Das ist dennoch ein Vergleich von Äpfeln und Birnen, denn diese Spieler agieren in anderen Systemen (mit anderer Hilfe) und anderen Rollen. Dieses "ein Forward muss mehr Rebounds holen als ein Guard" trifft zwar in der Regel zu, aber bei einem solchen Spezialisten wie Dirk hakt es dann doch etwas.
Genau dieses Wort finde ich interessant. Dirk ist immer mehr zu einem reinen Spezialisten geworden. Früher hatte er noch einen Impact am defensiven Brett und war im Offensivrebound zwar nicht toll, aber zumindest irgendwo noch ausreichend für seine Spielweise. Heute findet sich praktisch niemand mehr auf seiner Position, der weniger Offensivrebounds holt. Es ist doch nicht so, dass Dirk jeden Angriff den Wurf nimmt (denn seinen eigenen Würfen hinterherzulaufen wäre wirklich zu viel verlangt). In Über 70% der Angriffe der Mavs nimmt ein anderer Spieler den Wurf (siehe usage rate). Wo ist da Dirk?
Dirks Hauptaufgabe dagegen ist es, für seine Mitspieler Platz zu schaffen (und darin ist er so effektiv wie sonst nur die besten Center), und solange er dies dadurch bewerkstelligt, dass er seit Jahren aus der Midrange die höchste Trefferquote aller besseren Scorer hat (ist tatsächlich so) und dementsprechend viele Fadeaway-Jumper (bekanntermaßen nicht zu verteidigen) nehmen soll, dann lassen die Mavs ihn eben so spielen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es mehrere Coaches nacheinander geben soll, die nicht erkannt haben sollen, dass Dirk anders eingesetzt viel effektiver fürs Team sein könnte. Klar wünscht man sich, dass Dirk seine Rolle wechseln und plötzlich den Gasol/Duncan geben könnte, aber es kann nur damit gearbeitet, was nunmal möglich ist.
Dirk ist mittlerweile nur noch ein hochspezialisierter Scorer mit guten Passspiel (ohne sich in Sachen Playmaking hervorzutun).
Wenn man sich deine Aufgabendefinition durchliest und man den Namen Dirk streicht, könnte man meinen, dass du von einem Rollenspieler sprichst, so eng umschnitten ist deine Beschreibung. Dirk gehört zwar zu den besten Scorern der NBA. Früher konnte er dem Team durch sein solides Rebounding (gerade defensiv) helfen, aber was macht er heute noch? Wenn ein Spieler so spezialisert ist, wie Dirk, müsste man eigentlich sagen, dass er nur noch ein Rollenspieler ist. Kann man ein wirklicher Franchiseplayer sein, wenn man so spezialisert ist, dem Team nicht durch andere Dinge helfen kann als durch Scoring und den damit geschaffenen Platz für die Mitspieler (übrigens stelle ich mir die Frage im Fall Kevin Durant auch häufiger)? Was kann Dirk dem Team geben, wenn seine Mitspieler ihre Würfe nicht treffen und sich die Verteidigung auf ihn konzentiert? Wer ist eigentlich abhängig von wem? Dirk ist abhängig von seinen Kollegen beim Offensivrebound, als 7 footer ein Armutszeugnis. Er ist abhängig von seinem Center, damit die Defense funkioniert (denn niemand wird sagen, dass Dirk wirklichen Impact in der Defense hat), er gibt dem Team so gut wie kein insidescoring (leichte Punkte), auch hier ist er abhängig. Was bleibt da noch, mal ganz provokativ gefragt? Natürlich sind seine Mitspieler auch total abhängig von ihm, das zeigt die Niederlagenserie als er verletzt war (möglicherweise zeigt es auch wie mies das Team in der Offensive ohne ihn zurecht kommt und wie limitiert wiederum die eigenen Mitspieler sind).
Aber die
Wechselbeziehung (gemeint ist die Aufgabenverteilung, Impact innerhalb des Teams) ist im Fall Dirk Nowitzki ausgeglichener als bei Franchiseplayern in anderen Teams. Dirks Schwächen, die durch diese einseitige Einflussmöglichkeit resultieren (fehlendes Rebounding, Defense, inside Scoring), in einem Team zu kompensieren ist ungleich schwieriger. Du hast natürlich Recht mit der Analyse, dass man Dirk insoweit nicht verändern kann und die Mavs damit auskommen müssen, was er ihnen geben kann. Trotzdem sollte dann auch mal die Frage erlaubt sein, ob Dirk - wenn man seine NBA-Karriere mal zusammenfasst - überhaupt in einer Riege der absolut besten Power Forwards aller Zeiten genannt werden darf und damit meine ich die wirkliche Spitze um Malone, Garnett, Duncan & Co..
Die "Causa Dirk Nowitzki" (der Nowitzki von diesem Jahr) mit einem (scheinbaren?) Franchiseplayer, der so auf total wenige Bereiche spezialisiert ist wie es bei Dirk
insbsondere heute der Fall ist, ist möglicherweise einzigartig in der Geschichte der NBA.
Ist Dirk mit seinen heutigen Schwächen noch ein Franchiseplayer? Und zur Erklärung der Frage: Ich meine Franchiseplayer im Sinne von bester Spieler bei einem Titel-Contender, nicht den 0815 Franchiseplayer wie meinetwegen Joe Johnson bei den Hawks, sondern die "wahren" FP. Zählt Dirk bei solch einer Spezialisierung noch als solcher FP?
P.S.: Ich kann mir die Meinung von den Anhängern der Mavs natürlich denken.
