Ich meine Jol wollte damals mehr Entscheidungsgewalt in Sachen Transfers, es ging nicht direkt um bestimmte Spieler. Da dies Beiersdorfers Kompetenzen beeinflusst hätte, wurde dies abgelehnt. Blöd nur, dass Beiersdorfer es dann wenig später auch nicht mehr ausgehalten hat und unbedingt gehen wollte.
An defensiven Fußball kann ich mich bei Jol eigentlich nicht erinnern. Er hatte anfangs ein recht offensives Konzept, bei dem man haufenweise Tore geschossen aber auch einige kassiert hat. Irgendwann hat Frank Rost sich dann lautstark darüber beschwert und Jol hat diesen Stil aufgegeben. Danach hatte man eigentlich gar kein richtiges System mehr und man hat sich jedes Spiel mehr oder weniger durchgewurschtelt. Dank guter Spieler hat das erstaunlich gut funktioniert, wirklich zielstrebig war man dabei aber nicht. Über den Erfolg kann man sicher nicht meckern, aber ich hatte jetzt nicht gerade den Eindruck als das da ein tolles System hinter steckte. Ganz im Gegensatz zum darauf folgenden Labbadia. Das war mal richtiger Fußball. Ein hervorragender Plan der auch gut umgesetzt wurde. Bis dann die Verletzungen kamen und sich Labbadia danach mit der Mannschaft überworfen hat. Von da an lief nicht mehr viel.
Alles was danach kam war ohne System. Veh hat es zwar noch halbwegs hingekriegt, aber wirklich durchdacht sah das auch nicht mehr aus.
:thumb:
So ist auch meine Erinnerung. Natürlich war auch Beiersdorfer kein Messias, aber das Tandem mit Hoffmann hat fast 7 Jahre im Grunde gut funktioniert. Man war entweder internationaldabei oder zumindest nah dran, die Ära Beiersdorfer/Hoffmann hat einen Schnitt von ca 51 Punkten und keine Platzierung schlechter als Platz 8.
Die Jugendförderung war auch da schon im Argen, aber Beiersdorfer war vor allem ein guter Verkäufer und Hoffmann ein guter Vermarkter. Das war insgesamt völlig ok. Das Zerwürfnis in der Saison 2008/09 mit der Flucht Jols und der Kündigung Beiersdorfers war der Anfang des Desasters. Jol konnte nicht viel dafür - er förderte Talente wie Boateng zu wenig, die Attraktivität ließ im Laufe der Saison auch nach...aber die Ergebnisse waren ok und Jol als Person in Hamburg auch durchaus geschätzt und als Trainer akzeptiert. Das war "befriedigend", würde ich sagen.
Ab 2009 dachte Hoffmann leider, selbst den SD mitmachen zu können - unter der fatalen Fehleinschätzung leidet der HSV noch heute (Kacar, Tesche, Gehalt Westermann) und das Fehlen eines kompetenten Ausgleichs und Ansprechpartners kostete am Ende Labbadia und auch Veh den Job. Die Farcen (ist das der richtige Plural?) Siegenthaler/Grill/Reinhardt gehen allein auf Hoffmann. Seine ersten 7 Jahre waren gut, teilweise auch sehr gut und man muss in diesem Zusammenhang auch erwähnen, dass ER derjenige war, der genau das, was HSV+ jetzt fordert, schon vor Jahren anstoßen wollte. Aber die letzten 2 Jahre seiner Amtszeit waren eben auch ungenügend, so muss man das im Sinne der Schulnoten wohl leider nennen - aus Selbstüber- und Selbstfehleinschätzung, eben dem Syndrom, an dem auch die heutigen Vorständler und AR kranken. Was in den letzten zwei bis drei Jahren (also der kompletten NAch-Hoffmann-Ära) passierte, weiss ja eh jeder.
Die jeweiligen Trainer muss man da schon fast von jeder Verantwortung freisprechen. Huub Stevens war der letzte, der noch unter halbwegs regulären Bedingungen arbeiten konnte, alle danach waren eigentlich nur arme Schweine (selbst Oenning - der war zwar in seiner Art onehin nicht für Profifußball geeignet, aber in der Konstellation hätte es ein Toptrainer halt 9 statt 5 Monate geschafft - zu bewältigen war die Aufgabe schlichtweg nicht).
Der beste Trainer des HSV in den letzten 5 Jahren war für mich tatsächlich Labbadia. Das war in der Hinrunde toller, moderner Fußball und auch wenn BL damals etliche Kommunikationsfehler gemacht hat - mit einem starken Sportdirektor, der auch mal die Cliquenwirtschaft u.a. und vor allem die Häuptlingsfraktion rund um Frank Rost einnordet; der unsägliche Mediengerüchte wie das um Troches Freundin und Labbadia strikt zurückweist und dagegen vorgeht; der Eskapaden a la Elia ("der Trainer besucht mich nicht jeden Tag im Krankenhaus") und RvN ("ich will wieder zu Real") verhindert...oder zumindest die mediale Veröffentlichung - hätte das eine tolle Saison und vielleicht auch mal was Längeres werden können. Wenn die Fans damals auch nur geahnt hätten, was in den nächsten (also folgenden) Jahren kommt, hätte das Labbadiabashing damals vielleicht nicht so stattgefunden, wie es eben leider stattfand.
Dabei war und ist Bruno ja nun auch kein Wunder- oder Toptrainer, aber eben ein gutes Beispiel dafür, wie man einfach keine reellle Chance haben kann. Und er war sozusagen die Urmutter der "modernen" HSVtrainer, so wie ihm ging es allen, die danach kamen: Veh, Oenning, Fink, van Marwijk. Alles Trainer, die woanders teils riesigen Erfolg hatten, aber beim HSV gnadenlos scheiterten.
Aber klar: MAGATH, der hätte es gerissen. Klaro. Das wirklich Schlechte an der Absage Magaths ist: noch in vielen Jahren von jetzt an werden Unverbesserliche davon sprechen, dass mit Magath damals ja alles anders geworden wäre. Legendenbildung galore, die wird kommen, garantiert. Leider von genau den Fans, die hier nie einem Trainer eine echte Chance geben . Von genau denen, die "von der neuen Saison nichts erwarten, der Klassenerhalt wäre schon ein Erfolg" und die dann nach dem "Sturz" von Platz 6 auf 11 innerhalb der Saison die Entlassung des Trainers fordern - natürlich nicht, weil der Erfolg fehlt, sondern weil sie plötzlich "kein Spielsystem und keine Entwicklung erkennen können". Und damit meine ich
explizit nicht Sanderson, der definitiv nicht so tickt. Aber (zu) viele selbsternannte Fans halt schon, auch hier in unserem beschaulichen Forum gibt oder gab es schon solche Exemplare - im Supportersforum, bei Matz ab oder bei tm kann man die locker stapeln. Den Pinneberger hier nehme ich mal in jeder Hinsicht sozialisationsbedingt aus (und das waren schon zu viele Worte).