Ich fühle mich als Kritiker des Kampfes mal angesprochen.
Mich hat es schon immer genervt, daß Leute, die angeblich "Box-Fans" sind, vorher schon zum Boykott der "Mumienschändung" aufgerufen haben, eine ""Klammerorgie" vorausgesagt oder zum x-ten Mal das schlechte "Niveau" im Schwergewichts-Boxen beklagt haben, nicht zuletzt Holy jedes Recht auf eine Titel-Herausforderuing abgesprochen haben.
Womit hat er sich den Kampf denn verdient? Mit seiner Niederlage gegen Ibragimov?
1.) Der Kampf hatte eine sehr gute Einschaltquote, die Halle war schnell ausverkauft. Der Kampf hat die Massen interessiert, und das ist im Profi-Boxsport ein entscheidender Faktor.
Für die Promoter und die Sender, aber nicht für mich als Zuschauer.
3.) Holyfield hatte einen hervorragenden "Game-Plan", in den Ringpausen konnte man das sehr kluge Coaching in seiner Ecke miterleben, ich denke, wäre Holy nicht in den letzten beiden Runden etwas die Luft ausgegangen, hätte er den Sieg verdient gehabt.
Man hätte ihn auch vorne haben können. Mit was hat sich Valuev den Sieg verdient? Mit dem Gürtel oder mit seiner "Workrate"?
5.) Das wirklich "großartige" an diesem Kampf hat sich für mich erst danach dargestellt: Die Zuschauer in der Halle (und sicher auch an den Bildschirmen) haben einen Herausforderer gesehen, der offensichtlich alles aus sich herausgeholt hat. Man konnte ihm seine Anstrengung anmerken.
"Großartiges Herz" und unbedingten Willen sieht man in vielen Fights, aber nicht von vielen boxenden 46-Jährigen. Das ist das einzig besondere.
6.) Das knappe Punkt-Urteil geht (für mich) in Ordnung. Zuletzt hat Holy vielleicht zuwenig gemacht...aber: Die Sympathien des Publikums (und der Presse am nächsten Tag...) hat er sich verdient! Es war ein mehr als würdevoller, respektabler Auftritt, mit dem er die Kritiker zum Schweigen gebracht haben sollte.
Selbst wenn er mit seiner Leistung die Predictions der Kritiker hat ins Nichts laufen lassen: Was ändert das?
Der Kampf war aus sportlicher Sicht eine reine Leerformel, und eine höhnische noch dazu. Herr Sauerland hat vor einem Jahr erst den Ibragimov-Kampf verurteilt - und ein Jahr später darf Holyfield dann gegen den eigenen Boxer 'ran. Witzig, was?
9.) Entgegen aller Erwartung - hat Holyfield mit diesem Kampf große Sympathien gewonnen, und seinen Status als Champion bestätigt...durch seine eindrucksvolle Leistung! Gleichzeitig hatte er die Größe, Valuev's "Qualitäten" anzuerkennen..."he can do things other's can't do": Eine 140-Kilo-Wand zu besiegen, ist eben verdammmt schwer. Seine Physis ist einfach umwerfend, und man kann ihm seine Größe und sein Gewicht nicht "vorwerfen". Es muß erst mal jemand kommen, der den "weißen Riesen" auf die Bretter schickt. Vermutlich wird dies niemals gelingen.
1) Der "weiße Riese" sollte endlich gegen ernsthafte Gegner kämpfen. Den besten Namen, den Valuev bisher geboxt hat, war Chagaev, und der hat trotz der riesigen körperlichen Nachteile den Kampf klar gewonnen. Er würde auch einen Rückkampf gewinnen.
Haye und die beiden Klitschkos hätten jedenfalls sehr, sehr gute Chancen auf einen vorzeitigen Sieg: Valuev ist so ein miserabler Boxer, daß er selbst gegen kleinere, ältere, punchlose Boxer "kontroverse Entscheidungen" der Punktrichter braucht, um siegen zu können.
Wie soll das erst aussehen, wenn er auf Leute trifft, die ihm körperlich nicht hoffnungslos unterlegen sind, die technisch sehr gut geschult wurden und daneben noch über einen dicken, saftigen Punch verfügen? Dann wird sich die Propaganda vom unfällbaren Riesen sehr schnell von selber erledigt haben.
2) Holyfield musste sich keine Sympathien gewinnen, die hatte er schon vorher auf seiner Seite.