanden zu holen der unaufgeregt und zielstrebig, alte Verhaltensmuster und eingefahrene innerbetriebliche Vorgänge, beendet und umstrukturiert.

Ansonsten bleibt alles beim alten und mehr als Lippenbekänntnisse werden nicht dabei herumkommen. Keine Chance das irgendwann ein positives Klima des Fortschritts entsteht, solange jeder Wicht im Verein auf Einflussnahme besteht.
 

Buster D

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Das Problem mit der alten Dame ist das gleiche Problem wie in den letzten 30 Jahren.
Na ja, so schwarz würde ich das jetzt nicht sehen. Es gab auch ganz gute Phasen. Z.B. die Zeit mit Röber oder später dann Marcelinho im Olympiastadion bewundern zu dürfen. Preetz hat das im Verbund mit Dardai mit eher geringen finanziellen Mitteln über ein paar Jahre auch ganz gut gemacht. Man war immer weg von den Abstiegsrängen und hat ab und an bei den int. Plätzen angeklopft. Nebenbei Spieler wie Larzaro mit ordentlich Gewinn weiterverkauft.

Das Problem war halt schon immer, dass man bei Hertha und in Berlin biederes Mittelmaß nur schwer verkaufen kann. Ich hatte das auch irgendwann satt. Der Fußball war zwar angesichts der eingesetzten Mittel effizient und erfolgreich aber nicht gerade ansehnlich. Zudem steckte man ohne echte Perspektive nach oben im Mittelfeld fest. Das kannst du in einer Stadt wie Berlin auf Dauer nicht bringen ohne dass Unruhe aufkommt oder viele sich gelangweilt abwenden. Hier gibt es halt doch deutlich mehr Abwechslung und Ablenkung als in Städten wie GE oder DO, wo außer Fußball sonst nicht viel ist.

Was Preetz dann völlig missglückte, war der Wechsel von Dardai zu einem Nachfolger. Covic war eine katastrophale Entscheidung und eher eine Notlösung, wo es einen großen Wurf benötigt hätte. Spätestens als absehbar war, dass dieser eben nicht verfügbar ist, hätte man besser mit Dardai weitermachen sollen. Und als dann quasi über Nacht Kohle da war, lief alles aus dem Ruder. Dafür war die gesamte Hertha Führung + Management nicht gewappnet. Dazu noch ein Investor, der von Fußball null Ahnung hat und sich als Berater ausgerechnet Quartalsirre wie Klinsmann und Lehmann einkaufte. Das hätte man für ein Hollywood-Comedy-Drama nicht besser ins Drehbuch schreiben können. Am Ende hat ja dann auch fast die ganze Republik gelacht.
 
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theGegen

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Als Außenstehender kann ich diese Sicht nachempfinden.
Die Kritik von @VvJ-Ente an der Hertha ebenso.

@Buster D Du hast es doch selbst erwähnt: Der solide und konsolidierende Weg über den "ewigen Dardai" war für einen Hauptstadtclub nicht mehr sexy genug und danach hat man sich erst Recht einige Male verzockt über den Anspruch "Big City Club".

Die Hertha hätte (mit Dardai) vielleicht etwas länger Erstligist bleiben können, ähnlich bspw. dem FC Augsburg oder dem Lokalrivalen Union.

Aber dieser Weg ist für die Ansprüche einer Hauptstadt (wir sind doch nicht Augsburg oder Mainz? :belehr: :skepsis: ) wohl nicht vermittelbar.
 

MS

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Na ja, so schwarz würde ich das jetzt nicht sehen. Es gab auch ganz gute Phasen. Z.B. die Zeit mit Röber oder später dann Marcelinho im Olympiastadion bewundern zu dürfen. Preetz hat das im Verbund mit Dardai mit eher geringen finanziellen Mitteln über ein paar Jahre auch ganz gut gemacht. Man war immer weg von den Abstiegsrängen und hat ab und an bei den int. Plätzen angeklopft. Nebenbei Spieler wie Larzaro mit ordentlich Gewinn weiterverkauft.

Das Problem war halt schon immer, dass man bei Hertha und in Berlin biederes Mittelmaß nur schwer verkaufen kann. Ich hatte das auch irgendwann satt. Der Fußball war zwar angesichts der eingesetzten Mittel effizient und erfolgreich aber nicht gerade ansehnlich. Zudem steckte man ohne echte Perspektive nach oben im Mittelfeld fest. Das kannst du in einer Stadt wie Berlin auf Dauer nicht bringen ohne dass Unruhe aufkommt oder viele sich gelangweilt abwenden. Hier gibt es halt doch deutlich mehr Abwechslung und Ablenkung als in Städten wie GE oder DO, wo außer Fußball sonst nicht viel ist.

Was Preetz dann völlig missglückte, war der Wechsel von Dardai zu einem Nachfolger. Covic war eine katastrophale Entscheidung und eher eine Notlösung, wo es einen großen Wurf benötigt hätte. Spätestens als absehbar war, dass dieser eben nicht verfügbar ist, hätte man besser mit Dardai weitermachen sollen. Und als dann quasi über Nacht Kohle da war, lief alles aus dem Ruder. Dafür war die gesamte Hertha Führung + Management nicht gewappnet. Dazu noch ein Investor, der von Fußball null Ahnung hat und sich als Berater ausgerechnet Quartalsirre wie Klinsmann und Lehmann einkaufte. Das hätte man für ein Hollywood-Comedy-Drama nicht besser ins Drehbuch schreiben können. Am Ende hat ja dann auch fast die ganze Republik gelacht.

Was das wohl sein kann, dass die Unioner es ganz gut hinbekommen, trotz der wahnsinnig großen Verlockungen in Berlin im Vergleich zu NRW :clowns: sich nicht direkt vom Fußballverein abzuwenden.
 

Buster D

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@Buster D Du hast es doch selbst erwähnt: Der solide und konsolidierende Weg über den "ewigen Dardai" war für einen Hauptstadtclub nicht mehr sexy genug und danach hat man sich erst Recht einige Male verzockt über den Anspruch "Big City Club".

Die Hertha hätte (mit Dardai) vielleicht etwas länger Erstligist bleiben können, ähnlich bspw. dem FC Augsburg oder dem Lokalrivalen Union.

Aber dieser Weg ist für die Ansprüche einer Hauptstadt (wir sind doch nicht Augsburg oder Mainz? :belehr: :skepsis: ) wohl nicht vermittelbar.
Ja, war so, hinterher ist man immer klüger. Ich selbst habe ja damals den Einstieg von Windhorst gefeiert. Das war für Hertha eigentlich ein risikoloses Ding. Der Klub bekommt endlich die Kohle, um nach oben aufzuschließen und der Investor hat dank 50+1 nicht wirklich was zu melden.

Das wird von vielen, gerade in der Ultra Szene, ja stets vergessen. Windhorst ist natürlich der perfekte Sündenbock und dazu ein Unsympath, aber letztlich hat er am wenigsten Schuld an dem Niedergang. Er hat ja nachweislich die Kohle organisiert und tatsächlich überwiesen! Verzockt und verjubelt haben es dann Preetz, Bobic und der ganze Rest der beteiligten Hertha Verantwortlichen. Nicht nur für völlig überteuerte Transfers, sondern auch für völlig überteuerte Berater und aufgeblähte Strukturen. Das war zum Teil auch eine reine Günstlingswirtschaft, gerade unter Bobic, der nicht mehr so sehr in Transfers sondern vor allem für anderes Personal die Restkohle verballerte.

Und keiner hat sich Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn der Geldfluss irgendwann mal abebbt. Obwohl klar war, dass das irgendwann passieren wird, denn die Anteile konnte Hertha ja nur einmal veräußern. Daran wäre Hertha letztlich fast zerbrochen. Windhorst kann man das wirklich nicht anlasten. Wenn man so will war der selbst ein Opfer, auch wenn ich kein Mitleid mit ihm habe. Ein Opfer seiner Naivität (ohne Zusicherung echter Macht so viel Geld in ein Projekt zu stecken grenzt schon an Wahnsinn) und der Strukturen bei Hertha BSC. Vermutlich wäre es nicht mal schlimmer ausgegangen, wenn er selbst, erklärtermaßen völlig ohne Ahnung vom Fußballgeschäft, das Zepter geschwungen und die Entscheidungen getroffen hätte.
 

Gladio

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Aber das ist halt alles
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Was das wohl sein kann, dass die Unioner es ganz gut hinbekommen, trotz der wahnsinnig großen Verlockungen in Berlin im Vergleich zu NRW :clowns: sich nicht direkt vom Fußballverein abzuwenden.
Bei den Eisernen sitzen aber zum Großteil Exilanten aus HH, B-W und NRW im Stadion, die glauben es ist cool für Union zu cheeren. Nichts für Ungut. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, als es noch eine enge Fanfreundschaft zwischen den Vereinen gab :saint:
 

Buster D

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Was das wohl sein kann, dass die Unioner es ganz gut hinbekommen, trotz der wahnsinnig großen Verlockungen in Berlin im Vergleich zu NRW :clowns: sich nicht direkt vom Fußballverein abzuwenden.
Union ist nicht der klassische "Hauptstadtklub" für ganz Berlin und Brandenburg wie Hertha sondern ursprünglich ein Verein aus dem Südosten Berlins, der stets in der Rolle des absoluten Underdogs war (schon zu DDR Zeiten) und von dem niemand was erwartete. Natürlich machen die einen guten Job, das bezweifelt in Berlin keiner. Deine erneute Stichelei hier (ich hoffe das mündet nicht langsam in Stalking, wie gesagt im Schalke Thread dürfte es für dich doch genug zu feiern geben, also husch husch:smoke:) geht daher ins Leere, weil du ganz offensichtlich wenig Kenntnis über die Berliner Fußball Landschaft hast. Es gibt hier keine echte gewachsene Rivalität zwischen Hertha und Union. Der eigentliche historische Stadtrivale von Hertha war eher TeBe, aber die haben sich bereits vor etlichen Jahren selbst abgeschossen (Stichwort: Göttinger Gruppe). Die Ultras von Union und Hertha spielen seit einiger Zeit so ihre Spielchen, aber die meisten Hertha Fans haben nicht wirklich was gegen Union (eher schon gegen Sch... 04, warum auch immer:D) und erkennen an, dass dort gute Arbeit gemacht wird.

Aber die Erwartungshaltung war auch eine ganz andere. Allein schon die wohlwollende Berichterstattung vieler - meist zugezogener - Sportjournalisten in Berlin seit dem Aufstieg, die versuchten, Union zu einer Art "St. Pauli" Berlins zu schreiben. Der Kontrast zu Hertha zu dieser Zeit war natürlich auch wie gemalt. Da die einen, die mit viel Kohle nichts erreichen und dann dieser Underdog aus dem Südosten, wo mit wenig fast alles gelingt. Aber das ändert sich natürlich so langsam. Die Erwartungshaltung wächst auch dort und so ruhig wie früher kann man auch nicht mehr arbeiten. Die größere Aufmerksamkeit als einziger Berliner Bundesligist und die Berliner Presselandschaft sorgen schon dafür. Union hatte ja schon den Moment, wo es zu kippen drohte. Als man sich in der CL-Euphorie mit namhaften teuren Transfers fast ein Eigentor geschossen hätte. Aber die profitieren im Gegensatz zu Hertha von über Jahre gewachsenen guten Strukturen und haben einen Präsidenten, der zumeist gute (Personal)Entscheidungen trifft. Das kann man auch als Hertha Fan neidlos anerkennen.
 

Buster D

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Aber das ist halt alles

Bei den Eisernen sitzen aber zum Großteil Exilanten aus HH, B-W und NRW im Stadion, die glauben es ist cool für Union zu cheeren. Nichts für Ungut. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, als es noch eine enge Fanfreundschaft zwischen den Vereinen gab :saint:
Wobei man ehrlicherweise auch sagen muss, dass Union durchaus eine starke historische Fanbase im Osten (vor allem Südosten) hat. Die hatten auch in der 3. und 4. Liga für Berliner Verhältnisse gute Zuschauerzahlen. Die echten Union Fans sehe ich eher als Opfer der zumeist zugezogenen "11Freunde Fußball Hipster", die durch den Hype in Folge des Aufstiegs und Erfolges Union für sich entdeckt haben. Denn das Stadion von Union ist bekanntlich klein und die Hipster sind zumeist finanzstärker als die alteingesessenen Union-Fans.

Ich arbeite in einem Bereich, wo ich mit sehr vielen Zugezogenen zu tun habe (als echter Berliner bin ich da fast schon ein Exot). Wenn die sich für Fußball interessieren, dann halten sie zumeist zu den "Dorfklubs" aus ihrer jeweiligen Heimatregion. Aber wenn sie für einen Berliner Klub sind, dann für Union. Für die hat Union die Aura von etwas Neuem, Frischen, halt hipp, so man sich auch selbst gerne sieht, weil man es ja geschafft hat, jetzt "Großstädter" ist und damit quasi das süddeutsche Dorf abgestreift hat. Als gebürtiger Berliner rieche ich diese Sorte "Neuberliner" 10 Meilen gegen den Wind und bin froh, dass die zumeist nicht der Hertha die Daumen drücken. :D;)
 
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zick

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Was ich skurril finde, ist, dass nicht der windige Lars in seiner Anfangszeit mit seinem Geld eine Euphorie begründet mit auf eine Hoffnung auf potentielle Erfolge und geilen Fussball auslösen konnte. Der Zugewinn an Fans kam erst, als es hieß, das Geld sei weg und Hertha eher wie ein Abstiegskandidat spielte. Dass der beliebte, da fannahe Ex Ultra Bernstein Präsident wurde, sorgte anscheinend dafür, dass die Zuschauerzahlen und Mitgliederzahlen gestiegen sind. So absurd es klingen mag, der Abstieg sorgte für eine gewisse erst recht Unterstützung/Euphorie. Also mehr Zuneigung bei weniger Leistung, also antizyklisch.
 
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