Wenn du so im Flow bist, wie könnte man das besser/finanzierbar gestalten?
Na ich denke mal die Finanzierung der Cockpits durch die Piloten wäre "einfacher", wenn die Einnahmen der F2 (und F3) höher ausfallen würden.
Gleichzeitig kann man Vergleiche zur Popularität z.B. bei der Moto2 ziehen.
Wenn ich früher (kommt mittlerweile nurnoch selten vor) Rennen der MotoGP angeschaut habe, dann liefen im FreeTV (DSF/Sport1, Eurosport) auch die Moto3- und Moto2-Rennen. Diese locken auch schon Zuschauer an die Strecke, während es verglichen dazu bei den F2- und F3-Rennen im Rahmen der F1 auf den Rängen relativ ruhig ist (obgleich durchaus gutes Racing geboten wird ... je nach Strecke auch mal deutlich besser als in der F1).
Eine Berichterstattung über Monoposto-Nachwuchsserien im deutschen FreeTV fand eigentlich kaum statt. RTL hatte von der GP2 mal Zusammenfassungen und teilweise auch mal Sonntags-Rennen gezeigt. An Übertragungen der Formel 3000 auf Eurosport kann ich mich heute nicht mehr erinnern (damals, als Anfang der 90ger noch mit dem paneuropäische Signal von Eurosport F1-Rennen in Deutschland auf verschiedenen Sendern zu sehen waren).
Ich schätze mal in vielen anderen Ländern ist die Übertragungs-Situation nicht groß anders.
Die Aufmerksamkeit, welche die F2 und F3 außerhalb der "Motorsport-Freaks" bekommt, hält sich doch ziemlich in Grenzen.
Hinzu kommt natürlich auch, dass der Weg in die MotoGP klarer vorgezeichnet ist. Der Großteil der Piloten kommt aus der Moto2 und teilweise vielleicht noch aus der Superbike-WM. Seltenst aus anderen Motorrad-Meisterschaften (z.B. Endurance, Offroad, etc.).
Zudem sind Moto2 und Moto3 nunmal bei allen MotoGP-Wochenenden dabei und dass sich ihr jeweiliger Erstplatzierter am Ende auch als "Weltmeister" feiern lassen darf, spielt natürlich auch eine Rolle für die Akzeptanz und Reputation dieser Klassen. Die F2- und F3-Teams könnten einen Kalender mit mehr als 20 Rennwochenenden bei weitem nicht stemmen.
Manch Piloten können auch auf eine respektable Moto2-Karriere zurückblicken, wenn sie von der Statur evntl. nicht so gut zur MotoGP passten. Ich denke da z.B. an Mika Kallio.
Wer in der Formel 2 zum Titel fährt, der ist von zukünftigen Teilnahmen ausgeschlossen.
Wer in der Formel 2 nicht nach drei Jahren zum Titel fährt, der ist ohne zahlkräftige Sponsoren (siehe Maldonado) kaum im Begriff in die Nähe eines F1-Cockpits zu kommen.
Freilich hat die FIA sich bemüht, den Weg in die F1 wieder klarer vorzuzeichnen, als es früher zeitweise der Fall war. Die F3 European Championship und die GP3 sind fusioniert. Nach dem Scheitern der Formel 2 (2009-2012) kam es zur Umbenennung der GP2. Die Formel Renault 3.5 ist Geschichte. Die Formel Renault 2.0 ist mit der FREC fusioniert.
Es gibt kaum mehr Piloten welche von F3 oder GP3 den direkten Weg in die F1 finden (wie einst Bottas, Ocon, Stroll, Verstappen), obgleich sie ggf. die Superlizenz-Punkte hierfür gehabt hätten (Hauger, Pourchaire). Es gibt - anders als vor manch Jahrzehnten - kaum Piloten welche sich in der Super Formula (oder ihren Vorgänger-Serien) ihre Meriten verdienten und - ohne Formel 2 davor oder dazwischen - in die F1 kommen (siehe Ralf Schumacher, Pedro de la Rosa, Toranosuke Takagi).
Die "Relevanz" der Formel 2 (als "Feeder" der Formel 1) ist eigentlich deutlich besser als es früher der Fall war. Die Formel 1 gilt nach wie vor als die Spitze des Motorsports auf 4 Rädern auf Rundkursen und kaum ein Pilot kommt mehr an der Formel 2 vorbei, wenn er in diese möchte (auch dank des Superlizenz-Punkte-Systems) ... siehe Colton Herta.
Allerdings ist manch Pilot lieber in anderen Rennserien auf 4 Rädern unterwegs, als dass er Interesse an einem "Midfield-Team" oder "Backmarker" in der Formel 1 hätte. Ein Alex Palou wird sich nie mehr für die F1 begeistern, denke ich. Buemi und Vergne hatten damals Helmut Marko einen Korb für ein Comeback-Angebot bei Toro Rosso gegeben und blieben lieber in Formel E bzw. WEC.
Zudem ist das F1-Starterfeld recht klein (ja, der MotoGP ging es in der Hinsicht auch schonmal besser). Liberty Media gestaltet das Concorde Agreement so, dass ein Platz im Grid wie ein Juwel behandelt wird ... und nur Juwelen der Zugang erlaubt wird (geradezu anstößig, dass der neue Cadillac-Bolide den Namen "Andretti" in der Chassis-Bezeichnung trägt). Teilweise wirkt das ähnlich wie in einem Franchise-System in einer US-Meisterschaft (z.B. NFL). Dadurch bleiben so manch Formel-2-Piloten auf der Strecke (Felipe Drugovich, Robert Schwarzman, Callum Ilott), wenn sie nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren ... auch wenn ihre Erfolge in manch anderen Nachwuchs-Rennserien für sie sprechen (Theo Pourchaire, Frederik Vesti).
Die hohen Kosten für F3- und F2-Cockpits haben ein System gebildet bei dem sich weniger wohlhabende Piloten nur über die Junior-Teams von F1-Teams sich in den Nachwuchs-Serien halten können. Die Piloten brauchen dann auch etwas Glück, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben, sonst kann es durchaus sein, dass sie nie ein F1-Cockpit während eines Rennens von innen sehen (Drugovich, Pourchaire), oder sie rutschen mehr oder weniger glücklich nach, weil ein anderer Junior patzt und sich etwas unerwartet ein Platz ergibt (Sargeant statt Ticktum). In seltenen Fällen "sprengt" ein Nachwuchs-Fahrer die "Ketten" mit welchem Junior-Team er verbunden ist (Piastri) oder hat vielleicht mit mehreren Teams eine Kooperation (Vettel: Red Bull, BMW; Ocon: Mercedes, Renault).
Naja, ich hole zuweit aus. Deine Frage war ja, wie man es "besser" machen könnte ... und diese ist nunmal schwer zu beantworten.
Die FIA-Bemühungen den Weg in die F1 klarer zu skizzieren (als es z.B. vor 10-20 Jahren der Fall war), haben die Kosten für ein Formel-2-Cockpit nicht gerade gesenkt und führen gleichzeitig kaum an diesem vorbei. Das zieht sich runter bis in die Formel 4, welche der ADAC (Hinsichtlich Kosten und Größe des Starterfeldes) irgendwann nicht mehr als wirtschaftlich erachtet hatte.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum man in der F1Academy (nach dem finanziellen Scheitern der W Series) ein Sponsoring der Cockpits zwischen den F1-Teams oder anderen Marken quasi forciert.
Ich bezweifle, dass es irgendwann gelingen wird eine direktere Verknüpfung zwischen den F1-Teams und den F2-Teams herzustellen. Frühere F1-Bewerbungen von Durango und DAMS wurden z.B. abgelehnt. Litespeed F3 verkaufte quasi sein F1-Project (es wurde zum 1Malaysian Racing Team), nachdem der von Mosley geplante Budget-Deckel nicht zustande kam.
Dementsprechend gibt es keine Synergien zwischen F1- und F2/F3-Teams ... ob nun finanziell oder technisch.
F2 und F3 agieren finanziell eigenständig. Sie zahlen keine Miete für das Nutzen der Strecke im F1-Rahmenprogramm, sie erhalten visuelle Präsenz durch Übertragungen oder durch Beachtung durch Fans, was ggf. Sponsoren anzieht. Zum Teil können sie ihre Logistik mit jener des F1-Zirkus bündeln.
Dennoch reicht dies zuweilen nicht aus, während manche F1-Teams mehr vom FOM-Preisgeld-Topf abbekommen, als sie gemäß der Budget-Obergrenze ausgeben dürfen.
Würde man 2% der FOM-Einnahmen in Richtung der F2- und F3-Teams reichen, so würde dies Talente stärken und ein "Paydrivertum" senken. Zudem tritt - wie auch in manch anderen Sportarten - eine gewisse Wettbewerbsverzerrung auf, je nach dem inwiefern man von gewissen Förderstrukturen profitiert (deutsche Fahrer hatten früher gewissermaßen einen "ADAC-Bonus" gegenüber manch anderen Ländern/Piloten).
Würde die FOM z.B. aus ihren Einnahmen heraus sowas wie Stipendien oder ähnliches vergeben, so könnte man gezielt erfolgreiche Fahrer und Fahrerinnen im Kartsport oder der Formel 4 fördern, ohne dass diese quasi hoffen müssen, dass ihr Budget auch in den Folgejahren reicht oder sie rechtzeitig Sponsoren oder F1-Gönner finden.
Während Moto3/Moto2/MotoGP ein Gesamtprodukt sind, bei dem ein Teil der Dorna-Einnahmen an den Unterbau fließt, so existiert diese Struktur in der FOM-Welt nicht.
Wäre dies möglich? Kurz gesagt: wohl eher nein.
Denn der Grund ist einfach: Die F1-Teams hätten daran kein Interesse.
Die F1 hat keinen Mangel an Talenten und die Teams stören sich gleichzeitig relativ wenig daran, wenn der Vorwurf aufkommt, dass Fahrer ihren Weg in das Grid finden, welche nicht zu den Besten der Nachwuchsserien zählen (Zhou, Maldonado...).
Dass einige vielversprechende Talente auf der Strecke bleiben, während manch Paydriver sich über mehrere Jahre in der F2 hält, das juckt in der F1 relativ niemanden.
Die F1-Teams vertrauen darauf die Talent-Förderung lieber direkt in der eigenen Hand zu behalten (Junior Teams bei Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren, Aston Martin, Sauber, Williams, Alpine), wobei ihnen die Interessenten auch nicht ausgehen werden.
Würde man einen Teil vom FOM-Kuchen an die F2 und F3 abgeben, so müssten die F1-Teams etwas von ihren Stücken abgeben ... und das machen sie nunmal nicht gerne.
Schon das veränderte Concorde Agreement und welche Unsummen Cadillac zahlen muss, weil die zukünftigen FOM-Einnahmen an 11 statt 10 Teams verteilt werden, machen deutlich dass die F1 höchstwahrscheinlich nicht willig wäre, aktiv zur Senkung der nötigen Fahrer-Budgets in den Nachwuchs-Klassen beizutragen.