Aus meiner Sicht war dieser Teamwettkampf das schönste Springen seit acht Jahren - er war hochklassig, er war spannend, hatte Höhen und Tiefen - und er ist für Deutschland im Rahmen der Möglichkeiten absolut optimal ausgegangen; ich glaube, ich habe mich nie zuvor über eine Silbermedaille so gefreut, höchstens noch über das WM-Silber von Martin Schmitt letztes Jahr - aber da war der Wettkampf insgesamt nicht so schön.
Im ersten Durchgang lief ja eigentlich alles normal; alle Springer der Top-Nationen brachten aus meiner Sicht ungefähr die Leistungen, die man von ihnen erwarten durfte. Als dann im zweiten Durchgang zunächst Happonen und anschließend Hilde 139 Meter weit sprangen, begann bei mir dann so richtig das Zittern: Einerseits wusste ich: Wank ist dazu mit einem guten Sprung auch in der Lage - aber: Würde er den bringen? Würde er dem Druck bei seinen ersten Olympischen Spielen im Kampf um die Medaillen standhalten? Er hielt ihm stand - und segelte exakt genau so weit wie seine beiden Vorgänger.
Es sah gut aus - der Vorsprung Deutschlands auf die Plätze drei und vier war ungefähr so, dass man auch einen etwas schwächeren Sprung vielleicht würde verkraften können. Und leider kam der dann auch - doch irgendwie war es auch der Sprung vom Martin, der das Endergebnis dann um so schöner gemacht hat: Denn hätte er 135 Meter gebracht, so wäre es für Uhrmann fast nur noch Formsache gewesen, so war es spannend bis zum letzten Springer (wenngleich beim letzten die Spannung eher darin bestand, ob er heil unten ankommt, aber damit wollte ich jetzt nicht wieder anfangen).
Doch so schrumpfte der Vorsprung, und ich wusste: Ein Olli oder ein Jacobsen sind jederzeit in der Lage, Zaubersprünge der zeigen. Die Windunterbrechungen haben natürlich noch stärker an den Nerven gezerrt - kaum vorstellbar, wie es da den Springern ergangen sein muss. Insbesondere nach Jacobsens Sprung befürchtete ich schon, dass die Silbermedaille wohl futsch sei - und auch Ollis Sprung musste erst einmal gekontert werden. Welch eine Last fiel da ab, als Michael Uhrmann dann doch noch einen 140er auspacken konnte! Welch ein Befreiungsschlag! Es war - trotz der guten Resultate von Uhrmann und Neumayer - der einzige Skisprung-Wettkampf, in dem Deutschland realistische Chancen auf eine Medaille hatte - und unsere Springer haben sie genutzt!
Herzlichen Glückwunsch auch an unsere südlichen Nachbarn: Auch mir haben zwar einige Aktionen in den letzten Tagen nicht sonderlich gut gefallen - aber ihr habt die mit Abstand beste Mannschaft und daher verdient Gold gewonnen. Und irgendwie ist es auch schön, dass ihr so überlegen wart - Silber mit 7 Punkten Rückstand wäre irgendwie weniger schön gewesen als Silber mit 70.
