Im sorry for you, aber diese Frage wird nicht erst in 10 Jahren diskutiert werden. Vielleicht hätten es die Dirkfans oder manch ein Forenmitgliet gerne so. In 10 Jahren werden wir vielleicht eher darüber diskutieren, ob Giannis ein All time Top 10 Spieler ist, wovon Dirk in allen seriösen Rankings ziemlich weit entfernt ist. Noch hat ja Giannis nicht den Ring, aber sobald er ihn hat, ist er der Euro-Goat.
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Bei Giannis geht es wirklich nicht um die Frage, ob er der beste Europäer aller Zeiten wird (das wird er eh nach dem Ring), sondern um die Frage, ob er der beste PF der NBA-Geschichte werden könnte bzw ein All Time 5 Spieler wird. Das sind die Sphären, in denen er sich inzwischen bewegt. Giannis jagt nicht Dirk, Giannis jagt Duncan, Lebron und Larry Bird.
Mit den zwei 40 Punkte Spielen, seinem epischen Block in Game 5 und dem Alley im letzten Spielt hatte er zudem einige bemerkenswerte Momente.
Du vermischt weiterhin die Standpunkte wie es gesehen wird und wie es in Wirklichkeit ist. Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Themen, wobei die gerade die öffentliche Wahrnehmung durch Bias aus völlig unterschiedlichen Richtungen beeinflusst wird. Vermutlich "wird immer noch darüber" geredet, dass Allen Iverson in 2001 verdienter MVP war oder wie Booker jetzt der neue Kobe ist. Solche Einordnungen haben viel mehr damit zu tun wie etwas berichtet wird, als was tatsächlich geschieht. Trotz allem, in der wohl bekanntesten Liste der besten Spieler aller Zeiten, von Bill Simmons, befindet sich Nowitzki auf Platz 16. Selbst wenn Giannis mal die Top 10 angreifen wird, ist das sicher nicht weit entfernt. Wenn du mit seriös analytische Herangehensweisen meinst, bin ich mir sicher, dass Nowitzki als Liebling der Analytics eher noch weiter oben zu finden sein wird.
Dirk ist vielleicht offensiv der einflussreichere Spieler, aber Giannis ist nicht so weit entfernt davon (siehe Giannis Wall, die eigens für ihn geschaffen wurde), defensiv ist er dagegen meilenwert vor einem Dirk. Dass elitäre Defense auch für große Momente sorgen kann, hat der Clutch-Block in Game 5 gezeigt.
Giannis ist defensiv herausragend, aber offensiv ist sein Einfluss einfach nicht elitär. Die letzten zwei Playoffsjahre haben offensiv seine Grenzen aufgezeigt, denn diese Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand Spielweise funktioniert in der Regular Season deutlich besser als in den Playoffs. Ohne Zweifel übt er damit trotzdem einen Druck auf die Verteidigung aus, aber höchstem Niveau ist diese Spielweise nicht erfolgsversprechend. Das haben die Bucks auch erkannt und agieren nun deutlich mehr mit anderen Ballhandlern und Giannis als Roller bzw. eher klassischerem Big Man. Die Logik dahinter ist klar den Ball aus den Händen von Giannis zu nehmen, um auf andere Art und Weise eine effizientere Offensive aufzubauen. Ich empfinde das als Fortschritt im Spiel des Griechen, denn in den letzten zwei Jahren konnte er so nicht spielen, oder zumindest wurde er nicht derart eingesetzt. Es zeigt allerdings auch, dass die (ohnehin inflationären) Boxscore Stats sind hier einfach irreführend sind, weil Giannis Aktivität suggeriert, dass sein Handeln einen positiveren Einfluss auf das Spielergebnis hinterlässt, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Letztlich konnte Giannis offensiver Output in den letzten Jahren auch verhältnismäßig gut reproduziert werden, wenn er auf der Bank saß.
Es geht einfach auch um die Auszeichnungen und Giannis hätte dann mit 26 deutlich mehr gesammelt als ein Dirk in seiner ganzen Karriere. Ich weiß, es tut weh als Dirk-Fan, aber man muss einfach der Wahrheit ins Auge sehen. Eine Championship jetzt wäre eigentlich total ahead of Schedule, aber das würde den Sieg noch beeindruckender machen.
Es ist dann auch verhältnismäßig einfach "ahead of Schedule" zu sein, wenn man derart gute Unterstützung und einen eher leichten Playoffweg hat. Mir geht es dabei überhaupt nicht um die Suns, die ich als würdiges Finalsteam erachte, sondern um Miami, verletzte Nets und Atlanta als Gegner in der Eastern Conference. Gewinnt Milwaukee tatsächlich die Finals ist die Summe der SRS bei 12. Die Bucks hätten damit den 26. einfachsten Championship Run aus den letzten 38 Jahren und das ohne adjustierte Leistungsstärke der unvollständigen Nets.
Über die Leistungsstärke der Bucks wurde ja schon viel geschrieben. Die Qualität seines Supporting Casts ist etwas wofür weder Giannis noch Nowitzki etwas kann. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eine Championship zu holen. mystic hat vor kurzem noch einen Beitrag dazu geschrieben:
Aber auch nur dann, wenn man sich auf Boxscore-Daten und Awards beschränkt. Nimmt man Lineup-Analysen wie RAPM oder Einfluss auf die Gewinnwahrscheinlichkeit hinzu, dann sieht das Bild etwas anders aus. In der Tat liegt in der Kombination Nowitzki bis 2005 vor Antetokounmpo bis 2021. Oder anders: Hätten die Mavericks ohne Nowitzki auf dem Feld ebenso im Schnitt +3 per 100 poss geliefert wie die Bucks ohne Antetokounmpo in den letzten drei Jahren, dann wären die Mavericks wahrscheinlich von 2003 bis 2005 Meister geworden, aber leider hatte Nowitzki nie ein derartig starkes Team um ihn herum; stattdessen lagen die Mavericks von 2003 bis 2005 ohne Nowitzki auf dem Feld bei -4. Ist halt auch einfacher, einem Spieler mehr Pausen zu geben, wenn das Team dann nicht anschließend einen Rückstand wieder aufholen muss.
Ich bin Giannis Anhänger und wünsche ihm den Titel. Wenn er die nächsten Jahre auch weiterhin liefert, dann hat er alle Möglichkeiten der beste europäische Spieler aller Zeiten zu werden und vieles mehr. Aber jetzt schon die Einordnung als besten europäischen Spieler zu treffen ist einfach zu früh, zumindest wenn man die Umstände mit einbeziehen will. Er hat trotz starker Unterstützung die letzten Jahre große Schwierigkeiten in den Playoffs gehabt und nun als Profiteur von relativ schwachen Gegnern mit sehr guten Leistungen in die Finals gekommen. Aber gerade Nowitzki als Hauptkonkurrent hat über einen längeren Zeitraum als einer der besten Spieler abgeliefert. Die Boxscore Stats sind nicht so aufgebläht wie die der Stars heutzutage, aber der Impact gehört ohne Zweifel zum Besten was es bisher gab, wodurch er letztlich ein Team, das ohne ihn per100 bei -5.6 war zur Championship geführt hat, mit Gegner die zusammenaddiert ein 18.43 SRS hatten. Der sechstschwerste Championshipweg in den letzten 37 Jahren. Dass die MVP Abstimmung von Journalisten für das öffentliche Meinungsbild einen derartigen Wert hat kann ich nachvollziehen, aber ich bin der Meinung als NBA Fan der das Geschehen verfolgt, kann man sich auch unabhängig von den Awards eine Meinung bilden.