Und weil Ryôyû am kommenden Wochenende nicht gewinnen kann, gibts zur Überbrückung noch einen Artikel:
Kobayashi Ryôyû mit dem Gesamtweltcup im Visier
In diesem Moment nahm der im Auslauf wartende Kasai Noriaki seinen Teamkameraden Kobayashi Ryôyû fest in den Arm und flüsterte ihm wie stets „Gut gemacht!“ ins Ohr. Als Kobayashi dies vernahm, lächelte er.
Ende November, Kuusamo-Ruka, WC auf der Großschanze. Eine Schanze, von der es einen, sofern man sich auf den Wind legt, auf 150 Meter trägt, einzigartig in der Welt, wie sie die Springer fliegen lässt. Hinzu kommt der beständige Wind in einer extrem kalten Gegend. Es kam so, dass Kasais Order „Entscheide es mit dem einen Sprung!“ genau passte. In diese Situation sprang der über höchste Konzentrationsfähigkeit verfügende wagemutige Kobayashi.
Mehr noch, dass er am folgenden Tag hier mit 147,5 Metern die größte Weite erreichte und einen weiteren Sieg einfuhr, entspricht seinem Leistungsvermögen. Er stand in der Mitte des Podests und setzte sich gegen den Vorjahreskönig Stoch und den sehr starken Wellinger durch. Es war ein überwältigender Sieg, der auch durch die hervorragende Taktik von Cheftrainer Miyahira Hideharu, den Anlauf um zwei Luken verkürzen zu lassen, zustandekam.
Bei der nächsten Station Nishni Tagil folgten ein dritter Rang und ein Sieg und er wurde Stammgast auf dem Podium.
Einfach immer wieder springen, ohne das gelbe Leibchen aus den Händen zu geben, ein solcher Lauf treibt einen in Höhen. In solcher Situation strebt man unter vollem Einsatz seiner Kräfte auf ein Ziel zu, den Sieg im Gesamtweltcup.
Jedoch stößt man dabei auf Schwierigkeiten und auch Boshaftigkeiten können einen leicht treffen. Hat man einst bei der Vierschanzentournee vor dem sich mit Goldberger um den Gesamtsieg duellierenden Funaki Kazuyoshi im 2. Durchgang mit einer unerklärlichen Anlaufverlängerung darauf spekuliert, dass er zu weit springen und stürzen würde? In gleicher Weise hatte auch Kamikaze-Kasai zu leiden, als er in seinen jungen Jahren vor Kraft überquoll. Wenn man so etwas jedoch durchsteht, erwächst daraus eine wahre Stärke. Kobayashi hat in dieser Hinsicht viel Talent.
Im Hintergrund dieser guten Resultate stehen Kasai Noriaki, der Heimtrainer Janne Väätäinen sowie die tiefgehende gute Abstimmung mit Nationaltrainer Miyahira. Es ist die Dreieinigkeit von mentalen Aspekten und physischen Grundlagentraining durch Kasai, dem Einbringen finnischer Technik durch Väätäinen und dem Vertreten der japanischen Position im Aushandeln von Dingen mit den anderen Teams durch Miyahira. Zu seinem angeborenen Gespür kommen die Führung in seinem heimatlichen Team in Iwate, wo auf ein höfliches Auftreten Wert gelegt wird sowie die gute Anleitung in der Familie Kobayashi, in der der Bruder Junshirô, der bereits einen Weltcupsieg erreicht hat, die Schwester Yuka und der Bruder Naotatsu, der sich durch seine Bodybalance auszeichnet, heranwuchsen und gefördert wurden.
Kobayashis neue Technik ist, leichtverständlich ausgedrückt, das Vorhandensein einer Achse im Bewegungsablauf des Körpers. Die zweite Hälfte des Sprunges zeichnet sich dadurch aus, den Abstand der Skier vom Körper zu vergrößern und damit Auftrieb zu gewinnen. Durch das Aufhalten des vom der Brust abwärts verlaufenden Luftstroms liegt man dann leichter auf der Luft. Aus dieser Haltung heraus schiebt er die Skier vorwärts.
Dort gibt es aber Geheimgehaltenes, wie feine Handbewegungen oder eine gerundete Haltung im Brustbereich. Ryôyû hat seit der vergangenen Saison viel Fleiß in die Erprobung gesteckt, so dass diese Dinge ein Ryôyû-Original sind. Um auch weiterhin zu siegen, legt er sie nicht offen.
Vermutlich ist er allein schon von der Vorstellung eingenommen, in einem der anstehenden WCs gemeinsam mit seinem Bruder oder bei den Ende Januar im heimatlichen Sapporo stattfindenden WCs Seite an Seite mit Kasai auf dem Podest zu stehen.
Gegenwärtig schlägt sich auch im Kampf um Weltcuppunkte der mit Kobayashi gleichaltrige Nakamura Naoki wacker und fühlt sich angespornt. Außerdem ist auch der von einer Verletzung genesene Itô Daiki im Kommen. Selbstverständlich lauert auch Legende Kasai darauf, die Qualifikaton zu schaffen und vordere Plätze zu belegen. Daneben ist der von Okabe Takanobu betreute Satô Yukiya als neues Mitglied von Team Japan und als Ersatz für Takeuchi Taku nach Europa aufgebrochen. Auch er wird eine aktive Rolle im Team spielen.
Die starken ausländischen Teams, die durch den Großangriff Kobayashis in Erstaunen und Panik versetzt wurden, haben fieberhaft begonnen, sich die neue Technik anzueignen. Besonders der Individualist im polnischen Team, Zyla, sitzt mit seiner guten Form Kobayashi als Verfolger im Nacken. Danach kommt der wahrlich starke Stoch. Von den Norwegern, einem Team mit vielen starken Springern, hat es der junge Forfang auf das Podest geschafft, auch Fannemel befindet sich einem Formhoch. Ebenso kommen der bärtige Johansson und Tande Schritt für Schritt nach oben voran.
Die Deutschen um Wellinger erreichen mit jungen Springern wie Leyhe, Geiger und Eisenbichler konstant höhere Plazierungen. Bei den Routiniers Freitag und Freund wird es noch etwas dauern.
Die Österreicher machen den Eindruck, als legten sie ihr Schicksal für das Kommende in die Hände von Kraft, der zusammen mit Fettner bei den Weltmeisterschaften in Seefeld im Februar seinen Höhepunkt erreichen soll. Jedoch macht die Formkrise von Hayböck Sorgen.
Bei den Slowenen ist der älteste Prevc-Bruder noch nicht so weit, und so springt der jüngere Domen unerschrocken drauflos. Der Russe Klimov hat nach seinem Auftaktsieg in Wisla eine Atempause eingelegt und hofft auf eine Steigerung. Desweiteren erreichte Aalto aus dem finnischen Team, das sich in den vergangenen Jahren in einem Tief befand, nach langer Zeit einstellige Plazierungen und weckt Hoffnungen auf Künftiges.
Man kann sich auf die Vierschanzentournee freuen. ... Die großen Zuschauermassen, die lautstark die immer wiederkehrenden Auftritte von Kasai Noriaki bejubeln, der in ganz Europa einen Namen hat, eine solche Begeisterung gibt es bei keinen anderen Skisprungveranstaltungen. In fröhlicher Stimmung bei einem Glühwein und mit aufmerksamem Blick wollen wir die leidenschaftlichen Sprünge von Kobayashi Ryôyû verfolgen.
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