Und genau da liegst du leider völlig falsch. Wladimir hat selbst für seine Verhältnisse recht risikoscheu geboxt (abgesehen vielleicht von Runde 12) und sich von Furys Zuckungen und Finten beeindrucken lassen, als wären es Wirkungstreffer. Wenn er es wenigstens mal versucht und ein paar Luftlöcher geschlagen oder sich Konter gefangen hätte, Ok. Aber er hat es ja nicht einmal ernsthaft versucht. Selbst dann nicht, als er auf den Punktzetteln schon deutlich hinten lag.
Er hat sich gegen die sich anbahnende Niederlage überhaupt nicht aufgebäumt. Und zwar nicht, weil Fury an diesem Abend wie ein wiedergeborener junger Ali durch den Ring tänzelte, schneller war als sein Schatten und ein Trommelfeuer an Schlägen abfeuerte, sondern weil er einfach zu viel Respekt vor möglichen Kontern hatte und mit der ungewohnten Situation offensichtlich psychisch nicht klar kam. Boxer wie Lewis oder Vitali hätten sich zumindest aufgebäumt und gegen einen Fury den Kampf wahrscheinlich sogar gedreht. Die Schlagkraft und das technische Rüstzeug dafür hätte auch Wladimir gehabt, nur halt nicht das Herz und die Psyche, zumindest nicht an diesem Abend.
Von daher werde ich weiterhin nicht in den Chor mit einstimmen und Fury über den grünen Klee loben. Der ist nicht plötzlich über Nacht zu einem Ausnahmeboxer mutiert, nur weil er einen ganz schwachen Wladimir über 12 Runden nach Punkten geschlagen hat. Der soll erst einmal den Rückkampf gegen einen dann hoffentlich besser eingestellten und psychisch stabileren Wladimir überstehen, dann reden wir weiter.
Fury wird doch eher als Ire wahrgenommen und seine "speziellen Auftritte" sind auch in GB nicht immer gut angekommen.