Wir hatten vergangene Saison einen Trainer der vogelwilde Dinge gemacht hat, komische Ansichten hatte, Spielern Qualitäten zugesprochen die etwas absurd waren und man hatte das Gefühl die Person muss sich was ganz komisches einfallen lassen um besonders hervorzustechen.
Der Vergleich mit Tuchel zieht mMn überhaupt nicht. Tuchel ist ein krasser Perfektionist und kann auch sehr hart zu den Spielern sein. Und zumindest beim BVB gab es definitiv Probleme im zwischenmenschlichen Bereich mit den Spielern. Manche im BVB Thread haben ihn ja Psycho-Tuchel genannt. Das will ich mir nicht zu eigen machen, aber dass er schwierig sein kann dürfte unstrittig sein.
Mir geht es nicht darum, daraus jetzt ein richtig oder falsch zu machen - Tuchel hatte schließlich auch große Erfolge mit seinem Stil. Wolf ist viel kürzer im Profigeschäft und hat bisher, von den Ergebnissen her, komplett geliefert, aber natürlich hat Tuchel den erfolgreicheren CV. Womit Wolf aber definitiv nie Probleme haben wird, das gebe ich dir schriftlich, weil ich diesen Mann kenne, sind Spielerrevolten gegen ihn, weil die Spieler unzufrieden mit seinem autoritären Stil sind. Das entspricht einfach nicht Wolfs Charakter. Der ist ein Menschenfänger vor dem Herrn. Dass er nach 20 Minuten Gespräch mit Klopp (von dem er sicher viel gelernt hat) bei einer lokalen Sportlergala seinen Job beim BVB bekommen hat ist kein Zufall. Wenn Wolf mal seine Mannschaft verlieren sollte, dann eher, weil er zu soft ist. Weil er eben keine verbalen A*schtritte verteilt, wenn das vielleicht mal sein müsste (um das klar zu sagen: ich glaube durchaus, dass er das auch macht, aber ich glaube eben, dass er wenn, dann daran scheitert).
Nur weil Wolf und Tuchel beide mit Dreierkette spielen und sie oft die "Kultur" innerhalb der Mannschaft betonen heißt das nicht, dass sie sich in ihrem Stil ähnlich wären. Du kennst dich ja auch ein bisschen mit der NFL aus. Wolf ist, von seinem
Stil, recht gut mit Pete Carroll vergleichbar. Grundpositiver Typ, wie schon gesagt Menschenfänger, viele positive Ansprachen, große Betonung auf den Wettbewerb innerhalb der Mannschaft (was die Spieler dann eben kitzeln soll, trotz positiver Ansprachen immer alles zu geben). Um ehrlich zu sein fällt mir ein NFL Vergleich für Tuchel schwer. Ich finde Mark Trestman trifft es da noch am besten, aber ich wollte jetzt Wolf nicht mit einem Super Bowl Winner und Tuchel mit einem Coach, der eine starke Saison hatte und danach nichts mehr, vergleichen. Aber Trestman war immer ein guter Taktiker, der sehr smart ist, allerdings ziemlich unterkühlt und distanziert daherkommt. Diese Eigenschaften hat Tuchel mMn schon. Und lustigerweise hatte Trestman auch mit einer Spielerrevolte zu kämpfen.
Bei Baumgartl übrigens auch, wie man gegen Augsburg gesehen hat. Die tascische „ich weiss nicht wohin mit dem ball“-Geste hat er jedenfalls 1A drauf, Augsburg hat ihn (und nur ihn) bei seinen Spielaufbauversuchen nichtmal angegriffen.
Wenn Augsburg die Passwege zustellt spricht das eher dafür, dass sie nicht der Meinung waren, ihn erfolgreich pressen zu können. Aber wenn du das gut verteidigst ist das trotzdem extrem schwer.
Baumgartl war gegen Augsburg nicht gut, ja. Aber Leipzig wollte, ich glaube das war erst letzten Sommer, Baumgartl haben und war bereit, zwischen 8 und 10 Mio für ihn zu bezahlen (die genauen Zahlen habe ich nicht mehr im Kopf). Zu diesem Zeitpunkt war er im Zweikampf noch deutlich softer als heutzutage. Für was also hat Leipzig das Geld geboten? Für sein Aufbauspiel. Und nur weil er jetzt mal ein unglückliches Spiel hatte (ohne dabei katastrophal zu sein) sage ich jetzt nicht auf einmal, dass er ein schlechtes Aufbauspiel hätte.