Die Begeisterung für die Klinsmann-Truppe 2006 konnte ich nicht wirklich verstehen. Die Länderspiele vor der WM waren teilweise katastrophal.
Das war doch aber früher nicht anders. Da waren nicht nur die Freundschaftsspiele teilweise ein Gewürge, sondern auch die Spiele, wo es um was ging. Die direkte Quali für die WM 1998 stand z.B. bis zur letzten Minute auf der Kippe, ehe Bierhoff (?) dann in der Nachspielzeit das 4:3 gegen Albanien erzielt hat.
Die misslungen Länderspiele im Vorfeld der WM 2006 würde ich eher auf die Unerfahrenheit/Naivität der jungen Mannschaft schieben, während das Gegurke der Altherrentruppe unter Vogts/Ribbeck oft einfach nur unfassbar gestrig und öde wirkte.
Bei der WM wurden immerhin die sehr niedrigen Erwartungen übertroffen. Mehr aber auch nicht. Im Eröffnungsspiel 2 Gegentore gegen den krassen Außenseiter Costa Rica und das Spiel bis kurz vor Schluss noch offen. Gegen Polen 90 Minuten ein 0:0-Gewürge, erst in der Nachspielzeit noch der glückliche Siegtreffer. Gegen Argentinien glücklich mit Ach und Krach ins Elfmeterschießen gerettet. Und das trotz Heimvorteil, der sicher nochmal einige Prozent mehr aus der Mannschaft herausgeholt hat, als das bei einer WM in einem fremden Land der Fall gewesen wäre.
Gegen Costa Rica war es in Anbetracht der Tragweite des Matches ein erwartbar nervöser Start, der aber Dank zweier Traumtore erfolgreich gestaltet wurde.
Das Spiel gegen Polen war ein unfassbar lebendiges "Sturm und Drang"-Match, das man bei besserer Chancenverwertung 4:0 gewinnt. Und wo war der Siegtreffer "glücklich"? Nur weil er in letzter Sekunde zustande kam? Tolle Balleroberung von Lahm, überragender Chipball von Schneider in den Lauf von Odonkor und der sucht und findet Neuville im Zentrum --> Ekstase! Den Jubel werde ich in meinem Leben nicht vergessen.
Gegen Ecuador dann ein souveräner 3:0 Sieg und das Achtelfinale gegen Schweden war bis zur Halbzeit eine der besten Turnierleistungen einer DFB-Elf in den letzten 50 Jahren.
Gegen Argentinien hatte man in einem 50/50-Spiel sicher das notwendige Glück, aber das war jetzt auch keine Laufkundschaft, sondern eine mit erfahrenen Topspielern gespickte Truppe, die auch noch verdammt eklig zu bespielen war und vor Selbstbewusstsein nur so getrotz hat.
Gegen Italien im HF hat ein "normales" Leistungsniveau halt nicht gereicht, aber da hätte auch einfach alles passen müssen. Chancen waren schon vor der dem Grosso-Tor auf beiden Seiten da, im Endeffekt hat Italien dann die minimalen Vorteile in einen Last-Minute-Sieg umgemünzt.
Insgesamt wurden die Erwartungen auch aufgrund der offensiven und gut ansehnlichen Spielweise meilenweit übertroffen und das obwohl der Heimvorteil auch leicht zu einem Heimnachteil werden hätte können., wenn man den kompletten Boulevard und Schwergewichte wie Hoeneß und Beckenbauer im Nacken hat.