Man darf bei den Aufsichtsratssitzungen nicht außer Acht lassen, dass da ein Gremium tagt, das fremdverantwortlich handelt und den Aktionären verantwortlich ist. Das sind bei Bayern, da nicht börsennotiert, zwar "nur" adidas, Audi, Telekom und die Allianz, aber die wiederum haben als börsennotierte Unternehmen auch Gremien, die sich um die Außendarstellung eines FCB Gedanken machen. Letzten Endes zahlen die Transfersummen und Gehälter der Manés und Hernandez´s zu nicht unbeträchtlichen Teilen auch private Aktionäre von den oben benannten.
Da hat auch ein Uli nach einer 18-Loch-Partie mit deren Chefs letzten Endes zu spuren.
Gedanken machen die sich sicher, die fordern intern auch sicher, dass es so nicht weitergehen darf und sich "was ändern muss". Aber es sind am Ende nur Teilhaber, die keinerlei Fachexpertise einbringen und damit auch keine konkreten Forderungen in der Sache einbringen können. Ein echtes Druckmittel haben sie ja nicht - sie können mit Rückzug und Anteilverkauf drohen, na und? Noch wird Bayern die Anteile locker an ebenso namhafte Partner los.
Die Welt des Fußballs ist einfach auch zu speziell, als dass man sie mit normalen Abläufen in Gremien anderer Bereiche vergleichen kann.
Rummenigge war sicher als Person auch keine unumstrittene Gallionsfigur, aber er war das einzige Korrektiv gegenüber Uli in der letzten Dekade. Und dieses Korrektiv hat dem Verein, Rolex hin oder her, nunmal sehr, sehr gut getan. Keine aktuell für den Verein tätige Person hat auch nur annähernd sein Standing, sein Netzwerk und wahrscheinlich hat auch fachlich in Bezug auf Fußball als Sport keiner in der Führung seine Qualität. Kalle ist irgendwo sicher auch ein A*sch, aber er versteht das Business komplett und er versteht auch viel von Fußball. Ich behaupte mal, dass er Uli in beiden Bereichen in den letzten zehn Jahren klar überholt hat.
Es hieß seinerzeit, dass sich beide endgültig aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Der eine (KHR) hat das auch getan, der andere (UH) hat das als Chance gesehen, wieder die komplette Macht an sich zu reißen. Und offenbar hat das auch funktioniert - zum Schaden des Vereins. So wie eigentlich alles, wo Uli seit seiner Knastentlassung seinen Einfluss geltend gemacht hat, dem Verein am Ende nur geschadet hat.
Alles hat seine Zeit, auch Uli hatte seine - die wichtigste in der Geschichte des FC Bayern.
Aber in den großen letzten zehn Jahren waren die besten Jahre für den FCB die, als Uli einsaß. So lange es nicht gelingt, sich endgültig von ihm zu emanzipieren (Ratschläge darf er natürlich immer gerne geben - aber eben nur Ratschläge, keine Entscheidungen beeinflussen), sehe ich pechschwarz, was die Entwicklung des Vereins selbst (unabhängig von der Mannschaft) angeht.