Kritischer Gesundheitszustand im Boxsport (inkl. dem Genesungsprozess)


Young Kaelin

merthyr matchstick
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Oh Mann, was für ne bittere Geschichte. Und ich muss sagen, ich hab den Kampf ja gesehen, ohne das zu wissen und ich hätte den Kampf niemals als irgendwie gefährlich abgespeichert. Weder von den Treffern noch von den Reaktionen von Shigeoka. So bitter.

Schwierig zu sagen. Hatte in der 7. das hier gesehen:

7. Rd. 10-9 Besser von Shigeoka, Taduran hat eher heavy leather. Shigeoka schneller, besser auf den Beinen. Taduran wird wohl was gutes brauchen. Shigeoka präziser. Shigeoka zeigt das bessere Boxen und Taduran, hat etwas Mühe, seinen Druck zu halten. Shigeoka zeigte da für n Moment etwas Kondimühe, kann das sein? Taduran kommt dann zurück und die Körpersprache von Shigeoka wurde schlechter. Wird Shigeoka müde? Wird sein Tank leer? Taduran kam in der 2. Hälfte recht gut durch.

Die letzte Runde war Shigeoka imo nicht richtig da, aber solche Runden gibts immer mal wieder, wenn Boxer im tiefroten Bereich boxen.

Nach dem Kampfende wurde es schnell dramatisch. Da hat man schon gesehen, dass die Lage ernst ist.

Gehirnblutungen sind immer tricky. Man kann Shigeoka nur die Daumen drücken, dass er a) durchkommt und b) ein gutes Leben führen kann.

Ist eine der hässlichsten Seiten des Boxsports und der Umgang damit wirklich nicht einfach.
 

Lord Krachah

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Mal ein Update von Yudai Shigeoka:

The post, translated from Japanese, read: “Starting today, Ginjiro’s eyes are half-open because he’s no longer taking painkillers (anestesia), but when I kept talking to him, he started chewing and yawning, and I felt like he could hear me. He was also blinking. I think things will likely become more clearer now.

“He will likely be transferred from the ICU to a general ward soon. It was a somewhat reassuring encounter. I have one request for Gin’s friends: I want to let Gin hear more voice messages. I’m grateful to many friends who have already sent me messages. Even short messages are fine, so I’d like you to send more. I’ll let Gin hear them everyday.

“A lot of people are worried about Gin, and as his older brother, I’m proud that he’s loved by everyone. Please continue to support Ginjiro.”

 

rude_ras

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Also da hört mein Verständnis aber echt auf. Das ist sicher mega tragisch, aber wenn der beim 1. Mal nicht den Knall gehört hat. Sorry. Da tut mir die Familie am meisten leid.
Man kann nicht einfach aufhören. Ich trinke zwei Bier haue dann 5 Minuten wilde Hände in die Luft. Danach heule ich wie ein Schlosshund und glaube, dass ich noch einen Kampf machen könnte…
 

timeout4u

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Für mich ein Beispiel, dass sich jeder Boxer persönlich und rechtzeitg mit solchen Fällen auseinandersetzen muss und seinen letzten Willen äussern soll, solange er es selbst noch kann und das Gehirn funktioniert, z.B. im Rahmen einer Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder zumindest eine Art von Ausdruck, ob z.B. in solchen Situationen überhaupt lebenserhaltende Massnahmen uä. von ihm selbst gewünscht sind.
In fast jedem Kampfvertrag gibt es ohnehin Klauseln zu eigener Gefahr, Gesundheitsrisiko usw. Da wäre zumindest ein Hinweis auf Vorsorge angebracht, gerade weil viele Leistungssportler ohnehin Raubbau an ihrem Körper begehen und für sportlichen Erfolg sogar freiwillig lieber zig Jahre Lebenserwartung eintauschen wollen.
 

Deontay

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Bitte spendet für Denis, auch wenn es vielleicht nur 10 € sind. Jede Summe ist hilfreich und gerne gesehen. Denis hat nie Geld mit Boxen groß verdient, er war in der Boxindustrie ganz unten angesiedelt, hat aber mit seinen Kämpfen wirklich begeistert. Ich bin seit einigen Jahren ein großer Fan und dieser Abgang tut mir weh. Wer kann, der soll wenigstens im Nachgang seinen Mitmenschen etwas für seine Leistungen zurückgeben. Danke :)


 

Deontay

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Die Verlobte gab einige Updates bzgl. Denis Mądry.

„Wir sind mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren. Dort wurde Denis sofort per Computertomographie untersucht und direkt danach in den Operationssaal gebracht. Zu diesem Zeitpunkt wurde uns mitgeteilt, dass sein Zustand sehr schwer, ja sogar lebensbedrohlich sei und eine sofortige Operation erforderlich mache. Wir hörten, dass der Eingriff bis zu sieben Stunden dauern könne. Glücklicherweise dauerte die Operation nur eine Stunde, bis ein Uhr nachts. Der Neurochirurg teilte uns mit, dass sie erfolgreich verlaufen sei, sodass uns der erste Stein vom Herzen fiel. Allerdings wurden Blutergüsse entfernt, und zusätzlich musste bei Denis ein Teil des Schädelknochens entfernt werden, um den Hirndruck auszugleichen und mehr Platz für das angeschwollene Gehirn zu schaffen. Derzeit hat er einen recht großen Knochendefekt, der später rekonstruiert werden muss“, so Monika Wójcik.
„Der Neurochirurg sah nichts Beunruhigendes, daher hoffe ich, dass sich nun alles langsam regeneriert. Dennoch bleibt er weiterhin im künstlichen Koma, bis die Schwellung des Gehirns zurückgeht. Das kann fünf bis sechs Tage dauern, genau wissen wir es nicht. Erst wenn er aufwacht, wird man diagnostizieren können, wie schwer die Verletzung tatsächlich war und welche Defizite sie verursacht hat. Dann werden wir wissen, welche Spezialisten benötigt werden – ob für die Wiederherstellung der Sprache, des Gedächtnisses, der Beweglichkeit oder für neurologische Veränderungen, die durch Rehabilitation behandelt werden müssen. Am Ende wird auch die Rekonstruktion des Schädelknochens erfolgen“

Weiterhin gilt der Spendenaufruf. Jede Spende wird gerne gesehen und hilft, egal in welcher Höhe. 50 Zloty wären umgerechnet etwas über 11 €, oder 20 Zloty unterhalb von 5 €. Egal was, danke dafür :knuddel:

Ein Boxer wie Denis Mądry stand in der Boxindustrie stets ziemlich weit unten. Er hatte nie den großen Ruhm, nie die riesigen Börsen. Dennoch war er stets einer dieser verlässlichen Kämpfer, die man als Promoter und Matchmaker liebte, weil man wusste, dass er liefern wird. Egal wie stark auch der Gegner war und wie unterlegen er auf dem Papier erschien, Mądry gab nie auf und lieferte packende Duelle. Man denke an sein tolles Duell mit dem hochdekorierten Amateurboxer Mateusz Polski zurück, den er offen hielt und nur knapp nach Punkten verlor. Oder auch an gute Kämpfe in Deutschland, beispielsweise stoppte er Miridon Mulolli auf einer Fides-Sports-Veranstaltung.

Denis Mądry hat in seiner Karriere immer geliefert und die Herzen der Boxfans gewonnen, die wirklich das Boxen lieben – und sich nicht nur auf irgendwelche Mainstream-Parameter beschränken. Deshalb ist es auch ein persönliches Anliegen, nun etwas zurückzugeben, und wenn es auch nur ein kleiner Betrag ist. Der Boxsport ist gefährlich, und die Boxszene sollte sich untereinander unterstützen und füreinander da sein. Dabei sollte es keine Rolle spielen, ob jemand eine A-Side oder B-Side war im Industriedünken, oder ob jemand aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Polen stammt.
 

Gladio

Mesmerising Measures
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Für den professionellen Boxsport müssen neue Regelungen für Journeyman mehr. Vielleicht so in etwa wie, wenn eine bestimmte prozentuale Dissonanz zwischem Sieg<Niederlagen erreicht wurde, dass ihnen ihre Pro-Lizenz entzogen wird o.ä..

Der Boxsport ist einfach zu gefährlich um Boxer zuzulassen, die für relativ geringe Börsen harte Schläge auf den Koof nehmen müssen und dann auch noch davon abhängig, dass man für sie spendet, damit sie wenigsten die Kosten für Krankenhaus- und Nachbehandlungen decken können..

Wenn das Talent eine längere Karriere nicht zu lässt, müssen Regeln diese künstlich verkürzen.

Edit:
Vielleicht wäre es noch wünschenswert das man ein bestimmtes Alter, als Journeyman mit mehr Niederlagen als Siege nicht überschritten haben darf.
 

timeout4u

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Nach meinem Eindruck kommen solche akuten Fälle weniger bei den sog. Journeyman vor. Die meisten Boxer, die in letzter Zeit deswegen ins Krankenhaus kamen, hatten meines Wissens positive Rekorde und mehr Siege als Niederlagen. Die Ursachen für diese Schäden liegen überwiegend woanders.
Man sollte Schutzvorschriften auch nicht auf eine bestimmte Gruppe beschränken. Wenn: dann alle Profiboxer.
Mit 40/45 Jahren sollte für jeden Profiboxer ohnehin Schluß sein, zumal gesundheitliche Folgen/Schäden auch erst Jahre später ans Licht kommen können, wobei viele dieser Fälle eher jüngere Boxer betreffen, meist mit gewissen Ambitionen, Motivation.
Dazu Einführung des Wiegens am Kampftag, mehr Aufklärung und Regeneration zwischen Fights, mehr Ausbildungspflichten/nachweise für Boxer/Trainer/Offizielle bei der Vergabe von Lizenzen, mehr "Bestrafung" im Ring, was unsauberes Boxen angeht, mehr/bessere Kontrollen (von MRTs bis Kampfpaarung/rekord etc), langfristiger Aufbau einer anderen Boxkultur als jetzt uä.
Solche Dinge könnten im Profiboxen eigentlich "simpel" umgesetzt werden, wenn Gesundheitsschutz wichtiger wäre als Ego, Geld, Karriere, Einstellung usw.
Aber selbst bei diesen einfachen Vorschlägen wäre das Geschrei unter Boxern, Trainern, Fans, Verbänden groß und es kommen aber und Hände, die an die Stirn klatschen. Kurze Betroffenheit, wenn was Schlimmes passiert und gleich wieder weiter ohne Pause, Nachdenken, Planänderung, Selbstreflexion etc. mit War, Krieger sein, sofort aufstehen nach Niederschlägen und weitermachen, nie aufgeben, keine Schmerzen, keine Schmerzen ... :crazy:
Doch leider zugegeben: gänzlich verhindern werden sich diese Verletzungen nie lassen, es sei denn die Medizin/Technik macht noch mehr Fortschritte. Gibt ja inzwischen auch Bluttests dazu. Es wird an einem Mundschutz gearbeitet, der ua. die g-Kräfte messen kann usw.
Das Ganze allerdings nur auf eine bestimmte Sorte Boxer runterzubrechen, wäre zu kurz gedacht. Kann leider so gut wie jeden passieren. Nur die Risiken variieren. :saint:
 
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Deontay

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Für den professionellen Boxsport müssen neue Regelungen für Journeyman mehr. Vielleicht so in etwa wie, wenn eine bestimmte prozentuale Dissonanz zwischem Sieg<Niederlagen erreicht wurde, dass ihnen ihre Pro-Lizenz entzogen wird o.ä..

Denis Madry ist ein guter Kämpfer, der beispielsweise am Samstag auch kein Underdog im Kampf gewesen ist. Das war eine super spannende Ansetzung, die beide hätten gewinnen können. Die Scorecards waren ja auch 2x 48-47 und 47-48 nach Runde 5 gewesen.

Vermutlich sind die Kämpfe gefährlicher, wo es eben ausgeglichen zugeht. Da pushen sich beide ans Maximum und wollen nicht aufgeben. Ein Journeyman wie Mazen Girke boxt ja primär nur wegen dem Geld, die sportliche Bilanz ist dem ja mehr oder weniger mittlerweile schnuppe. Gut, der will auch nicht vorzeitig verlieren, weil er dann keine weiteren Kämpfe annehmen kann, aber zur Not ist es eben so. Ein ungeschlagener Boxer denkt jedoch an seine Ziele und wird im Zweifel durchboxen wollen. Auch viele Ecken sehen das so und hoffen auf einen Luckypunch usw.
Die Konstellation ist vermutlich gefährlicher.

Am Ende sollte man die Entscheidungen der vorzeitigen Abbrüche mehr respektieren. Klar, so Entscheidungen wie Kabayel vs. Knyba sind absolut diskutabel, in der Mehrheit sind aber Abbrüche schon vernünftig gewählt von den Refs. Da wird mir zu viel kritisiert, wenn mal jemand im Stand rausgenommen wird. Selbst bei der Nummer zwischen Herrera und Nunez gab es diesen Fall, wobei Nunez echte Bomben am Seil nahm und auch nicht mehr klar erschien. Das ist verrückt.
 

timeout4u

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(y) Sehe ich auch so vom Kern. Wie geschrieben: treffen kann es grundsätzlich jeden Kämpfer und ein Risiko kämpft bei jedem Boxer mit. Es gibt aber durchaus gewisse Tendenzen, die das Risiko erhöhen wie: Gewicht machen, zuviel hartes Sparring, wenig Regeneration, die Art zu kämpfen, das "gewinnen wollen"-Macho-Gen usw. Umgekehrt kann ein alter, erfahrener Journey-Boxer sogar weniger Risiko haben als ein junger "Contender" mit Ehrgeiz, wenn er nicht auf Sieg, sondern Sicherheit boxt, besonders mit dem Ziel auf einen schnellen Ausstieg.
 
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