Ich finde es besteht für den BVB überhaupt gar kein Grund an der derzeitigen Situation etwas zu ändern, denn die ist äußerst komfortabel. Der Sinn eines Börsengangs ist es ja Geld einzunehmen, der Preis dafür ist es Anteile bzw. Mitspracherechte ausgeben zu müssen. Dortmund hat damals auf einen Schlag viel Geld eingenommen, es sofort mit vollen Händen wieder ausgegeben und ist am Ende ziemlich glimpflich davon gekommen.
Ich bin ja neulich schon auf die Struktur des BVB eingegangen. Die Geschäftsführung GmbH hat in der KGAA das Sagen, haftet nicht als Komplementär und ist eine hundertprozentige Vereinstochter. Der BVB selbst hält gerade mal 5,5% der Aktien. Durch die angesprochene Fankultur unter den Aktionären (60% Streubesitz, vermutlich hauptsächlich Kleinanleger) ist überhaupt kein Gegenwind zu erwarten. Das bedeutet, dass die sportliche Leitung sich kaum verantworten muss und gemessen am eingenommenen Geld kaum Mitspracherechte abgeben musste. Das Prinzip des Börsengangs hat sich also zugunsten der sportlichen Führung entwickelt. Der einzig relevante Nachteil sind ja eigentlich nur die zu zahlenden Dividenden.
Die Marktkapitalisierung an sich wird ja auch erst dann wichtig, wenn man plant neue Anteile auszugeben oder bestehende zu verkaufen (wird bei 5,5% Eigenanteil schwierig). Der BVB war halt über Jahre massiv unterbewertet, hat Tantrum hier ja schon öfter angeführt. Aber man hätte diese Zeit auch einfach überbrücken können, indem man die bestehende Wirtschaftssituation genutzt hätte und sich Liquidität in Form von Fremdkapital besorgt hätte. Bei der Niedrigzinspolitik wäre das ja überhaupt kein Problem gewesen. Der BVB weist schon seit mindestens 2014 keine Nettoverschuldung mehr auf. Es gab absolut kein Argument dafür unterbewertete Anteile auszugeben, anstatt sich das Geld bei der Bank zu holen, außer um auf der JHV Fremdkapital wie ein Schimpfwort zu behandeln und mit dem Zeigefinger Richtung Niebaum zu wedeln. Watzke hätte diese Zeit der Unterbewertung einfach aussitzen können. Daran, dass der BVB selbst - und nicht die Aktionäre - nachwievor Hauptprofiteur der Börsennotierung ist, ändert das nichts. Das ist im Grunde nur eine Nebelkerze von Watzke.