Das kann ich Dir erklären, denn das hat eine ganz einfach Ursache. Alles, nahezu alles läuft über Alonso. Hab mir mal gestern sein Spiel genau angesehen, weil er mir auch eher negativ auffällt. Aber es ist wirklich so, dass das Spiel alleine von ihm kontrolliert wird. Er ist im Spielaufbau nahezu immer anspielbar. Er verteilt geschickt die Bälle, er leitet eigentlich alle gefährlichen Angriffe ein. Ohne ihn geht gar nix. Lahm steht irgendwo seltsam rum und kann die Rolle auf der Sechs bestenfalls defensiv ausfüllen (also gestern zumindest), Thiago steht ziemlich hoch, wenn Javi oder Hummels angegangen wurden, halt immer Alonso als Anspielstation. Wenn es nach vorne eine gute Szene gab, war immer erst mal Alonso beteiligt.
Der spielt im Endeffekt die Rolle, die Schweinsteiger vor ein paar Jahren gespielt hat, nur noch ein Stück besser nach vorne aber schwächer (da langsam) nach hinten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wer dem seine Rolle einnehmen soll. Vidal kann das sicherlich nicht, Alonso ist eigentlich im Moment unersetzbar. Und das macht mir echt Sorgen.
Wenn man aber in diesem Ausmaß von einem Alonso in seiner aktuellen Form derart abhängig ist... dann gute Nacht! Natürlich hat er seine Momente im Spielaufbau, aber oft ist er auch bei eben jenem - sowohl körperlich als auch gedanklich - viel zu langsam. Dazu die inzwischen regelmäßigen und teils fatalen Defensivaussetzer. Das funktioniert nicht.
Ich bleibe dabei: eine Doppelsechs mit Martinez und Vidal ist a) defensiv besser und kann b) auch den Spielaufbau übernehmen. Die Fähigkeiten dafür sind vorhanden, der Rest ist Trainingssache und Glück mit Verletzungen (ja, ich weiß, genau hier drückt der Schuh gewaltig). Aber Alonso gehört für mich nichtmehr in die Startelf - und wenn man tatsächlich so abhängig von ihm ist, wie Du es beschreibst, dann haben die Verantwortlichen im Sommer einen unfassbaren Fehler gemacht. Denn Alonsos "Niedergang" ist ja nicht erst seit gestern absehbar, sondern zeichnete sich schon über weite Strecken der letzten Saison ab.
Leider muss ich Dir aber zustimmen, dass im Augenblick sehr viel über Alonso läuft. Was auch eine Erklärung dafür sein könnte, warum generell so wenig läuft - auch wenn die Schuld hierfür natürlich nicht nur bei Alonso zu suchen ist, sondern ebenso beim Rest der Mannschaft. Nahezu keiner hat schließlich so etwas wie Normalform im Moment. Aber von dieser "Abhängigkeit" muss man sich eben dringend (!) lösen.
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Zum anderen aktuellen Hauptthema, unserem Uli, möchte ich mich eigentlich nicht groß äußern. Das Thema nervt mich auch inzwischen, wobei es natürlich absolut seine Daseinsberechtigung hat und Diskussionen darüber absolut dazugehören. Mir geht nur das sportliche dabei etwas unter im Moment, aber das wird sich auch wieder ändern, sobald die "Wahl" etwas länger zurückliegt.
Nur kurz: Hoeneß ist ja eigentlich jemand, den man nicht "vor die Tür setzt". Quasi ein Mitarbeiter, der selber entscheidet, wann es Zeit ist, zu gehen. Das bringen seine Verdienste für den FC Bayern so mit sich. Aber: ich finde es etwas traurig, dass er diesen Zeitpunkt offenbar verpasst hat. Die Rückkehr auf den "Präsidenten-Thron" nach seiner Strafsache, vor allem so kurz danach, finde ich nicht gerade prickelnd...
Ich hätte mir gewünscht, dass er weiter im Hintergrund im Jugendbereich Gas gibt, sich aber von der Vereinsspitze weitestgehend fern hält. Ich denke, dass wäre für den FC Bayern, für sein Lebenswerk, seinen Verein, das Beste gewesen. So erinnert mich die Situation - metaphorisch - an einen Boxer, der bereits seinen zweiten oder dritten Kampf zu viel macht. Ich habe das Gefühl, dass die Rückkehr von Hoeneß auf lange Sicht eher Schaden bereiten wird.