Ich schätze dich ja als guten User, aber wie du Arreola derzeit gegen Klitschko eine Chance geben kannst, ist mir unbegreiflich. Das ist für mich nur aufgrund einer persönlichen Ablehnung Klitschkos erklärlich. Wann hat denn bitte Arreola bewiesen, dass es auch nur für irgendeinen TOP-10 Boxer geschweige denn einen Klitschko reicht? Gegen die unzähligen Clubfighter oder den Rentner McCline? Ich verfolge sehr gespannt die weitere Entwicklung Arreolas, aber ihn jetzt mit den Klitschkos in den Ring zu schmeißen, ist völlig unverantwortlich.
Es stimmt schon, daß mir bei diesem Thema regelmäßig die Gäule durchgehen. Das liegt nicht einmal an den Klitschkos selber; die machen nur ihren - zugegebenermaßen - guten Job. Das erkenne ich neidlos an. Störend empfinde ich eher diese unsägliche mediale Begleitung. Alles verfällt diesem unglaublichen, gigantischen
Blob. Was ist der Blob? Das ist ein derb aromatisierter Soßenbinder, den Köche wie Drews, Ebel und die Halbprominenz bei privatsenderlichen Veranstaltungen in die Suppe schmeißen, damit das Produkt am Ende allen schmeckt. Mir fällt - wenn ich mir diese Shows betrachte und von der Suppe koste - direkt ein Bild ein: Da feiern Abertausende eine bombastische, merkantile Orgie und huldigen einem Champion, der eine der schwächsten Dekaden des Sports beherrscht. Ein Bekannter rätselte beim Anblick des Feuerwerks und meinte, daß diese Inszenierungen beinahe faschistoide Züge trügen. Aber das alles würde mich nicht einmal stören, wenn nicht Presse oder halbwegs seriöse Organe in diesen marktschreierischen Tonfall einfielen.
Immerhin gab es nach dem Rahman-Kampf einige wenige "gallische Dörfer", die diesem unsinnigen Sieg ein wenig Glanz und Gloria nahmen.
Der Kampf am Samstag lebte doch von nichts anderem als davon, daß sich Chagaev Weltmeister nennen darf. Wer sich den Kampf gegen Drumond aufmerksam angesehen und Chagaevs Krankenakte gelesen hat, wusste eigentlich im Vorfeld, daß Chagaev mit einem fast erblindeten Auge, einem dürftigen Comeback und einer zehrenden Verletzung im Rücken diesen Kampf mit Klitschko nicht aus tiefster Siegesgewissheit angenommen hat. Er bekam ein Antrittsgeld von zwei Millionen Euro. Nach dem geplatzten Valuev-Kampf ein ordentliches Zubrot, nicht? Das soll übrigens kein Versuch sein, den nächsten Klitschko-Gegner schwach zu reden. Auch ich hab' mir falsche Hoffnungen eingeredet, obwohl auf der Haben-Seite ziemlich vieles gegen Ruslan gesprochen hat.
Zur Arreola-Sache: Natürlich übertreibe ich maßlos, und doch meine ich es in Grundzügen ernst. Ich verfolge Arreola seit elf Kämpfen genau und regelmäßig, und wenn ich nicht von seinem Talent überzeugt wäre, würde ich es nicht schreiben. Der Mann hat bei all seinen Unzulänglichkeiten einen phänomenalen Instinkt und genau die Waffen, die Klitschko nicht in den Kram passen. Auf der anderen Seite müsste er, und das sehen seine Kritiker durchaus richtig, nicht wenige Schwächen ausmerzen, um nicht chancenlos zu sein.