Interessant auch, dass Hummels mehr als doppelt so viele Zweikämpfe wie Boateng geführt hat. Ich hab es ja schon ein paar mal geschrieben, dass es imo für einen IV leichter ist gut auszusehen, wenn die Defensive allgemein gut steht (also vor allem auch das MF) und er daher wenig zu tun bekommt. Dann kann er sich auf die relativ wenigen Aktionen konzentrieren. Jeder der Fußball gespielt hat weiß wie schwer es ist, wenn du unter Dauerbelastung stehst. Der Kopf braucht Pausen. So viel wie Hummels zu tun bekommt, hast du natürlich auch mehr Spielraum, um mal einen Fehler zu machen. Insbesondere wenn die Abstimmung mit den Nebenleuten nicht so gut ist wie bei Bayern.
Das ist mMn zu einem guten Teil eine Typfrage. Bei manchen Spielern ist das so, andere hingegen brauchen permanente Beschäftigung, um für sich einen Rhythmus zu finden. Das ist wie mit den Torhütern (die Diskussion um Bürki gab es ja gerade erst): manche müssen warmgeschossen werden, um die Betriebstemperatur zu erreichen und neigen bei weniger Beschäftigung eher zu Fehlern. Bei anderen ist es eher umgekehrt, da steigt die Fehlerquote unter Druck.
Sowohl Hummels, als auch Boateng sind aber hervorragende unter Druck Spieler. Bei beiden passieren Fehler ja ganz selten, weil die Gegenspieler zu gut sind, der Gegner zu viel Druck macht oder sie mit der Anspannung überfordert sind - sondern, wenn überhaupt (so viele Fehler machen die ja nicht), weil sie Situationen unterschätzen. Im direkten Zweikampf hatte Hummels noch nie grundsätzliche Probleme, sondern eher beim Timing fürs Rausrücken oder Stellungsspiel. Das war ja nie eine Frage der Qualität, sondern eine Zeit lang eher eine der Aufmerksamkeit. Hummels wirkt(e) manchmal auf mich, als wäre er nicht zu 100% bei der Sache bzw bei sich, da hat er den Eingang zum Tunnel nicht so richtig gefunden. Ein bisschen stumpf muss man auf dem Platz schon sein. Gegen Frankfurt hat man als Zuschauer richtig gespürt, dass die Spannung absolut bei 100% lag, gegen den HSV z.B., dass dem nicht so war. Dafür musste man kein Experte für Körpersprache sein. Ich kann mich aber an kein wichtiges K.O.Spiel erinnern, wo es da bei ihm je Probleme gab (bei Boateng aber auch nicht oder z.B. Neuer als TW).
Das ist mir auch allemal lieber als andersrum und viel wichtiger als die reine Zweikampfquote. Nehmt mal das Beispiel Leverkusen, wo es eben nicht so ist. Da wird die Mannschaft nach einem 4:4 gegen Rom für die Moral gelobt (Rudi: "das darf natürlich nicht passieren, aber danach haben die Jungs das dann ganz toll gemacht"). Hummels, Boateng oder Neuer hätten das Team noch in der Kabine so rund gemacht, dass die halbe Mannschaft sich heulend von den Eltern hätte abholen lassen. Dafür hätte man im Rückspiel aber garantiert auch nicht wieder drei Dinger kassiert. Und darum gehen die einen Spieler eben regelmäßig raus mit Applaus und einem "da war sicher mehr drin", während die anderen grandiose Weltmeisterschaften und CL-Finals spielen.
Darum ist jemand wie Hummels wichtig, nicht wegen der Zweikampfquote (die hat eben auch beinahe Boenisch). Fehlerhafte Phasen sind ärgerlich, klar, aber die o.g. Qualität ist nicht zu ersetzen und auch nicht wirklich erlernbar.