So, eine Nacht drüber geschlafen und ausgiebig gegessen: Der Kampf war eine herbe Enttäuschung. Im Grunde ist es genauso gekommen, wie ich es mir in der Prediction gedacht habe.
Chambers' Selbstvertrauen war beim Wiegen angeknackst (auch wenn er nicht, wie der grauenvolle Kommentator Drews behauptete, fast sofort den Kopf weggedreht hätte...) und war spätestens nach dem Wackler in der zweiten Runde Geschichte. Danach gab es dann und wann ein paar ansatzlos geschlagene Rechte und Jabs zum Körper, deren Effekt gleich 0 gewesen ist. Es ging sehr zum Leidwesen seines Trainers von da an nur noch um das nackte Überleben.
Mir würde es als Kritiker schon genügen, wenn Klitschko für seine ewige Halterei, sein Aufbocken, Auflehnen, Schieben und in die Mangel nehmen endlich einmal ermahnt und verwarnt würde. Man muss, auch wenn man seinen Jab und seine hervorragende Beinarbeit lobt, auf der anderen Seite konstatieren, dass sein Style und sein Erfolg eben auch von diesen Klammerorgien abhängt. Besonders ärgerlich empfinde ich es dann, wenn sich unkundige Prominente vor die Kamera stellen, und die Ringerwürfe Chambers' kritisieren (oder ein Westernhagen die ohnehin schon parteiische Meute noch weiter anstachelt. Das ist höchst unsportlich), ungeachtet der Tatsache, dass der Champ zuvor in aller Regelmäßigkeit schon gegen die Regeln verstoßen hat...
Ob Klitschko in dieser Form von dem vorhandenen Personal geschlagen werden kann, weiß ich nicht. Ich glaube nach wie vor an die Blueprint, aber längst nicht mehr an die Leute, die momentan im Schwergewicht rumlaufen. Am ehesten traue ich es noch einem Haye zu, etwas bessere "Außenseiterchancen" haben reine Pressure Fighter wie Povetkin und Arreola. Vor allem letzteren würde ich gerne gegen Wladimir sehen.