Favre lässt in Nizza aber anderst wie in Gladbach spielen, sie haben 60 Buden in 36 Ligaspielen gemacht, nur PSG, Monaco und Lyon haben mehr erzielt. Die Spiele die ich angschaut habe, waren schon sehr offensiv geprägt.
Nizza ist ja auch 3., da ist es relativ normal, dass man auch mehr Buden gemacht hat, als der Durchschnitt. PSG, Monaco und Lyon haben ja nicht nur mehr Tore erzielt, sondern viel mehr. Da klafft in dieser Hinsicht schon eine sehr große Lücke zwischen Platz 3 und dem Rest. Natürlich ist Favre absolut kompetent, aber die Spielweise würde sich schon reichlich verändern und vorsichtiger werden. Ich bin nicht so sicher, ob das wirklich zu Dortmund passt: zum Kader, aber auch zum Publikum. Nizza kommt vergleichsweise wenig über die Außen, da spielen auch gar keine gelernten Winger (kann dem Kader geschuldet sein, aber eben auch der Philosophie des Trainers). Nizza profitiert eher von einem starken Zentrum, dass die Dinge regelt. Die Stärken eures aktuellen Kaders sehe ich aber eher genau andersrum. Nizza schießt auch nicht besonders oft aufs Tor, in der BL hat Mainz den identischen Torschusswert (wobei man natürlich auch berücksichtigen muss, dass in der Ligue 1 generell defensiver gespielt wird als in D). Dafür agiert Nizza deutlich zweikampfbasierter und auch härter als der BVB.
Ich traue Favre durchaus zu, "sein Spiel" ein Stück weit nach dem vorhandenen Kader auszurichten, aber mehr Spektakel als unter Tuchel gäbe es sicher nicht. Favre ist schon ein Kontrolltrainer, was die taktische Ausrichtung angeht, Visier runter und dann Attacke gab es bei ihm noch nie.
Ich finde Favre sympathisch und halte ihn für fachlich absolut top. Qualitativ würde er gut zum BVB passen, aber das allein ist es ja nicht. Ob seine Auffassung von Fußball zu eurem Kader und "der Süd" und ob seine Persönlichkeit zu dem deutlich höheren Druck und Medieninteresse (gerade auch in dieser Situation nach Tuchel) passen - da bin ich nicht so sicher. Der BVB ist doch immer dann stark, wenn sich Emotionen vom Platz auf das Publikum übertragen (und andersrum), wenn ein gewisses sportliches Spektakel geboten wird und sich eine "Empathieinheit" zwischen Akteuren und Umfeld bildet (nicht nur mit Watzke, sondern dem gesamten Umfeld). Das sind aber so ziemlich genau die Dinge, die ich mit Favre eigentlich so gar nicht in Verbindung bringe.