Kurzfristig als Ersatz irgendwo boxen zu müssen ist natürlich immer riskant und mit einigen Nachteilen verbunden, keine Frage. Allerdings ist Kadiru ein Boxer, der bereits seit jungen Jahren nichts anderes macht als Leistungssport. Soviel ich weiß, ist er Vollzeitprofi und muss nichts anderes tun als zu boxen. Er wurde viel gefördert, war regelmässig Sparringspartner von Weltklasseboxern wie AJ, Usyk ua. und sollte inzwischen zumindest aufgrund seines Alters, seiner Erfahrung, seiner Position auch die nötige Reife besitzen, dass er sich in Wettkampfpausen zumindest auf ein gewisses Trainings/Leistungspensum bewegt, um jederzeit boxfit für 10/12 Runden zu sein.
Klar, er muss jetzt natürlich einen Rückstand gegenüber Gassiev kompensieren in Sachen spezielle Trainingsvorbereitung, Intensität, taktisches Verhalten, Kondition uä., allerdings kann ich mir bei Kadiru sogar vorstellen, dass ausgerechnet das vielleicht positiv wirkt auf seine "Psyche". Er kann hier unbeschwert auftreten, hat nichts zu verlieren, keinen Erwartungsdruck, ist Aussenseiter. Und manchmal braucht es gerade das und ein vermeintlicher Nachteil kann sich so plötzlich zum Vorteil entwickeln. Denn wenn man ehrlich ist: bislang hat der behütete, vorsichtige, übliche Aufbau und Karriereverlauf bei Kadiru im Ring zumindest nicht den durchschlagenden, spektakulären Erfolg gebracht. Vielleicht klappts auf diese Weise sogar besser, auch wenn Gassiev natürlich der Favorit ist und bleibt.