Letztlich steht jetzt deine Meinung gegen seine, also ob die Spieler generell nicht in der Lage gewesen wären, die Princeton Offense gut zu spielen, oder ob sie nur bisher nicht in der Lage waren, sie ordentlich auszuführen.
Ich schrieb nicht, dass die Lakers-Spieler nie in der Lage gewesen wären, das zu lernen, sondern dass es unsinnig ist, Spieler in etwas hineinzuzwingen, was nicht ihren Stärken entspricht. Das wird speziell dann wichtig, wenn es sich um ältere Spieler handelt. Bei einem jungen Team kann man sich Zeit nehmen und wird auch die Zeit geben, damit sich das einspielt, aber bei einem Team wie den Lakers, das aus Veteranen besteht, brauche ich ein solches System doch gar nicht einführen. Da nimmt man einfach das, was den Stärken der Spieler entspricht, das funktioniert dann auch deutlich schneller und bringt damit ausreichend Erfolg. Und damit meine ich nicht mal generell eine unstrukturierte Offensive - da sind ja Spieler dabei, die die TPO beherrschen - sondern einfach Spielzüge, die sich aus den naturellen Stärken ergeben. Artest die Offensive eröffnen zu lassen und Nash dabei irgendwo am Perimeter zu platzieren, ist einfach komplett widersinnig. Artest spielt einen miesen Pass und Nash wird in der Transition-Defense überrannt. Das sollte jedem auffallen. Howard mit einem Post-Entry nahe des Midposts zu versehen, nur weil die offensive Sets das verlangen, macht aus ihm eben keinen starken Midpost-Spieler (weder im Pass noch im Wurf). Klar, wenn Gasol dort den Pass in einem der Sets der Princeton erhält, da kommt dann in den meisten Fällen etwas Gutes bei heraus, aber das sind auch Spielzüge, die man in die Offensive einbauen kann, ohne dass man dabei dann völlig auf Princeton umstellt.
Das Resultat, ob sie es generell oder nur noch nicht konnten, war selbstverständlich das gleiche: Die mangelhafte Ausführung und Abstimmung verstärkten durch die Turnovers die Defense-Probleme (dazu noch: wer weiß, ob überhaupt Defense mal abgesprochen oder ob nur Augenmerk auf die Offense gelegt wurde), und angesichts des Anspruchs der Lakers haben die folglichen Niederlagen nun Brown den Kopf gekostet.
Brown ist primär ein Defensiv-Coach, daher halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass er nie über die Defensive geredet hätte. Die Princeton-Offense bekam nur deutlich mehr Presse, das ist alles.
Und so schlimm sah die Defensivabstimmung im Halbfeld gar nicht aus. Das Problem ergab sich tatsächlich eher aus der Transition-Defense. Die Lakers haben ja durch die vielen Turnover nicht nur mehr Transition-Möglichkeiten zugelassen, sondern dann auch noch besonders schlecht in der Rückwärtsbewegung agiert. Dazu kam dann das leidlich Problem der Perimeter-Defensive, die aber auch durch die Spieler eher bedingt ist. Bryant beispielsweise sieht da abseits des Balles eher wie ein 0815-Spieler von irgendeinem Freiplatz aus, als dass er da vernünftigte Defensive spielt.
Und da ist es auch egal, ob er als Coach generell nicht erstklassig ist oder an einem zu ambitionierten Projekt scheiterte, das mit einem Win-Now-Team der Lakers 2012/13-Art nicht gut zu vereinbaren war. Warum sie überhaupt Brown holten und was sie in dem gesehen haben, verstehe sowieso wer will.
Konzeptuell hatte Brown überzeugt. Zudem hat auch er einen guten Umgang mit den Spielern. Ich bezweifle hier stark, dass irgendein Spieler da intervenierte, sondern dass die Entscheidung weiter oben getroffen wurde.
Der Fehler war von Anfang an, auf Eddie Jordan und die Princeton zu setzen. Das war ja schon klar, bevor Nash und Howard kamen. Hier hätten sie von Anfang mal eher auf die Spielzüge der Jahre 2008 bis 2011 schauen sollen (mit Bryant und Gasol sind die wesentlichen Spieler immer noch im Kader), davon ein paar Dinge kopieren und entsprechend dem Spielermaterial anpassen. Und wenn man dann unbedingt ein bisschen Pass-and-Cut oder Pass-and-Follow Action aus der Princeton laufen möchte, dann kann man das gut und gern auch einbinden. Nur wenn dann Nash und Howard da plötzlich im Roster stehen, dann muss die Ansage eben auch lauten, dass da eine Menge P&R gespielt wird. Das ist einfach und sehr effektiv. Mit Artest und Bryant gäbe es dann auch Spieler, die in einigen Sets als Spot-up Shooter fungieren könnten. Flexibilität heisst da das Stichwort, und anscheinend fehlte es Brown an eben jener. Aus diesem Grunde war die Entlassung jetzt wohl eher eine gute Entscheidung. Sollte Phil Jackson dann wirklich wieder zurückkommen, dann dürfte das auch sehr schnell bezüglich der Eingewöhnung gehen.